Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Landtstörtzer.
Statthalters daselbst dierist befürdert vnd auf-
genommen/ der gewann mich als bald anfangs
lieb/ dann er sahe merne gute qualiteten vnd
eygenschafften/ woferrn ich sie recht vnd wol
brauchen vnd anlegen hette wöllen.

Nuapflegte er jmmerdar freye Tafel zu hal-
ten/ vnd in wehren der Malzeit von allerhand
materien vnd sachen art mit seinen Tischgenos-
sen zu discurriren. Einsmals hielt er ein statt-
lichs Bancket/ darauff waren vil ansehenliche
vnd gelehrte Herren vnd Frawen. Nach der
Mahlzeit ließ mein Herr anfahen zu discurri-
ren/ vnd der erst Tischgenoß discurrirte vnd
redete von der Lugen/ was gestalt nemmlich alle
Menschen Lügner wären/ vnd sprach.

Capvt XXXII.

Discurs von der Lugen.

WEder in den weltlichen noch Gött-
lichen Schrifften findt ich keinen
einigen Spruch/ durch welchen der
betrug deß menschlichen Lebens besser erklärt
vnnd verstanden werden kan/ als eben durch

die
Q

Der Landtſtoͤrtzer.
Statthalters daſelbſt dieriſt befuͤrdert vñ auf-
genommen/ der gewañ mich als bald anfangs
lieb/ dann er ſahe merne gute qualiteten vnd
eygenſchafften/ woferꝛn ich ſie recht vnd wol
brauchen vnd anlegen hette woͤllen.

Nuapflegte er jm̃erdar freye Tafel zu hal-
ten/ vnd in wehren der Malzeit von allerhand
materien vñ ſachen art mit ſeinẽ Tiſchgenoſ-
ſen zu diſcurꝛiren. Einsmals hielt er ein ſtatt-
lichs Bancket/ darauff waren vil anſehenliche
vnd gelehrte Herꝛen vnd Frawen. Nach der
Mahlzeit ließ mein Herꝛ anfahen zu diſcurꝛi-
ren/ vnd der erſt Tiſchgenoß diſcurꝛirte vnd
redete von der Lugen/ was geſtalt nem̃lich alle
Menſchen Luͤgner waͤren/ vnd ſprach.

Capvt XXXII.

Diſcurs von der Lugen.

WEder in den weltlichen noch Goͤtt-
lichen Schrifften findt ich keinen
einigen Spruch/ durch welchen der
betrug deß menſchlichen Lebens beſſer erklaͤrt
vnnd verſtanden werden kan/ als eben durch

die
Q
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0263" n="241"/><fw place="top" type="header">Der Landt&#x017F;to&#x0364;rtzer.</fw><lb/>
Statthalters da&#x017F;elb&#x017F;t dieri&#x017F;t befu&#x0364;rdert vn&#x0303; auf-<lb/>
genommen/ der gewan&#x0303; mich als bald anfangs<lb/>
lieb/ dann er &#x017F;ahe merne gute <hi rendition="#aq">qualiteten</hi> vnd<lb/>
eygen&#x017F;chafften/ wofer&#xA75B;n ich &#x017F;ie recht vnd wol<lb/>
brauchen vnd anlegen hette wo&#x0364;llen.</p><lb/>
          <p>Nuapflegte er jm&#x0303;erdar freye Tafel zu hal-<lb/>
ten/ vnd in wehren der Malzeit von allerhand<lb/>
materien vn&#x0303; &#x017F;achen art mit &#x017F;eine&#x0303; Ti&#x017F;chgeno&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en zu di&#x017F;cur&#xA75B;iren. Einsmals hielt er ein &#x017F;tatt-<lb/>
lichs Bancket/ darauff waren vil an&#x017F;ehenliche<lb/>
vnd gelehrte Her&#xA75B;en vnd Frawen. Nach der<lb/>
Mahlzeit ließ mein Her&#xA75B; anfahen zu di&#x017F;cur&#xA75B;i-<lb/>
ren/ vnd der er&#x017F;t Ti&#x017F;chgenoß di&#x017F;cur&#xA75B;irte vnd<lb/>
redete von der Lugen/ was ge&#x017F;talt nem&#x0303;lich alle<lb/>
Men&#x017F;chen Lu&#x0364;gner wa&#x0364;ren/ vnd &#x017F;prach.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Capvt</hi> XXXII.</hi> </hi> </head><lb/>
          <argument>
            <p> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#aq">Di&#x017F;curs</hi> <hi rendition="#b">von der Lugen.</hi> </hi> </p>
          </argument><lb/>
          <p><hi rendition="#in">W</hi>Eder in den weltlichen noch Go&#x0364;tt-<lb/>
lichen Schrifften findt ich keinen<lb/>
einigen Spruch/ durch welchen der<lb/>
betrug deß men&#x017F;chlichen Lebens be&#x017F;&#x017F;er erkla&#x0364;rt<lb/>
vnnd ver&#x017F;tanden werden kan/ als eben durch<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Q</fw><fw place="bottom" type="catch">die</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[241/0263] Der Landtſtoͤrtzer. Statthalters daſelbſt dieriſt befuͤrdert vñ auf- genommen/ der gewañ mich als bald anfangs lieb/ dann er ſahe merne gute qualiteten vnd eygenſchafften/ woferꝛn ich ſie recht vnd wol brauchen vnd anlegen hette woͤllen. Nuapflegte er jm̃erdar freye Tafel zu hal- ten/ vnd in wehren der Malzeit von allerhand materien vñ ſachen art mit ſeinẽ Tiſchgenoſ- ſen zu diſcurꝛiren. Einsmals hielt er ein ſtatt- lichs Bancket/ darauff waren vil anſehenliche vnd gelehrte Herꝛen vnd Frawen. Nach der Mahlzeit ließ mein Herꝛ anfahen zu diſcurꝛi- ren/ vnd der erſt Tiſchgenoß diſcurꝛirte vnd redete von der Lugen/ was geſtalt nem̃lich alle Menſchen Luͤgner waͤren/ vnd ſprach. Capvt XXXII. Diſcurs von der Lugen. WEder in den weltlichen noch Goͤtt- lichen Schrifften findt ich keinen einigen Spruch/ durch welchen der betrug deß menſchlichen Lebens beſſer erklaͤrt vnnd verſtanden werden kan/ als eben durch die Q

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/263
Zitationshilfe: Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615, S. 241. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/263>, abgerufen am 12.08.2020.