Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806.

Bild:
<< vorherige Seite
"Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
"Wie ist dein Farbe blaß und bleich!"
"Und sollt sie nicht seyn blaß und bleich,
"Ich traf in Erlen Königs Reich."
"Hör an mein Sohn, so lieb und traut,
"Was soll ich nun sagen deiner Braut?"
"Sagt ihr, ich sey im Wald zur Stund,
"Zu proben da mein Pferd und Hund."
Früh Morgen und als es Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschaar.
Sie schenkten Meet, sie schenkten Wein,
"Wo ist Herr Olof, der Bräutigam mein?"
"Herr Olof, er ritt in den Wald zur Stund,
"Er probt allda sein Pferd und Hund."
Die Braut hob auf den Scharlach roth,
Da lag Herr Olof, und er war todt.


Ewigkeit.

Katholische Kirchengesänge. Cölln 1625. S. 620.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit,
Doch eilt zu dir schnell unsre Zeit,
Gleich wie das Heerpferd zu dem Streit,
18.
„Hoͤr an, mein Sohn, ſag an mir gleich,
„Wie iſt dein Farbe blaß und bleich!“
„Und ſollt ſie nicht ſeyn blaß und bleich,
„Ich traf in Erlen Koͤnigs Reich.“
„Hoͤr an mein Sohn, ſo lieb und traut,
„Was ſoll ich nun ſagen deiner Braut?“
„Sagt ihr, ich ſey im Wald zur Stund,
„Zu proben da mein Pferd und Hund.“
Fruͤh Morgen und als es Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitſchaar.
Sie ſchenkten Meet, ſie ſchenkten Wein,
„Wo iſt Herr Olof, der Braͤutigam mein?“
„Herr Olof, er ritt in den Wald zur Stund,
„Er probt allda ſein Pferd und Hund.“
Die Braut hob auf den Scharlach roth,
Da lag Herr Olof, und er war todt.


Ewigkeit.

Katholiſche Kirchengeſaͤnge. Coͤlln 1625. S. 620.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang biſt du, o Ewigkeit,
Doch eilt zu dir ſchnell unſre Zeit,
Gleich wie das Heerpferd zu dem Streit,
18.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0282" n="263[273]"/>
            <lg n="13">
              <l>&#x201E;Ho&#x0364;r an, mein Sohn, &#x017F;ag an mir gleich,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Wie i&#x017F;t dein Farbe blaß und bleich!&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="14">
              <l>&#x201E;Und &#x017F;ollt &#x017F;ie nicht &#x017F;eyn blaß und bleich,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Ich traf in Erlen Ko&#x0364;nigs Reich.&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="15">
              <l>&#x201E;Ho&#x0364;r an mein Sohn, &#x017F;o lieb und traut,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Was &#x017F;oll ich nun &#x017F;agen deiner Braut?&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="16">
              <l>&#x201E;Sagt ihr, ich &#x017F;ey im Wald zur Stund,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Zu proben da mein Pferd und Hund.&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="17">
              <l>Fru&#x0364;h Morgen und als es Tag kaum war,</l><lb/>
              <l>Da kam die Braut mit der Hochzeit&#x017F;chaar.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="18">
              <l>Sie &#x017F;chenkten Meet, &#x017F;ie &#x017F;chenkten Wein,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Wo i&#x017F;t Herr Olof, der Bra&#x0364;utigam mein?&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="19">
              <l>&#x201E;Herr Olof, er ritt in den Wald zur Stund,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Er probt allda &#x017F;ein Pferd und Hund.&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="20">
              <l>Die Braut hob auf den Scharlach roth,</l><lb/>
              <l>Da lag Herr Olof, und er war todt.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Ewigkeit</hi>.</head><lb/>
          <p rendition="#c">Katholi&#x017F;che Kirchenge&#x017F;a&#x0364;nge. Co&#x0364;lln 1625. S. 620.</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">O</hi> Ewigkeit, o Ewigkeit!</l><lb/>
              <l>Wie lang bi&#x017F;t du, o Ewigkeit,</l><lb/>
              <l>Doch eilt zu dir &#x017F;chnell un&#x017F;re Zeit,</l><lb/>
              <l>Gleich wie das Heerpferd zu dem Streit,</l><lb/>
              <fw place="bottom" type="sig">18.</fw><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[263[273]/0282] „Hoͤr an, mein Sohn, ſag an mir gleich, „Wie iſt dein Farbe blaß und bleich!“ „Und ſollt ſie nicht ſeyn blaß und bleich, „Ich traf in Erlen Koͤnigs Reich.“ „Hoͤr an mein Sohn, ſo lieb und traut, „Was ſoll ich nun ſagen deiner Braut?“ „Sagt ihr, ich ſey im Wald zur Stund, „Zu proben da mein Pferd und Hund.“ Fruͤh Morgen und als es Tag kaum war, Da kam die Braut mit der Hochzeitſchaar. Sie ſchenkten Meet, ſie ſchenkten Wein, „Wo iſt Herr Olof, der Braͤutigam mein?“ „Herr Olof, er ritt in den Wald zur Stund, „Er probt allda ſein Pferd und Hund.“ Die Braut hob auf den Scharlach roth, Da lag Herr Olof, und er war todt. Ewigkeit. Katholiſche Kirchengeſaͤnge. Coͤlln 1625. S. 620. O Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang biſt du, o Ewigkeit, Doch eilt zu dir ſchnell unſre Zeit, Gleich wie das Heerpferd zu dem Streit, 18.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/282
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 263[273]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/282>, abgerufen am 05.12.2020.