Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806.

Bild:
<< vorherige Seite

Er sagt: Du traust dem Muthe,
Will sehn, ob du ein Mann! --
Er faßt den Anschlag eitel,
Daß ich nun schieß geschwind
Den Apfel von dem Scheitel
Meinem allerliebsten Kind.

Kind.

Ach Vater, was hab' ich gethan,
Daß du mich also bindest an?
Tell.

Mein Kind schweig still, mein Herz schonst groß,
Ich hoff, es soll mein Pfeilgeschoß
Kein Schaden dir bereiten,
Du trägst kein Schuld und ich kein Sünd,
Ruf nur zu Gott mit mir mein Kind,
Gott wird den Pfeil schon leiten.
Halt auf dein Haupt, richt dich nur auf,
In Gottes Namen schieß ich drauf,
Der gerechte Gott soll leben!
Kind.

Ach Vater mein, Gott mit uns hält,
Der Apfel von dem Scheitel fällt,
Gott hat den Segen geben.


Er ſagt: Du trauſt dem Muthe,
Will ſehn, ob du ein Mann! —
Er faßt den Anſchlag eitel,
Daß ich nun ſchieß geſchwind
Den Apfel von dem Scheitel
Meinem allerliebſten Kind.

Kind.

Ach Vater, was hab' ich gethan,
Daß du mich alſo bindeſt an?
Tell.

Mein Kind ſchweig ſtill, mein Herz ſchonſt groß,
Ich hoff, es ſoll mein Pfeilgeſchoß
Kein Schaden dir bereiten,
Du traͤgſt kein Schuld und ich kein Suͤnd,
Ruf nur zu Gott mit mir mein Kind,
Gott wird den Pfeil ſchon leiten.
Halt auf dein Haupt, richt dich nur auf,
In Gottes Namen ſchieß ich drauf,
Der gerechte Gott ſoll leben!
Kind.

Ach Vater mein, Gott mit uns haͤlt,
Der Apfel von dem Scheitel faͤllt,
Gott hat den Segen geben.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <pb facs="#f0027" n="18"/>
              <l>Er &#x017F;agt: Du trau&#x017F;t dem Muthe,</l><lb/>
              <l>Will &#x017F;ehn, ob du ein Mann! &#x2014;</l><lb/>
              <l>Er faßt den An&#x017F;chlag eitel,</l><lb/>
              <l>Daß ich nun &#x017F;chieß ge&#x017F;chwind</l><lb/>
              <l>Den Apfel von dem Scheitel</l><lb/>
              <l>Meinem allerlieb&#x017F;ten Kind.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <head><hi rendition="#g">Kind</hi>.</head><lb/>
              <l>Ach Vater, was hab' ich gethan,</l><lb/>
              <l>Daß du mich al&#x017F;o binde&#x017F;t an?</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <head><hi rendition="#g">Tell</hi>.</head><lb/>
              <l>Mein Kind &#x017F;chweig &#x017F;till, mein Herz &#x017F;chon&#x017F;t groß,</l><lb/>
              <l>Ich hoff, es &#x017F;oll mein Pfeilge&#x017F;choß</l><lb/>
              <l>Kein Schaden dir bereiten,</l><lb/>
              <l>Du tra&#x0364;g&#x017F;t kein Schuld und ich kein Su&#x0364;nd,</l><lb/>
              <l>Ruf nur zu Gott mit mir mein Kind,</l><lb/>
              <l>Gott wird den Pfeil &#x017F;chon leiten.</l><lb/>
              <l>Halt auf dein Haupt, richt dich nur auf,</l><lb/>
              <l>In Gottes Namen &#x017F;chieß ich drauf,</l><lb/>
              <l>Der gerechte Gott &#x017F;oll leben!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <head><hi rendition="#g">Kind</hi>.</head><lb/>
              <l>Ach Vater mein, Gott mit uns ha&#x0364;lt,</l><lb/>
              <l>Der Apfel von dem Scheitel fa&#x0364;llt,</l><lb/>
              <l>Gott hat den Segen geben.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[18/0027] Er ſagt: Du trauſt dem Muthe, Will ſehn, ob du ein Mann! — Er faßt den Anſchlag eitel, Daß ich nun ſchieß geſchwind Den Apfel von dem Scheitel Meinem allerliebſten Kind. Kind. Ach Vater, was hab' ich gethan, Daß du mich alſo bindeſt an? Tell. Mein Kind ſchweig ſtill, mein Herz ſchonſt groß, Ich hoff, es ſoll mein Pfeilgeſchoß Kein Schaden dir bereiten, Du traͤgſt kein Schuld und ich kein Suͤnd, Ruf nur zu Gott mit mir mein Kind, Gott wird den Pfeil ſchon leiten. Halt auf dein Haupt, richt dich nur auf, In Gottes Namen ſchieß ich drauf, Der gerechte Gott ſoll leben! Kind. Ach Vater mein, Gott mit uns haͤlt, Der Apfel von dem Scheitel faͤllt, Gott hat den Segen geben.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/27
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/27>, abgerufen am 16.10.2019.