Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Adams, George: Versuch über die Electricität. Leipzig, 1785.

Bild:
<< vorherige Seite

Sechszehntes Capitel.
werden; da doch ein Drath, dessen Durchmesser dem
Durchmesser eines solchen runden Fleckens gleich ist, einen
weit stärkern Schlag, als irgend eine bis hieher verfertigte
Batterie zu geben im Stande ist, ohne die geringste Be-
schädigung fortleitet. Es ist daher sehr wahrscheinlich,
daß, obgleich starke elektrische Schläge, welche überhaupt
wie Feuer wirken, in die Substanz der Metalle eindrin-
gen und dieselbe verzehren, dennoch die Elektricität sich
über die Oberfläche der Metalle verbreite, und nicht eher
in die Substanz derselben eindringe, als bis sie gezwun-
gen wird, sich in einen engen Raum zusammen zu drän-
gen, wobey sie alsdann, wie Feuer, wirkt.

In vielen Fällen wird die Elektricität durch Metalle,
welche fast auf bloße Oberfläche reducirt sind, sehr wohl
geleitet. Ein weißes Papier, da es ein elektrischer Kör-
per ist, leitet keinen Schlag, ohne dadurch zerrissen zu
werden; aber eine mit Bleystift darauf gezogne Linie lei-
tet unbeschädigt die Ladung mehrerer Flaschen. Unmög-
lich können wir hiebey annehmen, daß die elektrische Ma-
terie durch die Substanz des Bleystiftstrichs gehe; sie
muß über die Oberfläche desselben fließen. Und, wenn
wir einige Eigenschaften der Metalle in Betrachtung zie-
hen, so finden wir große Ursache anzunehmen, daß ihre
leitende Kraft in ihrer Oberfläche liege.

Fig. 92. zeigt eine kleine Glasröhre, an einem En-
de mit Kork verstopft; K ist ein Drath, der durch einen
andern Kork geht, welcher in das andere Ende der Röhre
befestiget ist. Am obern Ende des Draths befindet sich
eine messingene Kugel, das innerhalb der Röhre befind-
liche Ende ist unter einem rechten Winkel umgebogen.

217. Versuch.

Man nehme den obern Kork mit dem Drathe her-
aus, gieße etwas Oel in die Röhre, passe den Kork wie-
der ein, und stoße den Drath hinab, bis das Ende an oder
lieber etwas unter der Oberfläche des Oels steht. Wenn

Sechszehntes Capitel.
werden; da doch ein Drath, deſſen Durchmeſſer dem
Durchmeſſer eines ſolchen runden Fleckens gleich iſt, einen
weit ſtärkern Schlag, als irgend eine bis hieher verfertigte
Batterie zu geben im Stande iſt, ohne die geringſte Be-
ſchädigung fortleitet. Es iſt daher ſehr wahrſcheinlich,
daß, obgleich ſtarke elektriſche Schläge, welche überhaupt
wie Feuer wirken, in die Subſtanz der Metalle eindrin-
gen und dieſelbe verzehren, dennoch die Elektricität ſich
über die Oberfläche der Metalle verbreite, und nicht eher
in die Subſtanz derſelben eindringe, als bis ſie gezwun-
gen wird, ſich in einen engen Raum zuſammen zu drän-
gen, wobey ſie alsdann, wie Feuer, wirkt.

In vielen Fällen wird die Elektricität durch Metalle,
welche faſt auf bloße Oberfläche reducirt ſind, ſehr wohl
geleitet. Ein weißes Papier, da es ein elektriſcher Kör-
per iſt, leitet keinen Schlag, ohne dadurch zerriſſen zu
werden; aber eine mit Bleyſtift darauf gezogne Linie lei-
tet unbeſchädigt die Ladung mehrerer Flaſchen. Unmög-
lich können wir hiebey annehmen, daß die elektriſche Ma-
terie durch die Subſtanz des Bleyſtiftſtrichs gehe; ſie
muß über die Oberfläche deſſelben fließen. Und, wenn
wir einige Eigenſchaften der Metalle in Betrachtung zie-
hen, ſo finden wir große Urſache anzunehmen, daß ihre
leitende Kraft in ihrer Oberfläche liege.

Fig. 92. zeigt eine kleine Glasröhre, an einem En-
de mit Kork verſtopft; K iſt ein Drath, der durch einen
andern Kork geht, welcher in das andere Ende der Röhre
befeſtiget iſt. Am obern Ende des Draths befindet ſich
eine meſſingene Kugel, das innerhalb der Röhre befind-
liche Ende iſt unter einem rechten Winkel umgebogen.

217. Verſuch.

Man nehme den obern Kork mit dem Drathe her-
aus, gieße etwas Oel in die Röhre, paſſe den Kork wie-
der ein, und ſtoße den Drath hinab, bis das Ende an oder
lieber etwas unter der Oberfläche des Oels ſteht. Wenn

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0236" n="216"/><fw place="top" type="header">Sechszehntes Capitel.</fw> werden; da doch ein Drath, de&#x017F;&#x017F;en Durchme&#x017F;&#x017F;er dem<lb/>
Durchme&#x017F;&#x017F;er eines &#x017F;olchen runden Fleckens gleich i&#x017F;t, einen<lb/>
weit &#x017F;tärkern Schlag, als irgend eine bis hieher verfertigte<lb/>
Batterie zu geben im Stande i&#x017F;t, ohne die gering&#x017F;te Be-<lb/>
&#x017F;chädigung fortleitet. Es i&#x017F;t daher &#x017F;ehr wahr&#x017F;cheinlich,<lb/>
daß, obgleich &#x017F;tarke elektri&#x017F;che Schläge, welche überhaupt<lb/>
wie Feuer wirken, in die Sub&#x017F;tanz der Metalle eindrin-<lb/>
gen und die&#x017F;elbe verzehren, dennoch die Elektricität &#x017F;ich<lb/>
über die Oberfläche der Metalle verbreite, und nicht eher<lb/>
in die Sub&#x017F;tanz der&#x017F;elben eindringe, als bis &#x017F;ie gezwun-<lb/>
gen wird, &#x017F;ich in einen engen Raum zu&#x017F;ammen zu drän-<lb/>
gen, wobey &#x017F;ie alsdann, wie Feuer, wirkt.</p>
            <p>In vielen Fällen wird die Elektricität durch Metalle,<lb/>
welche fa&#x017F;t auf bloße Oberfläche reducirt &#x017F;ind, &#x017F;ehr wohl<lb/>
geleitet. Ein weißes Papier, da es ein elektri&#x017F;cher Kör-<lb/>
per i&#x017F;t, leitet keinen Schlag, ohne dadurch zerri&#x017F;&#x017F;en zu<lb/>
werden; aber eine mit Bley&#x017F;tift darauf gezogne Linie lei-<lb/>
tet unbe&#x017F;chädigt die Ladung mehrerer Fla&#x017F;chen. Unmög-<lb/>
lich können wir hiebey annehmen, daß die elektri&#x017F;che Ma-<lb/>
terie durch die Sub&#x017F;tanz des Bley&#x017F;tift&#x017F;trichs gehe; &#x017F;ie<lb/>
muß über die Oberfläche de&#x017F;&#x017F;elben fließen. Und, wenn<lb/>
wir einige Eigen&#x017F;chaften der Metalle in Betrachtung zie-<lb/>
hen, &#x017F;o finden wir große Ur&#x017F;ache anzunehmen, daß ihre<lb/>
leitende Kraft in ihrer Oberfläche liege.</p>
            <p>Fig. 92. zeigt eine kleine Glasröhre, an einem En-<lb/>
de mit Kork ver&#x017F;topft; K i&#x017F;t ein Drath, der durch einen<lb/>
andern Kork geht, welcher in das andere Ende der Röhre<lb/>
befe&#x017F;tiget i&#x017F;t. Am obern Ende des Draths befindet &#x017F;ich<lb/>
eine me&#x017F;&#x017F;ingene Kugel, das innerhalb der Röhre befind-<lb/>
liche Ende i&#x017F;t unter einem rechten Winkel umgebogen.</p>
          </div>
          <div n="3">
            <head>217. Ver&#x017F;uch.</head><lb/>
            <p>Man nehme den obern Kork mit dem Drathe her-<lb/>
aus, gieße etwas Oel in die Röhre, pa&#x017F;&#x017F;e den Kork wie-<lb/>
der ein, und &#x017F;toße den Drath hinab, bis das Ende an oder<lb/>
lieber etwas unter der Oberfläche des Oels &#x017F;teht. Wenn
</p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[216/0236] Sechszehntes Capitel. werden; da doch ein Drath, deſſen Durchmeſſer dem Durchmeſſer eines ſolchen runden Fleckens gleich iſt, einen weit ſtärkern Schlag, als irgend eine bis hieher verfertigte Batterie zu geben im Stande iſt, ohne die geringſte Be- ſchädigung fortleitet. Es iſt daher ſehr wahrſcheinlich, daß, obgleich ſtarke elektriſche Schläge, welche überhaupt wie Feuer wirken, in die Subſtanz der Metalle eindrin- gen und dieſelbe verzehren, dennoch die Elektricität ſich über die Oberfläche der Metalle verbreite, und nicht eher in die Subſtanz derſelben eindringe, als bis ſie gezwun- gen wird, ſich in einen engen Raum zuſammen zu drän- gen, wobey ſie alsdann, wie Feuer, wirkt. In vielen Fällen wird die Elektricität durch Metalle, welche faſt auf bloße Oberfläche reducirt ſind, ſehr wohl geleitet. Ein weißes Papier, da es ein elektriſcher Kör- per iſt, leitet keinen Schlag, ohne dadurch zerriſſen zu werden; aber eine mit Bleyſtift darauf gezogne Linie lei- tet unbeſchädigt die Ladung mehrerer Flaſchen. Unmög- lich können wir hiebey annehmen, daß die elektriſche Ma- terie durch die Subſtanz des Bleyſtiftſtrichs gehe; ſie muß über die Oberfläche deſſelben fließen. Und, wenn wir einige Eigenſchaften der Metalle in Betrachtung zie- hen, ſo finden wir große Urſache anzunehmen, daß ihre leitende Kraft in ihrer Oberfläche liege. Fig. 92. zeigt eine kleine Glasröhre, an einem En- de mit Kork verſtopft; K iſt ein Drath, der durch einen andern Kork geht, welcher in das andere Ende der Röhre befeſtiget iſt. Am obern Ende des Draths befindet ſich eine meſſingene Kugel, das innerhalb der Röhre befind- liche Ende iſt unter einem rechten Winkel umgebogen. 217. Verſuch. Man nehme den obern Kork mit dem Drathe her- aus, gieße etwas Oel in die Röhre, paſſe den Kork wie- der ein, und ſtoße den Drath hinab, bis das Ende an oder lieber etwas unter der Oberfläche des Oels ſteht. Wenn

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-06-18T11:17:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Elena Kirillova: Bearbeitung der digitalen Edition. (2013-06-18T11:17:52Z)
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-06-18T11:17:52Z)

Weitere Informationen:

  • Bogensignaturen: nicht übernommen
  • Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht ausgezeichnet
  • Kustoden: nicht übernommen
  • rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/adams_elektricitaet_1785
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/adams_elektricitaet_1785/236
Zitationshilfe: Adams, George: Versuch über die Electricität. Leipzig, 1785, S. 216. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/adams_elektricitaet_1785/236>, abgerufen am 28.05.2020.