Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Landtstörtzer.
Capvt XXXVII.

Discurs von dem Fauor vnd
Gunst der Welt.

DEr sechst Tischgenoß redete etwas
wenigs von dem Weltlichen Favor
vnd sprach: Die alten haben den Fa-
uor gemahlt in der gestallt eines jungen blin-
den Kindts/ alleinig vnd ohne alle gesellschaft.
Etliche vermeinten auch/ daß der vrsprung
deß gunsts seye die schönheit deß Leibs/ oder
der Adel deß Geistes/ jnmassen solches nach-
folgendes gespräch deß Poeten vnnd Appel-
lis
zu erkennen gibt: Poet. Was ist diß für
ein Fraw/ welche allzeit bey dem Gunst steckt/
vnd sie niemaln verläst? Appelles: Sie ist
die Schmaichlerey. Poet. Was ist das für
eine/ die jhr nachfolget? Ap. Es ist die Fraw
Inuidia oder Neydt. P. Was seind das für
Leut/ die jhm nachfolgen vnnd gehorsamen?
Ap. Es seind die Reichthumb vnd Wollust.
P. Warumb hat der Fauor oder Gunst flü-
gel? Ap. Weil er nit gemach gehen kan/ son-

der
Der Landtſtoͤrtzer.
Capvt XXXVII.

Diſcurs von dem Fauor vnd
Gunſt der Welt.

DEr ſechſt Tiſchgenoß redete etwas
wenigs von dem Weltlichen Favor
vnd ſprach: Die alten haben den Fa-
uor gemahlt in der geſtallt eines jungen blin-
den Kindts/ alleinig vnd ohne alle geſellſchaft.
Etliche vermeinten auch/ daß der vrſprung
deß gunſts ſeye die ſchoͤnheit deß Leibs/ oder
der Adel deß Geiſtes/ jnmaſſen ſolches nach-
folgendes geſpraͤch deß Poeten vnnd Appel-
lis
zu erkennen gibt: Poet. Was iſt diß fuͤr
ein Fraw/ welche allzeit bey dem Gunſt ſteckt/
vnd ſie niemaln verlaͤſt? Appelles: Sie iſt
die Schmaichlerey. Poet. Was iſt das fuͤr
eine/ die jhr nachfolget? Ap. Es iſt die Fraw
Inuidia oder Neydt. P. Was ſeind das fuͤr
Leut/ die jhm nachfolgen vnnd gehorſamen?
Ap. Es ſeind die Reichthumb vnd Wolluſt.
P. Warumb hat der Fauor oder Gunſt fluͤ-
gel? Ap. Weil er nit gemach gehen kan/ ſon-

der
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0323" n="301"/>
        <fw place="top" type="header">Der Landt&#x017F;to&#x0364;rtzer.</fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Capvt</hi> XXXVII.</hi> </hi> </head><lb/>
          <argument>
            <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#aq">Di&#x017F;curs</hi><hi rendition="#b">von dem Fauor vnd</hi><lb/>
Gun&#x017F;t der Welt.</hi> </p>
          </argument><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>Er &#x017F;ech&#x017F;t Ti&#x017F;chgenoß redete etwas<lb/>
wenigs von dem Weltlichen Favor<lb/>
vnd &#x017F;prach: Die alten haben den Fa-<lb/>
uor gemahlt in der ge&#x017F;tallt eines jungen blin-<lb/>
den Kindts/ alleinig vnd ohne alle ge&#x017F;ell&#x017F;chaft.<lb/>
Etliche vermeinten auch/ daß der vr&#x017F;prung<lb/>
deß gun&#x017F;ts &#x017F;eye die &#x017F;cho&#x0364;nheit deß Leibs/ oder<lb/>
der Adel deß Gei&#x017F;tes/ jnma&#x017F;&#x017F;en &#x017F;olches nach-<lb/>
folgendes ge&#x017F;pra&#x0364;ch deß Poeten vnnd <hi rendition="#aq">Appel-<lb/>
lis</hi> zu erkennen gibt: <hi rendition="#aq">Poet.</hi> Was i&#x017F;t diß fu&#x0364;r<lb/>
ein Fraw/ welche allzeit bey dem Gun&#x017F;t &#x017F;teckt/<lb/>
vnd &#x017F;ie niemaln verla&#x0364;&#x017F;t? <hi rendition="#aq">Appelles:</hi> Sie i&#x017F;t<lb/>
die Schmaichlerey. <hi rendition="#aq">Poet.</hi> Was i&#x017F;t das fu&#x0364;r<lb/>
eine/ die jhr nachfolget? <hi rendition="#aq">Ap.</hi> Es i&#x017F;t die Fraw<lb/><hi rendition="#aq">Inuidia</hi> oder Neydt. <hi rendition="#aq">P.</hi> Was &#x017F;eind das fu&#x0364;r<lb/>
Leut/ die jhm nachfolgen vnnd gehor&#x017F;amen?<lb/><hi rendition="#aq">Ap.</hi> Es &#x017F;eind die Reichthumb vnd Wollu&#x017F;t.<lb/><hi rendition="#aq">P.</hi> Warumb hat der Fauor oder Gun&#x017F;t flu&#x0364;-<lb/>
gel? <hi rendition="#aq">Ap.</hi> Weil er nit gemach gehen kan/ &#x017F;on-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">der</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[301/0323] Der Landtſtoͤrtzer. Capvt XXXVII. Diſcurs von dem Fauor vnd Gunſt der Welt. DEr ſechſt Tiſchgenoß redete etwas wenigs von dem Weltlichen Favor vnd ſprach: Die alten haben den Fa- uor gemahlt in der geſtallt eines jungen blin- den Kindts/ alleinig vnd ohne alle geſellſchaft. Etliche vermeinten auch/ daß der vrſprung deß gunſts ſeye die ſchoͤnheit deß Leibs/ oder der Adel deß Geiſtes/ jnmaſſen ſolches nach- folgendes geſpraͤch deß Poeten vnnd Appel- lis zu erkennen gibt: Poet. Was iſt diß fuͤr ein Fraw/ welche allzeit bey dem Gunſt ſteckt/ vnd ſie niemaln verlaͤſt? Appelles: Sie iſt die Schmaichlerey. Poet. Was iſt das fuͤr eine/ die jhr nachfolget? Ap. Es iſt die Fraw Inuidia oder Neydt. P. Was ſeind das fuͤr Leut/ die jhm nachfolgen vnnd gehorſamen? Ap. Es ſeind die Reichthumb vnd Wolluſt. P. Warumb hat der Fauor oder Gunſt fluͤ- gel? Ap. Weil er nit gemach gehen kan/ ſon- der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/323
Zitationshilfe: Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615, S. 301. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/323>, abgerufen am 05.08.2020.