Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorbereitung zur
in Sicherheit stellen, oder mit deren Beyhülfe
seine Wohlfahrt befördern könne, fliessen aus
dem Verhältniße, das es gegen fremde Völker
hat, ob es ihrer bedarf, oder entbehren könne?
ob es von ihrer Macht viel oder wenig zu befürch-
ten habe? Dieses kann, ohne vorgängige Kennt-
niß andrer Staaten nicht begriffen werden, und
verdienet eine besondere Ausführung.

§. 59.

Dieses ist der Abriß der vollständigen
Staatswissenschaft einzelner Reiche, in so weit
solche vor sich allein betrachtet werden. Wer die
unterschiedliche Grade der Verbindung einsiehet,
welche die Wissenschaften mit einander haben,
wird den hohen Wehrt einer Erkenntniß zu schä-
tzen wissen, von welcher die Historie einen sehr
ansehnlichen Theil ihres Lichts borget, welche zu
dem allgemeinen Natur-Völker-Staats-
geistlichen
und bürgerlichen Rechte den tref-
lichsten Stoff giebet, und die Politick mit einer
Menge practischer Sätze bereichert.

§. 60.

Daher ist die Staatswissenschaft allen Ge-
lehrten nützlich, und allen Juristen nöthig; haupt-
sächlich aber, wer die jetzige Welthändel gründ-
lich beurtheilen, wer seine Reisen in fremde Län-
der mit Nutzen unternehmen, wer in Manufa-
ctur-Handels-
und Cammeral-Sachen oder in Ge-

sandt-

Vorbereitung zur
in Sicherheit ſtellen, oder mit deren Beyhuͤlfe
ſeine Wohlfahrt befoͤrdern koͤnne, flieſſen aus
dem Verhaͤltniße, das es gegen fremde Voͤlker
hat, ob es ihrer bedarf, oder entbehren koͤnne?
ob es von ihrer Macht viel oder wenig zu befuͤrch-
ten habe? Dieſes kann, ohne vorgaͤngige Kennt-
niß andrer Staaten nicht begriffen werden, und
verdienet eine beſondere Ausfuͤhrung.

§. 59.

Dieſes iſt der Abriß der vollſtaͤndigen
Staatswiſſenſchaft einzelner Reiche, in ſo weit
ſolche vor ſich allein betrachtet werden. Wer die
unterſchiedliche Grade der Verbindung einſiehet,
welche die Wiſſenſchaften mit einander haben,
wird den hohen Wehrt einer Erkenntniß zu ſchaͤ-
tzen wiſſen, von welcher die Hiſtorie einen ſehr
anſehnlichen Theil ihres Lichts borget, welche zu
dem allgemeinen Natur-Voͤlker-Staats-
geiſtlichen
und buͤrgerlichen Rechte den tref-
lichſten Stoff giebet, und die Politick mit einer
Menge practiſcher Saͤtze bereichert.

§. 60.

Daher iſt die Staatswiſſenſchaft allen Ge-
lehrten nuͤtzlich, und allen Juriſten noͤthig; haupt-
ſaͤchlich aber, wer die jetzige Welthaͤndel gruͤnd-
lich beurtheilen, wer ſeine Reiſen in fremde Laͤn-
der mit Nutzen unternehmen, wer in Manufa-
ctur-Handels-
und Cam̃eral-Sachen oder in Ge-

ſandt-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0046" n="32"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vorbereitung zur</hi></fw><lb/>
in Sicherheit &#x017F;tellen, oder mit deren Beyhu&#x0364;lfe<lb/>
&#x017F;eine Wohlfahrt befo&#x0364;rdern ko&#x0364;nne, flie&#x017F;&#x017F;en aus<lb/>
dem <hi rendition="#fr">Verha&#x0364;ltniße,</hi> das es gegen fremde Vo&#x0364;lker<lb/>
hat, ob es ihrer bedarf, oder entbehren ko&#x0364;nne?<lb/>
ob es von ihrer Macht viel oder wenig zu befu&#x0364;rch-<lb/>
ten habe? Die&#x017F;es kann, ohne vorga&#x0364;ngige Kennt-<lb/>
niß andrer Staaten nicht begriffen werden, und<lb/>
verdienet eine be&#x017F;ondere Ausfu&#x0364;hrung.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 59.</head><lb/>
          <p>Die&#x017F;es i&#x017F;t der Abriß der voll&#x017F;ta&#x0364;ndigen<lb/><hi rendition="#fr">Staatswi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft einzelner Reiche,</hi> in &#x017F;o weit<lb/>
&#x017F;olche <hi rendition="#fr">vor &#x017F;ich allein</hi> betrachtet werden. Wer die<lb/>
unter&#x017F;chiedliche Grade der Verbindung ein&#x017F;iehet,<lb/>
welche die Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaften mit einander haben,<lb/>
wird den hohen Wehrt einer Erkenntniß zu &#x017F;cha&#x0364;-<lb/>
tzen wi&#x017F;&#x017F;en, von welcher die <hi rendition="#fr">Hi&#x017F;torie</hi> einen &#x017F;ehr<lb/>
an&#x017F;ehnlichen Theil ihres Lichts borget, welche zu<lb/>
dem allgemeinen <hi rendition="#fr">Natur-Vo&#x0364;lker-Staats-<lb/>
gei&#x017F;tlichen</hi> und <hi rendition="#fr">bu&#x0364;rgerlichen Rechte</hi> den tref-<lb/>
lich&#x017F;ten Stoff giebet, und die <hi rendition="#fr">Politick</hi> mit einer<lb/>
Menge practi&#x017F;cher Sa&#x0364;tze bereichert.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 60.</head><lb/>
          <p>Daher i&#x017F;t die Staatswi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft allen Ge-<lb/>
lehrten nu&#x0364;tzlich, und allen Juri&#x017F;ten no&#x0364;thig; haupt-<lb/>
&#x017F;a&#x0364;chlich aber, wer die jetzige <hi rendition="#fr">Weltha&#x0364;ndel</hi> gru&#x0364;nd-<lb/>
lich <hi rendition="#fr">beurtheilen,</hi> wer &#x017F;eine <hi rendition="#fr">Rei&#x017F;en</hi> in fremde La&#x0364;n-<lb/>
der mit Nutzen unternehmen, wer in <hi rendition="#fr">Manufa-<lb/>
ctur-Handels-</hi> und <hi rendition="#fr">Cam&#x0303;eral-</hi>Sachen oder in <hi rendition="#fr">Ge-</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">&#x017F;andt-</hi></fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[32/0046] Vorbereitung zur in Sicherheit ſtellen, oder mit deren Beyhuͤlfe ſeine Wohlfahrt befoͤrdern koͤnne, flieſſen aus dem Verhaͤltniße, das es gegen fremde Voͤlker hat, ob es ihrer bedarf, oder entbehren koͤnne? ob es von ihrer Macht viel oder wenig zu befuͤrch- ten habe? Dieſes kann, ohne vorgaͤngige Kennt- niß andrer Staaten nicht begriffen werden, und verdienet eine beſondere Ausfuͤhrung. §. 59. Dieſes iſt der Abriß der vollſtaͤndigen Staatswiſſenſchaft einzelner Reiche, in ſo weit ſolche vor ſich allein betrachtet werden. Wer die unterſchiedliche Grade der Verbindung einſiehet, welche die Wiſſenſchaften mit einander haben, wird den hohen Wehrt einer Erkenntniß zu ſchaͤ- tzen wiſſen, von welcher die Hiſtorie einen ſehr anſehnlichen Theil ihres Lichts borget, welche zu dem allgemeinen Natur-Voͤlker-Staats- geiſtlichen und buͤrgerlichen Rechte den tref- lichſten Stoff giebet, und die Politick mit einer Menge practiſcher Saͤtze bereichert. §. 60. Daher iſt die Staatswiſſenſchaft allen Ge- lehrten nuͤtzlich, und allen Juriſten noͤthig; haupt- ſaͤchlich aber, wer die jetzige Welthaͤndel gruͤnd- lich beurtheilen, wer ſeine Reiſen in fremde Laͤn- der mit Nutzen unternehmen, wer in Manufa- ctur-Handels- und Cam̃eral-Sachen oder in Ge- ſandt-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/46
Zitationshilfe: Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749, S. 32. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/46>, abgerufen am 22.03.2019.