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Etner, Martin: Christliche Leichpredigt/ Vber die Wort. Wittenberg, 1618.

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Christliche Leichpredigt.
Confutatio.wesenen/ sehr wolverdienten Archiatri, Denn wiewol
er zuvorn durch Göttliche verleyhung/ mit seiner Kunst/
vnnd Geschickligkeit/ sehr viel/ allerley StandesPer-
sonen/ dem Tode außm Rachen gerissen/ vnnd zu guter
Concl. exor.Gesundheit bracht hat/ So hat er doch gleich allen an-
dern Menschen/ nach dem vnwandelbahren Raht Gottes/
selbst auch siechen vnd sterben müssen.

Transitio ad
proposition.
Was er aber nun bey leben für ein außbund eines
trefflichen nützlichen Mannes gewesen/ ist Stadt- vnnd
Landkündig/ Bedarff meines praeconij, oder lobens so
wenig/ als die helle Sonne eines frembden Liechtes zu
jhrem scheine. Bevoraus/ weil für grossem Hertzen-
leid vnnd Betrübniß/ Ich mir nicht getrawe/ seinen
Ruhm entweder mit gedancken zu erreichen/ oder mit wor-
ten außzusprechen: Vnd aber sein eygener Name Flami-
nius
Gast/ genungsam von jhme zeugen; vnnd berichten
thut.

Flaminius wird derivirt a Flamine, heisset einen
Geistlichen. Der Zunahme Gast/ bedeutet das Irr-
dische Gasthauß seiner Hütten/ das ist den Leib/ welchen
Cumnarra-
tione.
die Seele zu vorn informiret vnd bewohnet hat. Wie nun
beyde Nahmen Conjunctim, keiner absonders vnsern se-
ligen Herren Doctorem designiret, vnd von allen andern
vnterschieden haben; Also bestand auch sein vollkommen
Esse nicht im Geist/ oder Leibe Seorsim, Sondern in de-
rer beyden/ tanquam Materiae, & formae, Natürlichen
Union zu einem Individuo.

Propositio
bimembris.
Nichts desto weniger/ wird in beyden Namen vnter-
schiedlich/ vnsers seligen Herren Doctoris 1. Statliches

Herkom-

Chriſtliche Leichpredigt.
Confutatio.weſenen/ ſehr wolverdienten Archiatri, Denn wiewol
er zuvorn durch Goͤttliche verleyhung/ mit ſeiner Kunſt/
vnnd Geſchickligkeit/ ſehr viel/ allerley StandesPer-
ſonen/ dem Tode außm Rachen geriſſen/ vnnd zu guter
Concl. exor.Geſundheit bracht hat/ So hat er doch gleich allen an-
dern Menſchen/ nach dem vnwandelbahren Raht Gottes/
ſelbſt auch ſiechen vnd ſterben muͤſſen.

Tranſitio ad
propoſition.
Was er aber nun bey leben fuͤr ein außbund eines
trefflichen nuͤtzlichen Mannes geweſen/ iſt Stadt- vnnd
Landkuͤndig/ Bedarff meines præconij, oder lobens ſo
wenig/ als die helle Sonne eines frembden Liechtes zu
jhrem ſcheine. Bevoraus/ weil fuͤr groſſem Hertzen-
leid vnnd Betruͤbniß/ Ich mir nicht getrawe/ ſeinen
Ruhm entweder mit gedancken zu erreichen/ oder mit wor-
ten außzuſprechen: Vnd aber ſein eygener Name Flami-
nius
Gaſt/ genungſam von jhme zeugen; vnnd berichten
thut.

Flaminius wird derivirt à Flamine, heiſſet einen
Geiſtlichen. Der Zunahme Gaſt/ bedeutet das Irr-
diſche Gaſthauß ſeiner Huͤtten/ das iſt den Leib/ welchen
Cumnarra-
tione.
die Seele zu vorn informiret vnd bewohnet hat. Wie nun
beyde Nahmen Conjunctim, keiner abſonders vnſern ſe-
ligen Herren Doctorem deſigniret, vnd von allen andern
vnterſchieden haben; Alſo beſtand auch ſein vollkommen
Eſſe nicht im Geiſt/ oder Leibe Seorſim, Sondern in de-
rer beyden/ tanquam Materiæ, & formæ, Natuͤrlichen
Union zu einem Individuo.

Propoſitio
bimembris.
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ſchiedlich/ vnſers ſeligen Herren Doctoris 1. Statliches

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[[38]/0038] Chriſtliche Leichpredigt. weſenen/ ſehr wolverdienten Archiatri, Denn wiewol er zuvorn durch Goͤttliche verleyhung/ mit ſeiner Kunſt/ vnnd Geſchickligkeit/ ſehr viel/ allerley StandesPer- ſonen/ dem Tode außm Rachen geriſſen/ vnnd zu guter Geſundheit bracht hat/ So hat er doch gleich allen an- dern Menſchen/ nach dem vnwandelbahren Raht Gottes/ ſelbſt auch ſiechen vnd ſterben muͤſſen. Confutatio. Concl. exor. Was er aber nun bey leben fuͤr ein außbund eines trefflichen nuͤtzlichen Mannes geweſen/ iſt Stadt- vnnd Landkuͤndig/ Bedarff meines præconij, oder lobens ſo wenig/ als die helle Sonne eines frembden Liechtes zu jhrem ſcheine. Bevoraus/ weil fuͤr groſſem Hertzen- leid vnnd Betruͤbniß/ Ich mir nicht getrawe/ ſeinen Ruhm entweder mit gedancken zu erreichen/ oder mit wor- ten außzuſprechen: Vnd aber ſein eygener Name Flami- nius Gaſt/ genungſam von jhme zeugen; vnnd berichten thut. Tranſitio ad propoſition. Flaminius wird derivirt à Flamine, heiſſet einen Geiſtlichen. Der Zunahme Gaſt/ bedeutet das Irr- diſche Gaſthauß ſeiner Huͤtten/ das iſt den Leib/ welchen die Seele zu vorn informiret vnd bewohnet hat. Wie nun beyde Nahmen Conjunctim, keiner abſonders vnſern ſe- ligen Herren Doctorem deſigniret, vnd von allen andern vnterſchieden haben; Alſo beſtand auch ſein vollkommen Eſſe nicht im Geiſt/ oder Leibe Seorſim, Sondern in de- rer beyden/ tanquam Materiæ, & formæ, Natuͤrlichen Union zu einem Individuo. Cumnarra- tione. Nichts deſto weniger/ wird in beyden Namen vnter- ſchiedlich/ vnſers ſeligen Herren Doctoris 1. Statliches Herkom- Propoſitio bimembris.

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Zitationshilfe: Etner, Martin: Christliche Leichpredigt/ Vber die Wort. Wittenberg, 1618, S. [38]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/509966/38>, abgerufen am 04.04.2020.