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Adler, Alfred: Studie über Minderwertigkeit von Organen. Berlin u. a., 1907.

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Anhang.
Zur Minderwertigkeit des Harnapparates. -- Schicksale
der Enuretiker und ihres Stammbaumes.

Am Ausgangspunkt dieser Studie stehen einige Betrachtungen
über Erkrankungen der Harnorgane, in deren Fortsetzung und Erweite-
rung wir dazu kamen, als Grundlage einer besonderen Auffassung der
Pathologie die Organminderwertigkeitslehre hinzustellen. Wenn nun zum
Schlusse der Versuch gemacht werden soll, aus der Kasuistik eines
einzelnen Organes, wieder des Harnapparates, die Geltung und Trag-
weite der Minderwertigkeitslehre zu veranschaulichen, bereits bekannte
Zusammenhänge zu bekräftigen, neue aufzudecken, so glaube ich den
großen Schwierigkeiten einer solchen Aufgabe am besten beikommen
zu können, wenn ich nur Fälle wähle, die sich nach einem einzigen,
allerdings deutlichen Gesichtspunkt ordnen lassen, die ein Symptom
der Minderwertigkeit entweder selbst oder im Stammbaum gemeinsam
haben, das Symptom des Kinderfehlers, der Enuresis.

Über die Enuresis, ihr Wesen und ihre pathogenetische Stellung, liegt
in der Literatur ein ungeheueres, aber nur teilweise verwertetes Material
vor. Ich selbst habe in vorliegender Studie einiges Wichtige daraus
hervorgehoben.*) An dieser Stelle muß ich mich darauf beschränken, die
Zentrierung der Minderwertigkeitserscheinungen des Harnapparates durch
die Enuresis durchzuführen, die gleichzeitige Minderwertigkeit des Zentral-
nervensystems und des Sexualapparates hervorzuheben und dieses durch
Fälle zu belegen. Ich folge dabei dem schematischen Aufbau in meiner
Studie und hoffe, daß man die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, die ich
dort ableitete, auch hier wieder im Speziellen finden wird.

So bezüglich der Erkrankungen im Harnapparat, sei es an
dem Enuretiker selbst oder in seinem Stammbaum. Man wird alle

*) In dem nächstens erscheinenden "Illustrierten medizinischen Handlexikon"
(herausgegeben von Dr. Max Kahane, Verlag Urban & Schwarzenberg, Wien-Berlin)
werde ich eine kurze Darstellung dieses Kinderfehlers geben.
Anhang.
Zur Minderwertigkeit des Harnapparates. — Schicksale
der Enuretiker und ihres Stammbaumes.

Am Ausgangspunkt dieser Studie stehen einige Betrachtungen
über Erkrankungen der Harnorgane, in deren Fortsetzung und Erweite-
rung wir dazu kamen, als Grundlage einer besonderen Auffassung der
Pathologie die Organminderwertigkeitslehre hinzustellen. Wenn nun zum
Schlusse der Versuch gemacht werden soll, aus der Kasuistik eines
einzelnen Organes, wieder des Harnapparates, die Geltung und Trag-
weite der Minderwertigkeitslehre zu veranschaulichen, bereits bekannte
Zusammenhänge zu bekräftigen, neue aufzudecken, so glaube ich den
großen Schwierigkeiten einer solchen Aufgabe am besten beikommen
zu können, wenn ich nur Fälle wähle, die sich nach einem einzigen,
allerdings deutlichen Gesichtspunkt ordnen lassen, die ein Symptom
der Minderwertigkeit entweder selbst oder im Stammbaum gemeinsam
haben, das Symptom des Kinderfehlers, der Enuresis.

Über die Enuresis, ihr Wesen und ihre pathogenetische Stellung, liegt
in der Literatur ein ungeheueres, aber nur teilweise verwertetes Material
vor. Ich selbst habe in vorliegender Studie einiges Wichtige daraus
hervorgehoben.*) An dieser Stelle muß ich mich darauf beschränken, die
Zentrierung der Minderwertigkeitserscheinungen des Harnapparates durch
die Enuresis durchzuführen, die gleichzeitige Minderwertigkeit des Zentral-
nervensystems und des Sexualapparates hervorzuheben und dieses durch
Fälle zu belegen. Ich folge dabei dem schematischen Aufbau in meiner
Studie und hoffe, daß man die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, die ich
dort ableitete, auch hier wieder im Speziellen finden wird.

So bezüglich der Erkrankungen im Harnapparat, sei es an
dem Enuretiker selbst oder in seinem Stammbaum. Man wird alle

*) In dem nächstens erscheinenden „Illustrierten medizinischen Handlexikon“
(herausgegeben von Dr. Max Kahane, Verlag Urban & Schwarzenberg, Wien-Berlin)
werde ich eine kurze Darstellung dieses Kinderfehlers geben.
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[75/0087] Anhang. Zur Minderwertigkeit des Harnapparates. — Schicksale der Enuretiker und ihres Stammbaumes. Am Ausgangspunkt dieser Studie stehen einige Betrachtungen über Erkrankungen der Harnorgane, in deren Fortsetzung und Erweite- rung wir dazu kamen, als Grundlage einer besonderen Auffassung der Pathologie die Organminderwertigkeitslehre hinzustellen. Wenn nun zum Schlusse der Versuch gemacht werden soll, aus der Kasuistik eines einzelnen Organes, wieder des Harnapparates, die Geltung und Trag- weite der Minderwertigkeitslehre zu veranschaulichen, bereits bekannte Zusammenhänge zu bekräftigen, neue aufzudecken, so glaube ich den großen Schwierigkeiten einer solchen Aufgabe am besten beikommen zu können, wenn ich nur Fälle wähle, die sich nach einem einzigen, allerdings deutlichen Gesichtspunkt ordnen lassen, die ein Symptom der Minderwertigkeit entweder selbst oder im Stammbaum gemeinsam haben, das Symptom des Kinderfehlers, der Enuresis. Über die Enuresis, ihr Wesen und ihre pathogenetische Stellung, liegt in der Literatur ein ungeheueres, aber nur teilweise verwertetes Material vor. Ich selbst habe in vorliegender Studie einiges Wichtige daraus hervorgehoben. *) An dieser Stelle muß ich mich darauf beschränken, die Zentrierung der Minderwertigkeitserscheinungen des Harnapparates durch die Enuresis durchzuführen, die gleichzeitige Minderwertigkeit des Zentral- nervensystems und des Sexualapparates hervorzuheben und dieses durch Fälle zu belegen. Ich folge dabei dem schematischen Aufbau in meiner Studie und hoffe, daß man die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, die ich dort ableitete, auch hier wieder im Speziellen finden wird. So bezüglich der Erkrankungen im Harnapparat, sei es an dem Enuretiker selbst oder in seinem Stammbaum. Man wird alle *) In dem nächstens erscheinenden „Illustrierten medizinischen Handlexikon“ (herausgegeben von Dr. Max Kahane, Verlag Urban & Schwarzenberg, Wien-Berlin) werde ich eine kurze Darstellung dieses Kinderfehlers geben.

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Zitationshilfe: Adler, Alfred: Studie über Minderwertigkeit von Organen. Berlin u. a., 1907, S. 75. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/adler_studie_1907/87>, abgerufen am 24.10.2020.