Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite

Rußland.
staatskluger Regent erobert die beyde Tatarische
Königreiche, Casan und Astracan, und schnap-
pet nach Liefland; kann aber gegen Polen und
Schweden nichts ausrichten. Sein Sohn Feo-
dor
verknüpfet zwar 1587 Siberien mit der Kro-
ne; aber nach dessen gewaltsamen Tode geht
Rußland unter den Tyrannen und falschen
Demetriis
zu Trümmern.

§. 3.

Michael Feodorowiz brinat das Geschlecht
der Romanow 1612. auf den Thron. Sein
Sohn Alexius Michaelowiz entreisset den Po-
len Smolensko nebst dem größten Theil der U-
kraine. Dessen jüngster Sohn Petrus der Gros-
se
behauptet nach verschiedenen Unruhen die
Krone. Dieser ist es, der den Rußischen Staats-
körper nicht nur durch seine herrliche Eroberun-
gen stark macht; sondern auch durch seine un-
vergleichliche Anstalten beseelet. Auf die kurze
Regierungen seiner Gemahlinn Catharina, und
seines Enkels Peters II. folgt seines Bruders
Tochter, die glückliche Anna Jvanowna.
Nach ihr regiert der unmündige Jvan III., wel-
cher aber mit seiner Mutter der Regentinn An-
na
zugleich gestürzet wird, indem sich Elisabeth
Peters I. jüngste Tochter 1741. auf den Thron
schwinget.

a) Petrus vergrösserte sein Reich mit Lie fland, Jn-
germannland und einem Stück von Carelien und Kex-
holm 1721. Anna Jvanowna mit der Persischen
Pro-
P 2

Rußland.
ſtaatskluger Regent erobert die beyde Tatariſche
Koͤnigreiche, Caſan und Aſtracan, und ſchnap-
pet nach Liefland; kann aber gegen Polen und
Schweden nichts ausrichten. Sein Sohn Feo-
dor
verknuͤpfet zwar 1587 Siberien mit der Kro-
ne; aber nach deſſen gewaltſamen Tode geht
Rußland unter den Tyrannen und falſchen
Demetriis
zu Truͤmmern.

§. 3.

Michael Feodorowiz brinat das Geſchlecht
der Romanow 1612. auf den Thron. Sein
Sohn Alexius Michaelowiz entreiſſet den Po-
len Smolensko nebſt dem groͤßten Theil der U-
kraine. Deſſen juͤngſter Sohn Petrus der Groſ-
ſe
behauptet nach verſchiedenen Unruhen die
Krone. Dieſer iſt es, der den Rußiſchen Staats-
koͤrper nicht nur durch ſeine herrliche Eroberun-
gen ſtark macht; ſondern auch durch ſeine un-
vergleichliche Anſtalten beſeelet. Auf die kurze
Regierungen ſeiner Gemahlinn Catharina, und
ſeines Enkels Peters II. folgt ſeines Bruders
Tochter, die gluͤckliche Anna Jvanowna.
Nach ihr regiert der unmuͤndige Jvan III., wel-
cher aber mit ſeiner Mutter der Regentinn An-
na
zugleich geſtuͤrzet wird, indem ſich Eliſabeth
Peters I. juͤngſte Tochter 1741. auf den Thron
ſchwinget.

a) Petrus vergroͤſſerte ſein Reich mit Lie fland, Jn-
germannland und einem Stuͤck von Carelien und Kex-
holm 1721. Anna Jvanowna mit der Perſiſchen
Pro-
P 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0241" n="227"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Rußland.</hi></fw><lb/>
&#x017F;taatskluger Regent erobert die beyde Tatari&#x017F;che<lb/>
Ko&#x0364;nigreiche, Ca&#x017F;an und A&#x017F;tracan, und &#x017F;chnap-<lb/>
pet nach Liefland; kann aber gegen Polen und<lb/>
Schweden nichts ausrichten. Sein Sohn <hi rendition="#fr">Feo-<lb/>
dor</hi> verknu&#x0364;pfet zwar 1587 Siberien mit der Kro-<lb/>
ne; aber nach de&#x017F;&#x017F;en gewalt&#x017F;amen Tode geht<lb/>
Rußland unter den <hi rendition="#fr">Tyrannen</hi> und <hi rendition="#fr">fal&#x017F;chen<lb/>
Demetriis</hi> zu Tru&#x0364;mmern.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 3.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#fr">Michael Feodorowiz</hi> brinat das Ge&#x017F;chlecht<lb/>
der <hi rendition="#fr">Romanow</hi> 1612. auf den Thron. Sein<lb/>
Sohn <hi rendition="#fr">Alexius Michaelowiz</hi> entrei&#x017F;&#x017F;et den Po-<lb/>
len Smolensko neb&#x017F;t dem gro&#x0364;ßten Theil der U-<lb/>
kraine. De&#x017F;&#x017F;en ju&#x0364;ng&#x017F;ter Sohn <hi rendition="#fr">Petrus der Gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;e</hi> behauptet nach ver&#x017F;chiedenen Unruhen die<lb/>
Krone. Die&#x017F;er i&#x017F;t es, der den Rußi&#x017F;chen Staats-<lb/>
ko&#x0364;rper nicht nur durch &#x017F;eine herrliche Eroberun-<lb/>
gen &#x017F;tark macht; &#x017F;ondern auch durch &#x017F;eine un-<lb/>
vergleichliche An&#x017F;talten be&#x017F;eelet. Auf die kurze<lb/>
Regierungen &#x017F;einer Gemahlinn <hi rendition="#fr">Catharina,</hi> und<lb/>
&#x017F;eines Enkels <hi rendition="#fr">Peters</hi> <hi rendition="#aq">II.</hi> folgt &#x017F;eines Bruders<lb/>
Tochter, die glu&#x0364;ckliche <hi rendition="#fr">Anna Jvanowna.</hi><lb/>
Nach ihr regiert der unmu&#x0364;ndige <hi rendition="#fr">Jvan</hi> <hi rendition="#aq">III.,</hi> wel-<lb/>
cher aber mit &#x017F;einer Mutter der Regentinn <hi rendition="#fr">An-<lb/>
na</hi> zugleich ge&#x017F;tu&#x0364;rzet wird, indem &#x017F;ich <hi rendition="#fr">Eli&#x017F;abeth</hi><lb/>
Peters <hi rendition="#aq">I.</hi> ju&#x0364;ng&#x017F;te Tochter 1741. auf den Thron<lb/>
&#x017F;chwinget.</p><lb/>
            <list>
              <item><hi rendition="#aq">a)</hi><hi rendition="#fr">Petrus</hi> vergro&#x0364;&#x017F;&#x017F;erte &#x017F;ein Reich mit Lie fland, Jn-<lb/>
germannland und einem Stu&#x0364;ck von Carelien und Kex-<lb/>
holm 1721. <hi rendition="#fr">Anna Jvanowna</hi> mit der Per&#x017F;i&#x017F;chen<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">P 2</fw><fw place="bottom" type="catch">Pro-</fw><lb/></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[227/0241] Rußland. ſtaatskluger Regent erobert die beyde Tatariſche Koͤnigreiche, Caſan und Aſtracan, und ſchnap- pet nach Liefland; kann aber gegen Polen und Schweden nichts ausrichten. Sein Sohn Feo- dor verknuͤpfet zwar 1587 Siberien mit der Kro- ne; aber nach deſſen gewaltſamen Tode geht Rußland unter den Tyrannen und falſchen Demetriis zu Truͤmmern. §. 3. Michael Feodorowiz brinat das Geſchlecht der Romanow 1612. auf den Thron. Sein Sohn Alexius Michaelowiz entreiſſet den Po- len Smolensko nebſt dem groͤßten Theil der U- kraine. Deſſen juͤngſter Sohn Petrus der Groſ- ſe behauptet nach verſchiedenen Unruhen die Krone. Dieſer iſt es, der den Rußiſchen Staats- koͤrper nicht nur durch ſeine herrliche Eroberun- gen ſtark macht; ſondern auch durch ſeine un- vergleichliche Anſtalten beſeelet. Auf die kurze Regierungen ſeiner Gemahlinn Catharina, und ſeines Enkels Peters II. folgt ſeines Bruders Tochter, die gluͤckliche Anna Jvanowna. Nach ihr regiert der unmuͤndige Jvan III., wel- cher aber mit ſeiner Mutter der Regentinn An- na zugleich geſtuͤrzet wird, indem ſich Eliſabeth Peters I. juͤngſte Tochter 1741. auf den Thron ſchwinget. a) Petrus vergroͤſſerte ſein Reich mit Lie fland, Jn- germannland und einem Stuͤck von Carelien und Kex- holm 1721. Anna Jvanowna mit der Perſiſchen Pro- P 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/241
Zitationshilfe: Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749, S. 227. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/241>, abgerufen am 21.03.2019.