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Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885].

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Karl Henckell.

So leb' denn wohl! Wenn mit dem Flötenklange
Des Flügels weichste Töne sich vermählt,
Wenn leise, wehmuthvolle Lieder bange
Und doch so süß mich träumerisch beseelt,
Da hat ein selt'ner Gott sich eingefunden
Und gnadenvoll sich über mich geneigt,
Da hab' auch ich das traute Glück empfunden,
Das allzuschnell sonst meinem Blick entweicht.
Ihr kennt es nicht, die ihr parfum-umfächelt
So glatt wie hohl ein wenig "Leben" spielt,
Nur wem im Wettersturm die Sonne lächelt,
Der Kämpfer nur hat einzig es gefühlt!


Sonnenlied.

Deutscher Geist und deutsches Herz. S. 558.

Blendend zittert gold'nes Licht.
Um die sehnsuchtsvollen Wangen,
Strahl auf Strahl durch Wolken bricht,
Und das nebelgraue Bangen
Ist vergangen.
In dem warmen Sonnenmeer
Will ich baden traumversunken,
Blitzend wogen um mich her
Schießend, wirbelnd, wonnetrunken,
Himmelsfunken.
O du wesenloser Geist,
Gott der Strahlen, Glanz geboren,
Den das Weltall jauchzend preist,
Den zum Spotte nun die Thoren
Sich erkoren:
Geist erhab'ner Liebesmacht,
Geist des Wahren und des Guten,
Der du durch des Irrthums Nacht
Des Gedankens helle Gluthen
Lässest fluthen:

18*
Karl Henckell.

So leb’ denn wohl! Wenn mit dem Flötenklange
Des Flügels weichſte Töne ſich vermählt,
Wenn leiſe, wehmuthvolle Lieder bange
Und doch ſo ſüß mich träumeriſch beſeelt,
Da hat ein ſelt’ner Gott ſich eingefunden
Und gnadenvoll ſich über mich geneigt,
Da hab’ auch ich das traute Glück empfunden,
Das allzuſchnell ſonſt meinem Blick entweicht.
Ihr kennt es nicht, die ihr parfum-umfächelt
So glatt wie hohl ein wenig „Leben“ ſpielt,
Nur wem im Wetterſturm die Sonne lächelt,
Der Kämpfer nur hat einzig es gefühlt!


Sonnenlied.

Deutſcher Geiſt und deutſches Herz. S. 558.

Blendend zittert gold’nes Licht.
Um die ſehnſuchtsvollen Wangen,
Strahl auf Strahl durch Wolken bricht,
Und das nebelgraue Bangen
Iſt vergangen.
In dem warmen Sonnenmeer
Will ich baden traumverſunken,
Blitzend wogen um mich her
Schießend, wirbelnd, wonnetrunken,
Himmelsfunken.
O du weſenloſer Geiſt,
Gott der Strahlen, Glanz geboren,
Den das Weltall jauchzend preiſt,
Den zum Spotte nun die Thoren
Sich erkoren:
Geiſt erhab’ner Liebesmacht,
Geiſt des Wahren und des Guten,
Der du durch des Irrthums Nacht
Des Gedankens helle Gluthen
Läſſeſt fluthen:

18*
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[275/0293] Karl Henckell. So leb’ denn wohl! Wenn mit dem Flötenklange Des Flügels weichſte Töne ſich vermählt, Wenn leiſe, wehmuthvolle Lieder bange Und doch ſo ſüß mich träumeriſch beſeelt, Da hat ein ſelt’ner Gott ſich eingefunden Und gnadenvoll ſich über mich geneigt, Da hab’ auch ich das traute Glück empfunden, Das allzuſchnell ſonſt meinem Blick entweicht. Ihr kennt es nicht, die ihr parfum-umfächelt So glatt wie hohl ein wenig „Leben“ ſpielt, Nur wem im Wetterſturm die Sonne lächelt, Der Kämpfer nur hat einzig es gefühlt! Sonnenlied. Deutſcher Geiſt und deutſches Herz. S. 558. Blendend zittert gold’nes Licht. Um die ſehnſuchtsvollen Wangen, Strahl auf Strahl durch Wolken bricht, Und das nebelgraue Bangen Iſt vergangen. In dem warmen Sonnenmeer Will ich baden traumverſunken, Blitzend wogen um mich her Schießend, wirbelnd, wonnetrunken, Himmelsfunken. O du weſenloſer Geiſt, Gott der Strahlen, Glanz geboren, Den das Weltall jauchzend preiſt, Den zum Spotte nun die Thoren Sich erkoren: Geiſt erhab’ner Liebesmacht, Geiſt des Wahren und des Guten, Der du durch des Irrthums Nacht Des Gedankens helle Gluthen Läſſeſt fluthen: 18*

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Zitationshilfe: Arent, Wilhelm (Hrsg.): Moderne Dichter-Charaktere. Leipzig, [1885], S. 275. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arent_dichtercharaktere_1885/293>, abgerufen am 18.02.2019.