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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806.

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Ich möchte bey dir seyn!
Das Fensterlein steht auf
Wie bey dem Vogelsteller,
Ich wag mich nicht hinauf.

Wollt Gott, ich fänd im Garten
Drey Rosen auf einem Zweig,
Ich wollte auf sie warten,
Ein Zeichen wär's mir gleich;
Das Morgenroth ist weit,
Es streut schon seine Rosen,
Adie meine schöne Maid.


Die Ausgleichung.

Mündlich.

Der König über Tische saß,
Ihm dienten Fürsten, Herren,
Viel edle Frauen schön und zart,
So saßen sie paarweis.
Da man das erste Essen aß,
Da kam in hohen Ehren,
Ein Mädchen jung, von edler Art,
Also in kluger Weis.
Den Becher, den sie schwebend hält,
Von Golde ausgetrieben,
Der Königin sie reicht ihn dar,
Die Königin schenkt ein,

Ich moͤchte bey dir ſeyn!
Das Fenſterlein ſteht auf
Wie bey dem Vogelſteller,
Ich wag mich nicht hinauf.

Wollt Gott, ich faͤnd im Garten
Drey Roſen auf einem Zweig,
Ich wollte auf ſie warten,
Ein Zeichen waͤr's mir gleich;
Das Morgenroth iſt weit,
Es ſtreut ſchon ſeine Roſen,
Adie meine ſchoͤne Maid.


Die Ausgleichung.

Muͤndlich.

Der Koͤnig uͤber Tiſche ſaß,
Ihm dienten Fuͤrſten, Herren,
Viel edle Frauen ſchoͤn und zart,
So ſaßen ſie paarweis.
Da man das erſte Eſſen aß,
Da kam in hohen Ehren,
Ein Maͤdchen jung, von edler Art,
Alſo in kluger Weis.
Den Becher, den ſie ſchwebend haͤlt,
Von Golde ausgetrieben,
Der Koͤnigin ſie reicht ihn dar,
Die Koͤnigin ſchenkt ein,
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[379[389]/0398] Ich moͤchte bey dir ſeyn! Das Fenſterlein ſteht auf Wie bey dem Vogelſteller, Ich wag mich nicht hinauf. Wollt Gott, ich faͤnd im Garten Drey Roſen auf einem Zweig, Ich wollte auf ſie warten, Ein Zeichen waͤr's mir gleich; Das Morgenroth iſt weit, Es ſtreut ſchon ſeine Roſen, Adie meine ſchoͤne Maid. Die Ausgleichung. Muͤndlich. Der Koͤnig uͤber Tiſche ſaß, Ihm dienten Fuͤrſten, Herren, Viel edle Frauen ſchoͤn und zart, So ſaßen ſie paarweis. Da man das erſte Eſſen aß, Da kam in hohen Ehren, Ein Maͤdchen jung, von edler Art, Alſo in kluger Weis. Den Becher, den ſie ſchwebend haͤlt, Von Golde ausgetrieben, Der Koͤnigin ſie reicht ihn dar, Die Koͤnigin ſchenkt ein,

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 379[389]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/398>, abgerufen am 05.12.2020.