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Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615.

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Christliche Leichpredigt.
vnd HErrn/ dahin ist alles ander/ auch was so weitleuff-
tig vnd außführlich darinnen/ dirigiret vnd gerichtet/
inmassen denn hier in vnsers Textes ersten Theil/ auch
das erste bald tractiret vnd gehandelt/ vnd einem jedwe-
Virtutes be-
ne beateque
morituri
cardinales
tres:
dern Christenmenschen/ wil er anders sanfft/ selig vnd
im HErrn dermaleins sterben vnd diese Welt gesegnen/
dreyerley sich zu befleissigen/ gezeiget vnd an die Hand
gegeben worden.

I.Das Erste/ einem Christen/ der selig zu ster-
ben begeret/ an die Hand gegeben/ ist Justicia, das ist/
daß er gerecht sey/ Der Gerechte/ hat sich angefangen
vnser Text/ ob er gleich zu zeitlich stirbet. Aristote-
les 1. Rhetor. Justicia est virtus, qva singuli sua secun-
dum leges poss. dent,
Gerechtigkeit ist eine Tugend/
die einem jedwedern/ vermöge der Gesetz/ das seine geru-
hig vergünstet vnd nachlest. Aristides hat dannen hero
von allem Volck den Zunamen Justi, eines Gerechten/
vberkommen/ os ou dokein arisos alla einai ethelese
non videri, sed voluit esse optimus. Antisthenes
antwortet auff die Frage/ Warumb alle Regiment in
gemein fielen vnd abnemen? Qvia justus & injustus pa-
ri ambulant passu,
Darumb daß Gerechte vnd Vnge-
rechte in gleichen Würden gehalten werden. Denn/ ubi
non imperat regina justicia, corruunt imperia,
sagt
Cicero. Phocion sendete Alexandro Magno eine ge-
waltige Geldsummen wieder/ die er mit ansehenlichen
Legaten jhm zuschickte/ mit dem anerbieten/ er solte sei-
nen Schatz andern verehren/ vnd jhn an seiner Gerech-
tigkeit vnd Frömmigkeit/ qvia opes irritamenta ple-

rumq;

Chriſtliche Leichpredigt.
vnd HErꝛn/ dahin iſt alles ander/ auch was ſo weitleuff-
tig vnd außfuͤhrlich darinnen/ dirigiret vnd gerichtet/
inmaſſen denn hier in vnſers Textes erſten Theil/ auch
das erſte bald tractiret vnd gehandelt/ vnd einem jedwe-
Virtutes be-
nè beateq́ue
morituri
cardinales
tres:
dern Chriſtenmenſchen/ wil er anders ſanfft/ ſelig vnd
im HErrn dermaleins ſterben vnd dieſe Welt geſegnen/
dreyerley ſich zu befleiſſigen/ gezeiget vnd an die Hand
gegeben worden.

I.Das Erſte/ einem Chriſten/ der ſelig zu ſter-
ben begeret/ an die Hand gegeben/ iſt Juſticia, das iſt/
daß er gerecht ſey/ Der Gerechte/ hat ſich angefangen
vnſer Text/ ob er gleich zu zeitlich ſtirbet. Ariſtote-
les 1. Rhetor. Juſticia eſt virtus, qvâ ſinguli ſua ſecun-
dùm leges poſs. dent,
Gerechtigkeit iſt eine Tugend/
die einem jedwedern/ vermoͤge der Geſetz/ das ſeine geru-
hig verguͤnſtet vnd nachleſt. Ariſtides hat dannen hero
von allem Volck den Zunamen Juſti, eines Gerechten/
vberkommen/ ὅς οὺ δοκεῖν ἄριςος ἀλλὰ εἶναι ἐϑέλησε
non videri, ſed voluit eſſe optimus. Antiſthenes
antwortet auff die Frage/ Warumb alle Regiment in
gemein fielen vnd abnemen? Qvia juſtus & injuſtus pa-
ri ambulant paſſu,
Darumb daß Gerechte vnd Vnge-
rechte in gleichen Wuͤrden gehalten werden. Denn/ ubi
non imperat regina juſticia, corruunt imperia,
ſagt
Cicero. Phocion ſendete Alexandro Magno eine ge-
waltige Geldſummen wieder/ die er mit anſehenlichen
Legaten jhm zuſchickte/ mit dem anerbieten/ er ſolte ſei-
nen Schatz andern verehren/ vnd jhn an ſeiner Gerech-
tigkeit vnd Froͤmmigkeit/ qvia opes irritamenta ple-

rumq;
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[4/0008] Chriſtliche Leichpredigt. vnd HErꝛn/ dahin iſt alles ander/ auch was ſo weitleuff- tig vnd außfuͤhrlich darinnen/ dirigiret vnd gerichtet/ inmaſſen denn hier in vnſers Textes erſten Theil/ auch das erſte bald tractiret vnd gehandelt/ vnd einem jedwe- dern Chriſtenmenſchen/ wil er anders ſanfft/ ſelig vnd im HErrn dermaleins ſterben vnd dieſe Welt geſegnen/ dreyerley ſich zu befleiſſigen/ gezeiget vnd an die Hand gegeben worden. Virtutes be- nè beateq́ue morituri cardinales tres: Das Erſte/ einem Chriſten/ der ſelig zu ſter- ben begeret/ an die Hand gegeben/ iſt Juſticia, das iſt/ daß er gerecht ſey/ Der Gerechte/ hat ſich angefangen vnſer Text/ ob er gleich zu zeitlich ſtirbet. Ariſtote- les 1. Rhetor. Juſticia eſt virtus, qvâ ſinguli ſua ſecun- dùm leges poſs. dent, Gerechtigkeit iſt eine Tugend/ die einem jedwedern/ vermoͤge der Geſetz/ das ſeine geru- hig verguͤnſtet vnd nachleſt. Ariſtides hat dannen hero von allem Volck den Zunamen Juſti, eines Gerechten/ vberkommen/ ὅς οὺ δοκεῖν ἄριςος ἀλλὰ εἶναι ἐϑέλησε non videri, ſed voluit eſſe optimus. Antiſthenes antwortet auff die Frage/ Warumb alle Regiment in gemein fielen vnd abnemen? Qvia juſtus & injuſtus pa- ri ambulant paſſu, Darumb daß Gerechte vnd Vnge- rechte in gleichen Wuͤrden gehalten werden. Denn/ ubi non imperat regina juſticia, corruunt imperia, ſagt Cicero. Phocion ſendete Alexandro Magno eine ge- waltige Geldſummen wieder/ die er mit anſehenlichen Legaten jhm zuſchickte/ mit dem anerbieten/ er ſolte ſei- nen Schatz andern verehren/ vnd jhn an ſeiner Gerech- tigkeit vnd Froͤmmigkeit/ qvia opes irritamenta ple- rumq; I.

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Zitationshilfe: Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/524584/8>, abgerufen am 05.08.2020.