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Adams, George: Versuch über die Electricität. Leipzig, 1785.

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Sechszehntes Capitel.
Die Flasche zerbrach allezeit bey der ersten Ladung, gemei-
niglich noch ehe sie ihre halbe Ladung erhalten hatte. D.
Priestley, welchem dieses Phänomen ausfiel, machte den
Versuch mit einer Flasche, welche nicht zerbrochen war,
und von deren Stärke er sich im voraus durch verschiedene
Entladungen versichert hatte: er nahm etwas von ihrer
äußern Belegung hinweg, legte einen Fleck Kütt, etwa
von einem Zolle im Durchmesser, darauf, zog die Bele-
gung wieder darüber, und lud die Flasche; aber, ehe sie
noch ihre halbe Ladung erhalten hatte, zerbrach sie durch
eine freywillige Entladung, zwat nicht am Ende, sondern
in der Mitte des Küttflecks, wo das Glas am dünnsten
war. Er bedeckte eine andere Flasche ganz mit Kütt,
und diese zerbrach nahe am Boden, wo das Glas gemei-
niglich am dicksten ist. Eine von innen und außen ganz
mit Kütt überzogene und dann mit Stanniol belegte Fla-
sche zerbrach bey dem ersten Versuche, sie zu laden.

218. Versuch.

Das Zaubergemälde (magische Gemälde) be-
steht aus einer belegten Glastafel, dergleichen zu dem leid-
ner Versuche gebraucht werden; über die Belegung der
einen Seite wird ein Gemälde, und über die andere Seite
ein weißes Papier geklebt, so daß es das ganze Glas be-
deckt; dieses wird in einen Rahmen gefasset, mit aus.
wärts gekehrtem Gemälde, und eine Verbindung zwischen
dem Stanniol der hintern Seite und der untern Leiste des
Rahmens gemacht, auch wird diese Leiste mit Stanniol
überzogen.

Man lege dieses Gemälde mit aufwärts gekehrtem
Bilde auf den Tifch, und ein Stück Geld darauf, lasse
von dem Conductor einer Maschine eine Kette darauf her-
abfallen, und drehe den Cylinder, so wird die Glasplatte
bald geladen seyn. Nun hebe man das Gemälde bey der
obern Leiste auf, und lasse eine andere Person die untere
Leiste berühren, und zugleich versuchen, das Geldstück

Sechszehntes Capitel.
Die Flaſche zerbrach allezeit bey der erſten Ladung, gemei-
niglich noch ehe ſie ihre halbe Ladung erhalten hatte. D.
Prieſtley, welchem dieſes Phänomen auſfiel, machte den
Verſuch mit einer Flaſche, welche nicht zerbrochen war,
und von deren Stärke er ſich im voraus durch verſchiedene
Entladungen verſichert hatte: er nahm etwas von ihrer
äußern Belegung hinweg, legte einen Fleck Kütt, etwa
von einem Zolle im Durchmeſſer, darauf, zog die Bele-
gung wieder darüber, und lud die Flaſche; aber, ehe ſie
noch ihre halbe Ladung erhalten hatte, zerbrach ſie durch
eine freywillige Entladung, zwat nicht am Ende, ſondern
in der Mitte des Küttflecks, wo das Glas am dünnſten
war. Er bedeckte eine andere Flaſche ganz mit Kütt,
und dieſe zerbrach nahe am Boden, wo das Glas gemei-
niglich am dickſten iſt. Eine von innen und außen ganz
mit Kütt überzogene und dann mit Stanniol belegte Fla-
ſche zerbrach bey dem erſten Verſuche, ſie zu laden.

218. Verſuch.

Das Zaubergemälde (magiſche Gemälde) be-
ſteht aus einer belegten Glastafel, dergleichen zu dem leid-
ner Verſuche gebraucht werden; über die Belegung der
einen Seite wird ein Gemälde, und über die andere Seite
ein weißes Papier geklebt, ſo daß es das ganze Glas be-
deckt; dieſes wird in einen Rahmen gefaſſet, mit aus.
wärts gekehrtem Gemälde, und eine Verbindung zwiſchen
dem Stanniol der hintern Seite und der untern Leiſte des
Rahmens gemacht, auch wird dieſe Leiſte mit Stanniol
überzogen.

Man lege dieſes Gemälde mit aufwärts gekehrtem
Bilde auf den Tifch, und ein Stück Geld darauf, laſſe
von dem Conductor einer Maſchine eine Kette darauf her-
abfallen, und drehe den Cylinder, ſo wird die Glasplatte
bald geladen ſeyn. Nun hebe man das Gemälde bey der
obern Leiſte auf, und laſſe eine andere Perſon die untere
Leiſte berühren, und zugleich verſuchen, das Geldſtück

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[218/0238] Sechszehntes Capitel. Die Flaſche zerbrach allezeit bey der erſten Ladung, gemei- niglich noch ehe ſie ihre halbe Ladung erhalten hatte. D. Prieſtley, welchem dieſes Phänomen auſfiel, machte den Verſuch mit einer Flaſche, welche nicht zerbrochen war, und von deren Stärke er ſich im voraus durch verſchiedene Entladungen verſichert hatte: er nahm etwas von ihrer äußern Belegung hinweg, legte einen Fleck Kütt, etwa von einem Zolle im Durchmeſſer, darauf, zog die Bele- gung wieder darüber, und lud die Flaſche; aber, ehe ſie noch ihre halbe Ladung erhalten hatte, zerbrach ſie durch eine freywillige Entladung, zwat nicht am Ende, ſondern in der Mitte des Küttflecks, wo das Glas am dünnſten war. Er bedeckte eine andere Flaſche ganz mit Kütt, und dieſe zerbrach nahe am Boden, wo das Glas gemei- niglich am dickſten iſt. Eine von innen und außen ganz mit Kütt überzogene und dann mit Stanniol belegte Fla- ſche zerbrach bey dem erſten Verſuche, ſie zu laden. 218. Verſuch. Das Zaubergemälde (magiſche Gemälde) be- ſteht aus einer belegten Glastafel, dergleichen zu dem leid- ner Verſuche gebraucht werden; über die Belegung der einen Seite wird ein Gemälde, und über die andere Seite ein weißes Papier geklebt, ſo daß es das ganze Glas be- deckt; dieſes wird in einen Rahmen gefaſſet, mit aus. wärts gekehrtem Gemälde, und eine Verbindung zwiſchen dem Stanniol der hintern Seite und der untern Leiſte des Rahmens gemacht, auch wird dieſe Leiſte mit Stanniol überzogen. Man lege dieſes Gemälde mit aufwärts gekehrtem Bilde auf den Tifch, und ein Stück Geld darauf, laſſe von dem Conductor einer Maſchine eine Kette darauf her- abfallen, und drehe den Cylinder, ſo wird die Glasplatte bald geladen ſeyn. Nun hebe man das Gemälde bey der obern Leiſte auf, und laſſe eine andere Perſon die untere Leiſte berühren, und zugleich verſuchen, das Geldſtück

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Zitationshilfe: Adams, George: Versuch über die Electricität. Leipzig, 1785, S. 218. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/adams_elektricitaet_1785/238>, abgerufen am 21.08.2019.