Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thebesius, Adam: Sterbender Christen Seelen-Schatz. Breslau, 1631.

Bild:
<< vorherige Seite

Sterbender Christen
werdung/ Leyden vnd Sterben der Ge-
rechtigkeit GOttes genug gethan/ vnnd
doch auch durch seinen Todt die Menschen
erlöset/ auff daß der Barmhertzigkeit ein
genugen geschehe. Also haben sich in Chri-
sto gekusset vnd gehertzet die Gerechtigkeit
vnd Barmhertzigkeit Gottes/ daß es nun
heisset/ wie Augustinus saget/ Displicentes
amati sumus, ut esset unde placeremus.
Gott
hat vns geliebet/ da wir Jhm nicht gefie-
len/ auff daß wir jhme gefallen möchten.

Diese Liebe ist furs Funffte/

Eine Universal- vnd allgemeine Liebe.

Der Text sagt/ Er hat die Welt ge-
liebet/ das ist die Menschen in der Welt.
Nicht aber nur etliche hat Er geliebet/ daß
Welt so viel heisse/ als etliche auß aller Welt
oder auß allem Geschlechte der Welt/ wie
etliche fürgegeben. Denn welchen hette
wol GOtt können außschliessen? Totum
genus humanum est una corrupta massa.

GOtt schmeltzet vns alle in einen Klumpen.
Wir sind in Adam alle gleich böse/ eine ver-

gifftete

Sterbender Chriſten
werdung/ Leyden vnd Sterben der Ge-
rechtigkeit GOttes genug gethan/ vnnd
doch auch durch ſeinen Todt die Menſchen
erloͤſet/ auff daß der Barmhertzigkeit ein
genůgen geſchehe. Alſo haben ſich in Chri-
ſto gekůſſet vnd gehertzet die Gerechtigkeit
vnd Barmhertzigkeit Gottes/ daß es nun
heiſſet/ wie Auguſtinus ſaget/ Diſplicentes
amati ſumus, ut eſſet unde placeremus.
Gott
hat vns geliebet/ da wir Jhm nicht gefie-
len/ auff daß wir jhme gefallen moͤchten.

Dieſe Liebe iſt fůrs Fůnffte/

Eine Univerſal- vnd allgemeine Liebe.

Der Text ſagt/ Er hat die Welt ge-
liebet/ das iſt die Menſchen in der Welt.
Nicht aber nur etliche hat Er geliebet/ daß
Welt ſo viel heiſſe/ als etliche auß aller Welt
oder auß allem Geſchlechte der Welt/ wie
etliche fuͤrgegeben. Denn welchen hette
wol GOtt koͤnnen außſchlieſſen? Totum
genus humanum eſt una corrupta maſſa.

GOtt ſchmeltzet vns alle in einen Klumpen.
Wir ſind in Adam alle gleich boͤſe/ eine ver-

gifftete
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="fsSermon" n="1">
        <div type="fsMainPart" n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0032" n="[32]"/><fw place="top" type="header">Sterbender Chri&#x017F;ten</fw><lb/>
werdung/ Leyden vnd Sterben der Ge-<lb/>
rechtigkeit GOttes genug gethan/ vnnd<lb/>
doch auch durch &#x017F;einen Todt die Men&#x017F;chen<lb/>
erlo&#x0364;&#x017F;et/ auff daß der Barmhertzigkeit ein<lb/>
gen&#x016F;gen ge&#x017F;chehe. Al&#x017F;o haben &#x017F;ich in Chri-<lb/>
&#x017F;to gek&#x016F;&#x017F;&#x017F;et vnd gehertzet die Gerechtigkeit<lb/>
vnd Barmhertzigkeit Gottes/ daß es nun<lb/>
hei&#x017F;&#x017F;et/ wie Augu&#x017F;tinus &#x017F;aget/ <hi rendition="#aq">Di&#x017F;plicentes<lb/>
amati &#x017F;umus, ut e&#x017F;&#x017F;et unde placeremus.</hi> Gott<lb/>
hat vns geliebet/ da wir Jhm nicht gefie-<lb/>
len/ auff daß wir jhme gefallen mo&#x0364;chten.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head/>
              <p>Die&#x017F;e Liebe i&#x017F;t f&#x016F;rs F&#x016F;nffte/</p><lb/>
              <p> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Eine</hi> <hi rendition="#aq">Univer&#x017F;al-</hi> <hi rendition="#fr">vnd allgemeine Liebe.</hi> </hi> </p><lb/>
              <p>Der Text &#x017F;agt/ Er hat die Welt ge-<lb/>
liebet/ das i&#x017F;t die Men&#x017F;chen in der Welt.<lb/>
Nicht aber nur etliche hat Er geliebet/ daß<lb/>
Welt &#x017F;o viel hei&#x017F;&#x017F;e/ als etliche auß aller Welt<lb/>
oder auß allem Ge&#x017F;chlechte der Welt/ wie<lb/>
etliche fu&#x0364;rgegeben. Denn welchen hette<lb/>
wol GOtt ko&#x0364;nnen auß&#x017F;chlie&#x017F;&#x017F;en? <hi rendition="#aq">Totum<lb/>
genus humanum e&#x017F;t una corrupta ma&#x017F;&#x017F;a.</hi><lb/>
GOtt &#x017F;chmeltzet vns alle in einen Klumpen.<lb/>
Wir &#x017F;ind in Adam alle gleich bo&#x0364;&#x017F;e/ eine ver-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">gifftete</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[32]/0032] Sterbender Chriſten werdung/ Leyden vnd Sterben der Ge- rechtigkeit GOttes genug gethan/ vnnd doch auch durch ſeinen Todt die Menſchen erloͤſet/ auff daß der Barmhertzigkeit ein genůgen geſchehe. Alſo haben ſich in Chri- ſto gekůſſet vnd gehertzet die Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit Gottes/ daß es nun heiſſet/ wie Auguſtinus ſaget/ Diſplicentes amati ſumus, ut eſſet unde placeremus. Gott hat vns geliebet/ da wir Jhm nicht gefie- len/ auff daß wir jhme gefallen moͤchten. Dieſe Liebe iſt fůrs Fůnffte/ Eine Univerſal- vnd allgemeine Liebe. Der Text ſagt/ Er hat die Welt ge- liebet/ das iſt die Menſchen in der Welt. Nicht aber nur etliche hat Er geliebet/ daß Welt ſo viel heiſſe/ als etliche auß aller Welt oder auß allem Geſchlechte der Welt/ wie etliche fuͤrgegeben. Denn welchen hette wol GOtt koͤnnen außſchlieſſen? Totum genus humanum eſt una corrupta maſſa. GOtt ſchmeltzet vns alle in einen Klumpen. Wir ſind in Adam alle gleich boͤſe/ eine ver- gifftete

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/523586
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/523586/32
Zitationshilfe: Thebesius, Adam: Sterbender Christen Seelen-Schatz. Breslau, 1631, S. [32]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/523586/32>, abgerufen am 27.05.2018.