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Walther, Martin: Leichpredigt/ Vber dem Begräbnüß/ deß Ehrwirdigen vnd Wolgelahrten Herrn IOANNIS HENTZNERI. Frankfurt (Oder), 1604.

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TEXTUS.
Sapientiae 5.

ALsdenn wird der Gerechte stehen mit grosser
Frewdigkeit wider die so jhn geängstet haben/
vnnd seine Arbeit verworffen. Wenn dieselben
denn solches sehen werden sie grawsam erschrecken für
solcher Seligkeit/ der sie sich nicht versehen hetten vnd
werden vnter einander reden mit Rewe/ vnd für angst
deß Geistes seufftzen: Das ist der/ welchen wir etwa
für einen spott hatten/ vnd für ein hönisch Beyspiel:
Wir Narren hielten sein Leben für vnsinnig/ vnd sein
Ende für eine schande; Wie ist er nun gezehlet vnter die
Kinder Gottes/ vnd sein Erbe ist vnter den Heiligen.
Darumb haben wir deß rechten Weges gefeilet vnd
das Liecht der Gerechtigkeit hat vns nicht geschienen/
vnd die Sonne ist vns nicht auffgangen. Wir haben
eitel vnrechte vnd schädliche Wege gegangen vnd ha-
ben gewandelt wüste Wege aber deß HErrn Weg ha-
ben wir nicht gewust. Was hilfft vns nun der pracht?
Was bringet vns nun der Reichthumb sampt dem
Hochmut? Es ist alles dahin gefaren wie ein schaten/
vnd wie ein Geschrey das vorüber fehret.

EXORDIVM.

WJr lesen lieben Christen/ Num. 20. das
die Jsraeliter vber jhren verstorbenen Priester La-
conem
dreyssig Tage leid trugen. Also beklagete
vnd beweinete das gantze Jsrael Mosen jhren Her-

tzog vnd
A ij
TEXTUS.
Sapientiæ 5.

ALsdenn wird der Gerechte ſtehen mit groſſer
Frewdigkeit wider die ſo jhn geaͤngſtet haben/
vnnd ſeine Arbeit verworffen. Wenn dieſelben
denn ſolches ſehen werden ſie grawſam erſchrecken fuͤr
ſolcher Seligkeit/ der ſie ſich nicht verſehen hetten vnd
werden vnter einander reden mit Rewe/ vnd fuͤr angſt
deß Geiſtes ſeufftzen: Das iſt der/ welchen wir etwa
fuͤr einen ſpott hatten/ vnd fuͤr ein hoͤniſch Beyſpiel:
Wir Narren hielten ſein Leben fuͤr vnſinnig/ vnd ſein
Ende fuͤr eine ſchande; Wie iſt er nun gezehlet vnter die
Kinder Gottes/ vnd ſein Erbe iſt vnter den Heiligen.
Darumb haben wir deß rechten Weges gefeilet vnd
das Liecht der Gerechtigkeit hat vns nicht geſchienen/
vnd die Sonne iſt vns nicht auffgangen. Wir haben
eitel vnrechte vnd ſchaͤdliche Wege gegangen vnd ha-
ben gewandelt wuͤſte Wege aber deß HErrn Weg ha-
ben wir nicht gewuſt. Was hilfft vns nun der pracht?
Was bringet vns nun der Reichthumb ſampt dem
Hochmut? Es iſt alles dahin gefaren wie ein ſchaten/
vnd wie ein Geſchrey das voruͤber fehret.

EXORDIVM.

WJr leſen lieben Chriſten/ Num. 20. das
die Jſraeliter vber jhren verſtorbenen Prieſter La-
conem
dreyſsig Tage leid trugen. Alſo beklagete
vnd beweinete das gantze Jſrael Moſen jhren Her-

tzog vnd
A ij
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[0003] TEXTUS. Sapientiæ 5. ALsdenn wird der Gerechte ſtehen mit groſſer Frewdigkeit wider die ſo jhn geaͤngſtet haben/ vnnd ſeine Arbeit verworffen. Wenn dieſelben denn ſolches ſehen werden ſie grawſam erſchrecken fuͤr ſolcher Seligkeit/ der ſie ſich nicht verſehen hetten vnd werden vnter einander reden mit Rewe/ vnd fuͤr angſt deß Geiſtes ſeufftzen: Das iſt der/ welchen wir etwa fuͤr einen ſpott hatten/ vnd fuͤr ein hoͤniſch Beyſpiel: Wir Narren hielten ſein Leben fuͤr vnſinnig/ vnd ſein Ende fuͤr eine ſchande; Wie iſt er nun gezehlet vnter die Kinder Gottes/ vnd ſein Erbe iſt vnter den Heiligen. Darumb haben wir deß rechten Weges gefeilet vnd das Liecht der Gerechtigkeit hat vns nicht geſchienen/ vnd die Sonne iſt vns nicht auffgangen. Wir haben eitel vnrechte vnd ſchaͤdliche Wege gegangen vnd ha- ben gewandelt wuͤſte Wege aber deß HErrn Weg ha- ben wir nicht gewuſt. Was hilfft vns nun der pracht? Was bringet vns nun der Reichthumb ſampt dem Hochmut? Es iſt alles dahin gefaren wie ein ſchaten/ vnd wie ein Geſchrey das voruͤber fehret. EXORDIVM. WJr leſen lieben Chriſten/ Num. 20. das die Jſraeliter vber jhren verſtorbenen Prieſter La- conem dreyſsig Tage leid trugen. Alſo beklagete vnd beweinete das gantze Jſrael Moſen jhren Her- tzog vnd A ij

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Zitationshilfe: Walther, Martin: Leichpredigt/ Vber dem Begräbnüß/ deß Ehrwirdigen vnd Wolgelahrten Herrn IOANNIS HENTZNERI. Frankfurt (Oder), 1604, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/509390/3>, abgerufen am 28.03.2020.