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Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615.

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Der Landtstörtzer.
gen vor jhm auff seine Knye nider/ vnd sprach
mit auffgehabenen Händen: O sancte Dia-
bole, miserere mei,
O heiliger Teuffel/
erbarme dich meiner. Seyther derselben zeit
kam diser Engelländer nimmer zum essen.

Noch einen andern vngeschmackigen täg-
lichen Gast oder Schmarotzer hatte der Ge-
sandt/ der war ein Aduocat vnd beyder rechten
Doctor/ spilte jmmerdar mit meinem Herrn/
vnd gewann jhm vil Gelts ab/ der fragte mich
einsmals vber Tisch/ was doch die vrsach
were/ daß ich so glat vmbs Maul were/ vnnd
daß mir der Bart nicht wachse? Jch aber
fragte jhne hingegen/ was doch die Vrsach
were/ daß er auffm Kopff so kahl were? (dann
er war kahlköpffig/ vnnd hatte die Frantzosen
etliche mal gehabt) Er ward schamrot/ vnnd
wuste nicht was er darzu solte sagen: Jch aber
halff jm vnd sprach: Domine Doctor, calui-
tium non est vitiun, sed probitatis indiciun,
si morbus gallicus non fuit initium.
Weil
ich auch vernommen/ daß sein Fraw bulte/ so
fragte ich jhne noch ferrner vnnd sprach: Herr
Doctor/ weil jhr hochgelehrt seyt/ so sagt mir/

an
K

Der Landtſtoͤrtzer.
gen vor jhm auff ſeine Knye nider/ vnd ſprach
mit auffgehabenen Haͤnden: O ſancte Dia-
bole, miſerere mei,
O heiliger Teuffel/
erbarme dich meiner. Seyther derſelben zeit
kam diſer Engellaͤnder nimmer zum eſſen.

Noch einen andern vngeſchmackigen taͤg-
lichen Gaſt oder Schmarotzer hatte der Ge-
ſandt/ der war ein Aduocat vnd beyder rechten
Doctor/ ſpilte jmmerdar mit meinem Herꝛn/
vnd gewann jhm vil Gelts ab/ der fragte mich
einsmals vber Tiſch/ was doch die vrſach
were/ daß ich ſo glat vmbs Maul were/ vnnd
daß mir der Bart nicht wachſe? Jch aber
fragte jhne hingegen/ was doch die Vrſach
were/ daß er auffm Kopff ſo kahl were? (dann
er war kahlkoͤpffig/ vnnd hatte die Frantzoſen
etliche mal gehabt) Er ward ſchamrot/ vnnd
wuſte nicht was er darzu ſolte ſagen: Jch aber
halff jm vñ ſpꝛach: Domine Doctor, calui-
tium non eſt vitiũ, ſed probitatis indiciũ,
ſi morbus gallicus nõ fuit initium.
Weil
ich auch vernommen/ daß ſein Fraw bulte/ ſo
fragte ich jhne noch ferꝛner vnnd ſprach: Herꝛ
Doctor/ weil jhꝛ hochgelehꝛt ſeyt/ ſo ſagt mir/

an
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[145/0167] Der Landtſtoͤrtzer. gen vor jhm auff ſeine Knye nider/ vnd ſprach mit auffgehabenen Haͤnden: O ſancte Dia- bole, miſerere mei, O heiliger Teuffel/ erbarme dich meiner. Seyther derſelben zeit kam diſer Engellaͤnder nimmer zum eſſen. Noch einen andern vngeſchmackigen taͤg- lichen Gaſt oder Schmarotzer hatte der Ge- ſandt/ der war ein Aduocat vnd beyder rechten Doctor/ ſpilte jmmerdar mit meinem Herꝛn/ vnd gewann jhm vil Gelts ab/ der fragte mich einsmals vber Tiſch/ was doch die vrſach were/ daß ich ſo glat vmbs Maul were/ vnnd daß mir der Bart nicht wachſe? Jch aber fragte jhne hingegen/ was doch die Vrſach were/ daß er auffm Kopff ſo kahl were? (dann er war kahlkoͤpffig/ vnnd hatte die Frantzoſen etliche mal gehabt) Er ward ſchamrot/ vnnd wuſte nicht was er darzu ſolte ſagen: Jch aber halff jm vñ ſpꝛach: Domine Doctor, calui- tium non eſt vitiũ, ſed probitatis indiciũ, ſi morbus gallicus nõ fuit initium. Weil ich auch vernommen/ daß ſein Fraw bulte/ ſo fragte ich jhne noch ferꝛner vnnd ſprach: Herꝛ Doctor/ weil jhꝛ hochgelehꝛt ſeyt/ ſo ſagt mir/ an K

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Zitationshilfe: Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/167>, abgerufen am 30.09.2020.