Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Landtstörtzer.
verehelichet sich mit den Handtwercksleuten/
welche kaum ein wahres Wort reden können.
Die sibende heist Faulheit/ vnnd verheuret
sich mit den Edelleuthen/ welche von jenem
Göttlichen Gebott: Jm schweiß deines An-
gesichts sollestu dein Brot essen: nichts wis-
sen/ nichts arbeiten vnd doch jmmerdar wol-
lustigklich leben wöllen. Die achte Tochter
deß Teuffels heist murmuratio oder mur-
rung/ vnd regirt gemeinglich vnder den Bau-
ren/ welche sich vilmals wider jhre Herrschaff-
ten aufwerffen vnd sich murrisch/ vnwillig vnd
vngehorsamb erzeigen. Die neundte heist
Fraw Luxuria, vnnd dieselbige verehelichet
sich nicht nur einem allein/ sonder allen mit
einander/ dann sie mischet sich in alle Ständ/
vnd beherrschet die grosse Herrn/ Reichen vnd
Armen/ Geistlichen vnd weltlichen/ vnd wenig
seind dern/ welche sie nicht vberwindet. Dise
Fraw Luxuria hat auch mich jederzeit vnnd
sonderlich in disem Ehestandt dermassen be-
sessen vnd beherrscht/ daß ich nur den fleischli-
chen wollüsten abwartete/ vnnd Gott meinen
HErrn aller dings verließ/ verachtete/ vnnd

sambt

Der Landtſtoͤrtzer.
verehelichet ſich mit den Handtwercksleuten/
welche kaum ein wahres Woꝛt reden koͤnnen.
Die ſibende heiſt Faulheit/ vnnd verheuret
ſich mit den Edelleuthen/ welche von jenem
Goͤttlichen Gebott: Jm ſchweiß deines An-
geſichts ſolleſtu dein Brot eſſen: nichts wiſ-
ſen/ nichts arbeiten vnd doch jmmerdar wol-
luſtigklich leben woͤllen. Die achte Tochter
deß Teuffels heiſt murmuratio oder mur-
rung/ vnd regirt gemeinglich vnder den Bau-
ren/ welche ſich vilmals wider jhꝛe Herꝛſchaff-
ten aufwerffen vnd ſich murꝛiſch/ vnwillig vñ
vngehorſamb erzeigen. Die neundte heiſt
Fraw Luxuria, vnnd dieſelbige verehelichet
ſich nicht nur einem allein/ ſonder allen mit
einander/ dann ſie miſchet ſich in alle Staͤnd/
vnd beherꝛſchet die groſſe Herꝛn/ Reichen vnd
Armen/ Geiſtlichen vñ weltlichen/ vñ wenig
ſeind dern/ welche ſie nicht vberwindet. Diſe
Fraw Luxuria hat auch mich jederzeit vnnd
ſonderlich in diſem Eheſtandt dermaſſen be-
ſeſſen vnd beherꝛſcht/ daß ich nur den fleiſchli-
chen wolluͤſten abwartete/ vnnd Gott meinen
HErꝛn aller dings verließ/ verachtete/ vnnd

ſambt
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0432" n="410"/><fw place="top" type="header">Der Landt&#x017F;to&#x0364;rtzer.</fw><lb/>
verehelichet &#x017F;ich mit den Handtwercksleuten/<lb/>
welche kaum ein wahres Wo&#xA75B;t reden ko&#x0364;nnen.<lb/>
Die &#x017F;ibende hei&#x017F;t Faulheit/ vnnd verheuret<lb/>
&#x017F;ich mit den <hi rendition="#in">E</hi>delleuthen/ welche von jenem<lb/>
Go&#x0364;ttlichen Gebott: Jm &#x017F;chweiß deines An-<lb/>
ge&#x017F;ichts &#x017F;olle&#x017F;tu dein Brot e&#x017F;&#x017F;en: nichts wi&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en/ nichts arbeiten vnd doch jmmerdar wol-<lb/>
lu&#x017F;tigklich leben wo&#x0364;llen. Die achte Tochter<lb/>
deß Teuffels hei&#x017F;t <hi rendition="#aq">murmuratio</hi> oder mur-<lb/>
rung/ vnd regirt gemeinglich vnder den Bau-<lb/>
ren/ welche &#x017F;ich vilmals wider jh&#xA75B;e Her&#xA75B;&#x017F;chaff-<lb/>
ten aufwerffen vnd &#x017F;ich mur&#xA75B;i&#x017F;ch/ vnwillig vn&#x0303;<lb/>
vngehor&#x017F;amb erzeigen. Die neundte hei&#x017F;t<lb/>
Fraw <hi rendition="#aq">Luxuria,</hi> vnnd die&#x017F;elbige verehelichet<lb/>
&#x017F;ich nicht nur einem allein/ &#x017F;onder allen mit<lb/>
einander/ dann &#x017F;ie mi&#x017F;chet &#x017F;ich in alle Sta&#x0364;nd/<lb/>
vnd beher&#xA75B;&#x017F;chet die gro&#x017F;&#x017F;e Her&#xA75B;n/ Reichen vnd<lb/>
Armen/ Gei&#x017F;tlichen vn&#x0303; weltlichen/ vn&#x0303; wenig<lb/>
&#x017F;eind dern/ welche &#x017F;ie nicht vberwindet. Di&#x017F;e<lb/>
Fraw <hi rendition="#aq">Luxuria</hi> hat auch mich jederzeit vnnd<lb/>
&#x017F;onderlich in di&#x017F;em Ehe&#x017F;tandt derma&#x017F;&#x017F;en be-<lb/>
&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en vnd beher&#xA75B;&#x017F;cht/ daß ich nur den flei&#x017F;chli-<lb/>
chen wollu&#x0364;&#x017F;ten abwartete/ vnnd Gott meinen<lb/>
HEr&#xA75B;n aller dings verließ/ verachtete/ vnnd<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ambt</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[410/0432] Der Landtſtoͤrtzer. verehelichet ſich mit den Handtwercksleuten/ welche kaum ein wahres Woꝛt reden koͤnnen. Die ſibende heiſt Faulheit/ vnnd verheuret ſich mit den Edelleuthen/ welche von jenem Goͤttlichen Gebott: Jm ſchweiß deines An- geſichts ſolleſtu dein Brot eſſen: nichts wiſ- ſen/ nichts arbeiten vnd doch jmmerdar wol- luſtigklich leben woͤllen. Die achte Tochter deß Teuffels heiſt murmuratio oder mur- rung/ vnd regirt gemeinglich vnder den Bau- ren/ welche ſich vilmals wider jhꝛe Herꝛſchaff- ten aufwerffen vnd ſich murꝛiſch/ vnwillig vñ vngehorſamb erzeigen. Die neundte heiſt Fraw Luxuria, vnnd dieſelbige verehelichet ſich nicht nur einem allein/ ſonder allen mit einander/ dann ſie miſchet ſich in alle Staͤnd/ vnd beherꝛſchet die groſſe Herꝛn/ Reichen vnd Armen/ Geiſtlichen vñ weltlichen/ vñ wenig ſeind dern/ welche ſie nicht vberwindet. Diſe Fraw Luxuria hat auch mich jederzeit vnnd ſonderlich in diſem Eheſtandt dermaſſen be- ſeſſen vnd beherꝛſcht/ daß ich nur den fleiſchli- chen wolluͤſten abwartete/ vnnd Gott meinen HErꝛn aller dings verließ/ verachtete/ vnnd ſambt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/432
Zitationshilfe: Albertinus, Aegidius: Der Landtstörtzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt. Bd. 1. München, 1615, S. 410. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/albertinus_landtstoertzer01_1615/432>, abgerufen am 22.09.2020.