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Weber, Michael: Christliche Trawr- und Leichpredigt. [Nürnberg], 1647.

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XC.
Auff deß seligen Herrn Saubertus
höchstbetrawerlichen Tod.
EJn Weh ist kümmerlich vorüber/
das ander folget auff dem Fuß;
der Himmel wird nur jmmer trüber
vnd schüttet seinen Racheguß/
der dich/ O werthe Vatterstadt/
seither offt überschwemmet hat!
Kein Jahr ist völlig hingestrichen
(was Vnglück bringt so kurtze Zeit!)
seit dein Welhammer tods verblichen
der Mund selbst der Beredsamkeit/
dem doch sein Ambt nicht nur im Mund/
im Geist vnd Eiver mehr bestund.
Der Schaden wolt ein Narb gewinnen
vnd heilet allgemächlich zu/
die Augen hörten auff zu rinnen/
der Schmertz begabe sich zu Ruh/
biß daß die Wunden wider riß
vnd dich auffs newe weinen hieß.
Es leget sich ein andrer nider/
den ich zu rühmen wenig taug/
die Nerve deiner Kirchenglieder/
das Hertz/ die Seel/ das einig Aug.
Cornelius/ der thewre Mann/
den keine Zung gnug loben kan.
Nach diesem wird es noch nicht besser/
die Scharte bleibt vnaußgewetzt/
biß dir der dritte Fall das Messer
gar an die Kehl vnd Gurgel setzt
vnd
XC.
Auff deß ſeligen Herrn Saubertus
hoͤchſtbetrawerlichen Tod.
EJn Weh iſt kuͤmmerlich voruͤber/
das ander folget auff dem Fuß;
der Himmel wird nur jmmer truͤber
vnd ſchuͤttet ſeinen Racheguß/
der dich/ O werthe Vatterſtadt/
ſeither offt uͤberſchwemmet hat!
Kein Jahr iſt voͤllig hingeſtrichen
(was Vngluͤck bringt ſo kurtze Zeit!)
ſeit dein Welhammer tods verblichen
der Mund ſelbſt der Beredſamkeit/
dem doch ſein Ambt nicht nur im Mund/
im Geiſt vnd Eiver mehr beſtund.
Der Schaden wolt ein Narb gewinnen
vnd heilet allgemaͤchlich zu/
die Augen hoͤrten auff zu rinnen/
der Schmertz begabe ſich zu Ruh/
biß daß die Wunden wider riß
vnd dich auffs newe weinen hieß.
Es leget ſich ein andrer nider/
den ich zu ruͤhmen wenig taug/
die Nerve deiner Kirchenglieder/
das Hertz/ die Seel/ das einig Aug.
Cornelius/ der thewre Mann/
den keine Zung gnug loben kan.
Nach dieſem wird es noch nicht beſſer/
die Scharte bleibt vnaußgewetzt/
biß dir der dritte Fall das Meſſer
gar an die Kehl vnd Gurgel ſetzt
vnd
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[0201] XC. Auff deß ſeligen Herrn Saubertus hoͤchſtbetrawerlichen Tod. EJn Weh iſt kuͤmmerlich voruͤber/ das ander folget auff dem Fuß; der Himmel wird nur jmmer truͤber vnd ſchuͤttet ſeinen Racheguß/ der dich/ O werthe Vatterſtadt/ ſeither offt uͤberſchwemmet hat! Kein Jahr iſt voͤllig hingeſtrichen (was Vngluͤck bringt ſo kurtze Zeit!) ſeit dein Welhammer tods verblichen der Mund ſelbſt der Beredſamkeit/ dem doch ſein Ambt nicht nur im Mund/ im Geiſt vnd Eiver mehr beſtund. Der Schaden wolt ein Narb gewinnen vnd heilet allgemaͤchlich zu/ die Augen hoͤrten auff zu rinnen/ der Schmertz begabe ſich zu Ruh/ biß daß die Wunden wider riß vnd dich auffs newe weinen hieß. Es leget ſich ein andrer nider/ den ich zu ruͤhmen wenig taug/ die Nerve deiner Kirchenglieder/ das Hertz/ die Seel/ das einig Aug. Cornelius/ der thewre Mann/ den keine Zung gnug loben kan. Nach dieſem wird es noch nicht beſſer/ die Scharte bleibt vnaußgewetzt/ biß dir der dritte Fall das Meſſer gar an die Kehl vnd Gurgel ſetzt vnd

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Zitationshilfe: Weber, Michael: Christliche Trawr- und Leichpredigt. [Nürnberg], 1647, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/346672/201>, abgerufen am 25.09.2020.