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Henel, Christoph: Die itzt abfallende und wandernde Blätter Als Ein Bilde des Lebens und Außganges. Schlichtingsheim, [1692].

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Die itzt abfallende
dessen Fournier in Geograph. c. 15. p. 427. gedencket. Alles/ al-
les dieses/ und was mehr schönes/ herrliches und gläntzendes
mag genennet werden/ wird als nichts und noch weniger als
nichts seyn gegen die Klarheit und Herrligkeit/ darinnen die-
se itzt dahin ziehende und wandernde Blätter dort ewig ste-
hen/ leuchten und gläntzen werden. Und wie nun dieses die
Sämtliche Hoch-Betrübten Leidtragende Hertzen
allerseits kräfftig auffrichten und trösten kan/ daß sie nem-
lich wissen/ daß ihre itzt wandernde Blätter einst wieder grü-
nen und leben werden/ wenn der Geist des HErren darein
blasen wird/ und Sie in tausend Freuden und voller Herr-
ligkeit wieder finden sollen/ was Sie itzt mit Thränen dahin
geben/ ziehen und fahren lassen: Also kommet heute auch noch
darzu und dienet nicht wenig Meiner allerseits nach Stan-
des- und Ehren-Gebühr Höchst- und Hochgeehrten Herrn/
Frauen und Jungfrauen Hohe Faveur, Gunst und Wohl-
gewogenheit/ die Sie bey heut angesteltem Hoch-Adel.
Leich- und Ehren-Begängnüß der Seel. Frau Glau-
bitzin
mit Jhrer so willig gegönneten Gegenwart und ab-
gelegtem Christl: Bey-Leide Sämbtl: rühmlichst contesti-
ret haben. Da nun die Hoch-Adel. Leidtragenden auch
hierdurch sich nicht wenig in Jhrem Trauren gestärcket und
auffgerichtet befinden/ und die Warheit der Worte des al-
ten Stobaei (Serm. 112.) Hierbey allerdings wohl erfahren/ der
vor langer Zeit geschrieben/ daß Betrübten und Leydtra-
genden auch dieses schon ein grosser Trost sey/ wenn Andere
mit Jhnen Mitleiden tragen und weinen: So erkennen
und verehren Sie dieses nicht allein mit gebührendem Eh-

ren-

Die itzt abfallende
deſſen Fournier in Geograph. c. 15. p. 427. gedencket. Alles/ al-
les dieſes/ und was mehr ſchoͤnes/ herꝛliches und glaͤntzendes
mag geneñet werden/ wird als nichts und noch weniger als
nichts ſeyn gegen die Klarheit und Herꝛligkeit/ darinnen die-
ſe itzt dahin ziehende und wandernde Blaͤtter dort ewig ſte-
hen/ leuchten und glaͤntzen werden. Und wie nun dieſes die
Saͤmtliche Hoch-Betruͤbten Leidtragende Hertzen
allerſeits kraͤfftig auffrichten und troͤſten kan/ daß ſie nem-
lich wiſſen/ daß ihre itzt wandernde Blaͤtter einſt wieder gruͤ-
nen und leben werden/ wenn der Geiſt des HErꝛen darein
blaſen wird/ und Sie in tauſend Freuden und voller Herꝛ-
ligkeit wieder finden ſollen/ was Sie itzt mit Thraͤnen dahin
geben/ ziehen und fahren laſſen: Alſo kom̃et heute auch noch
darzu und dienet nicht wenig Meiner allerſeits nach Stan-
des- und Ehren-Gebuͤhr Hoͤchſt- und Hochgeehrten Herꝛn/
Frauen und Jungfrauen Hohe Faveur, Gunſt und Wohl-
gewogenheit/ die Sie bey heut angeſteltem Hoch-Adel.
Leich- und Ehren-Begaͤngnuͤß deꝛ Seel. Frau Glau-
bitzin
mit Jhrer ſo willig gegoͤnneten Gegenwart und ab-
gelegtem Chriſtl: Bey-Leide Saͤmbtl: ruͤhmlichſt conteſti-
ret haben. Da nun die Hoch-Adel. Leidtragenden auch
hierdurch ſich nicht wenig in Jhrem Trauren geſtaͤrcket und
auffgerichtet befinden/ und die Warheit der Worte des al-
ten Stobæi (Serm. 112.) Hierbey allerdings wohl erfahren/ der
vor langer Zeit geſchrieben/ daß Betruͤbten und Leydtra-
genden auch dieſes ſchon ein groſſer Troſt ſey/ weñ Andere
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[50/0050] Die itzt abfallende deſſen Fournier in Geograph. c. 15. p. 427. gedencket. Alles/ al- les dieſes/ und was mehr ſchoͤnes/ herꝛliches und glaͤntzendes mag geneñet werden/ wird als nichts und noch weniger als nichts ſeyn gegen die Klarheit und Herꝛligkeit/ darinnen die- ſe itzt dahin ziehende und wandernde Blaͤtter dort ewig ſte- hen/ leuchten und glaͤntzen werden. Und wie nun dieſes die Saͤmtliche Hoch-Betruͤbten Leidtragende Hertzen allerſeits kraͤfftig auffrichten und troͤſten kan/ daß ſie nem- lich wiſſen/ daß ihre itzt wandernde Blaͤtter einſt wieder gruͤ- nen und leben werden/ wenn der Geiſt des HErꝛen darein blaſen wird/ und Sie in tauſend Freuden und voller Herꝛ- ligkeit wieder finden ſollen/ was Sie itzt mit Thraͤnen dahin geben/ ziehen und fahren laſſen: Alſo kom̃et heute auch noch darzu und dienet nicht wenig Meiner allerſeits nach Stan- des- und Ehren-Gebuͤhr Hoͤchſt- und Hochgeehrten Herꝛn/ Frauen und Jungfrauen Hohe Faveur, Gunſt und Wohl- gewogenheit/ die Sie bey heut angeſteltem Hoch-Adel. Leich- und Ehren-Begaͤngnuͤß deꝛ Seel. Frau Glau- bitzin mit Jhrer ſo willig gegoͤnneten Gegenwart und ab- gelegtem Chriſtl: Bey-Leide Saͤmbtl: ruͤhmlichſt conteſti- ret haben. Da nun die Hoch-Adel. Leidtragenden auch hierdurch ſich nicht wenig in Jhrem Trauren geſtaͤrcket und auffgerichtet befinden/ und die Warheit der Worte des al- ten Stobæi (Serm. 112.) Hierbey allerdings wohl erfahren/ der vor langer Zeit geſchrieben/ daß Betruͤbten und Leydtra- genden auch dieſes ſchon ein groſſer Troſt ſey/ weñ Andere mit Jhnen Mitleiden tragen und weinen: So erkennen und verehren Sie dieſes nicht allein mit gebuͤhrendem Eh- ren-

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Zitationshilfe: Henel, Christoph: Die itzt abfallende und wandernde Blätter Als Ein Bilde des Lebens und Außganges. Schlichtingsheim, [1692], S. 50. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/359521/50>, abgerufen am 21.03.2019.