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Nerger, Jacob: Justa Funebria Polsnitziana. Breslau, 1632.

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Die Erste Predigt.

Sapien. 4.
v.
14.
Seine Seele gefellet Gott/ Sapient. 4. Darumb
Proverb. 8.
v.
31.
eilet er mit jhm aus dem bösen Leben. Proverb. 8. spricht
der HERR: Deliciae meae cum filiis hominum.
Gott wil seine delicias vnd liebe Spielvögel gerne vmb
sich haben/ vnd wissen.

ApplicatioMit diesen Worten/ hochbetrübte Adeliche Her-
tzen/ kan der Schwermut vnnd Bekümmernüß begeg-
net werden/ daß in solchen Fällen gemeiniglich der Tra-
wer Geist einscheubt/ daß sie vielleicht gedencken mögen/
GOtt der HErr müsse jhrem hertzlieben Kinde son
derlich in Vngnaden gewogen gewesen seyn/ weil er sol-
ches in den besten Jahren/ wie ein junges Pfroffreißlein
außgerottet/ vnd dem Menschen Würger/ dem Tode/
fürgeworffen/ denn wenn wir es mit der Natur confe-
riren,
so verschonet man junge Pfroffreißlein/ vnnd
Pfläntzlein die man lieb hat/ vnnd rottet hergegen auß
alle alte/ faule/ vnnd vnfruchtbare Bäume/ die nichts
mehr tragen/ sondern nur den andern am Wachs-
thumb hinderlich seyn. Aber da heist es: Lex est con-
traria coelo,
da wil GOtt der HErr in seinem himli-
schen Lustgarten auch löbliche Pfroffreißlin haben/ die
den selbigen schmücken vnd zieren/ vnd mit den himmli-
schen Heerscharen sein Lob verkündigen. Es wird recht
gesaget: Quem diligit DEUS, is moritur neos.

Wen
Die Erſte Predigt.

Sapien. 4.
v.
14.
Seine Seele gefellet Gott/ Sapient. 4. Darumb
Proverb. 8.
v.
31.
eilet er mit jhm aus dem boͤſen Leben. Proverb. 8. ſpricht
der HERR: Deliciæ meæ cum filiis hominum.
Gott wil ſeine delicias vnd liebe Spielvoͤgel gerne vmb
ſich haben/ vnd wiſſen.

ApplicatioMit dieſen Worten/ hochbetruͤbte Adeliche Her-
tzen/ kan der Schwermut vnnd Bekuͤmmernuͤß begeg-
net werden/ daß in ſolchen Faͤllen gemeiniglich der Tra-
wer Geiſt einſcheubt/ daß ſie vielleicht gedencken moͤgen/
GOtt der HErr muͤſſe jhrem hertzlieben Kinde ſon
derlich in Vngnaden gewogen geweſen ſeyn/ weil er ſol-
ches in den beſten Jahren/ wie ein junges Pfroffreißlein
außgerottet/ vnd dem Menſchen Wuͤrger/ dem Tode/
fuͤrgeworffen/ denn wenn wir es mit der Natur confe-
riren,
ſo verſchonet man junge Pfroffreißlein/ vnnd
Pflaͤntzlein die man lieb hat/ vnnd rottet hergegen auß
alle alte/ faule/ vnnd vnfruchtbare Baͤume/ die nichts
mehr tragen/ ſondern nur den andern am Wachs-
thumb hinderlich ſeyn. Aber da heiſt es: Lex eſt con-
traria cœlo,
da wil GOtt der HErr in ſeinem himli-
ſchen Luſtgarten auch loͤbliche Pfroffreißlin haben/ die
den ſelbigen ſchmuͤcken vnd zieren/ vnd mit den himmli-
ſchen Heerſcharen ſein Lob verkuͤndigen. Es wird recht
geſaget: Quem diligit DEUS, is moritur νέος.

Wen
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[24/0026] Die Erſte Predigt. Seine Seele gefellet Gott/ Sapient. 4. Darumb eilet er mit jhm aus dem boͤſen Leben. Proverb. 8. ſpricht der HERR: Deliciæ meæ cum filiis hominum. Gott wil ſeine delicias vnd liebe Spielvoͤgel gerne vmb ſich haben/ vnd wiſſen. Sapien. 4. v. 14. Proverb. 8. v. 31. Mit dieſen Worten/ hochbetruͤbte Adeliche Her- tzen/ kan der Schwermut vnnd Bekuͤmmernuͤß begeg- net werden/ daß in ſolchen Faͤllen gemeiniglich der Tra- wer Geiſt einſcheubt/ daß ſie vielleicht gedencken moͤgen/ GOtt der HErr muͤſſe jhrem hertzlieben Kinde ſon derlich in Vngnaden gewogen geweſen ſeyn/ weil er ſol- ches in den beſten Jahren/ wie ein junges Pfroffreißlein außgerottet/ vnd dem Menſchen Wuͤrger/ dem Tode/ fuͤrgeworffen/ denn wenn wir es mit der Natur confe- riren, ſo verſchonet man junge Pfroffreißlein/ vnnd Pflaͤntzlein die man lieb hat/ vnnd rottet hergegen auß alle alte/ faule/ vnnd vnfruchtbare Baͤume/ die nichts mehr tragen/ ſondern nur den andern am Wachs- thumb hinderlich ſeyn. Aber da heiſt es: Lex eſt con- traria cœlo, da wil GOtt der HErr in ſeinem himli- ſchen Luſtgarten auch loͤbliche Pfroffreißlin haben/ die den ſelbigen ſchmuͤcken vnd zieren/ vnd mit den himmli- ſchen Heerſcharen ſein Lob verkuͤndigen. Es wird recht geſaget: Quem diligit DEUS, is moritur νέος. Applicatio Wen

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Zitationshilfe: Nerger, Jacob: Justa Funebria Polsnitziana. Breslau, 1632, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/523764/26>, abgerufen am 11.07.2020.