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Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835.

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Goethe an Bettine.


Mein liebes Kind! ich klage mich an, daß ich Dir
nicht früher ein Zeichen gegeben, wie genußreich und
erquickend es mir ist, das reiche Leben deines Herzens
überschauen zu dürfen. Wenn es auch ein Mangel in
mir ist, daß ich Dir nur wenig sagen kann, so ist es
Mangel an Fassung über alles was Du mir giebst.

Ich schreibe Dir diesen Augenblick im Flug', denn
ich fürchte da zu verweilen, wo so viel überströmendes
mich ergreift. Fahre fort, deine Heimath bei der Mut-
ter zu befestigen; es ist ihr zu viel dadurch geworden,
als daß sie dich entbehren könnte, und rechne Du auf
meine Liebe und meinen Dank.

G.

Goethe an Bettine.


Mein liebes Kind! ich klage mich an, daß ich Dir
nicht früher ein Zeichen gegeben, wie genußreich und
erquickend es mir iſt, das reiche Leben deines Herzens
überſchauen zu dürfen. Wenn es auch ein Mangel in
mir iſt, daß ich Dir nur wenig ſagen kann, ſo iſt es
Mangel an Faſſung über alles was Du mir giebſt.

Ich ſchreibe Dir dieſen Augenblick im Flug', denn
ich fürchte da zu verweilen, wo ſo viel überſtrömendes
mich ergreift. Fahre fort, deine Heimath bei der Mut-
ter zu befeſtigen; es iſt ihr zu viel dadurch geworden,
als daß ſie dich entbehren könnte, und rechne Du auf
meine Liebe und meinen Dank.

G.

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[136/0168] Goethe an Bettine. 18ten Juni. Mein liebes Kind! ich klage mich an, daß ich Dir nicht früher ein Zeichen gegeben, wie genußreich und erquickend es mir iſt, das reiche Leben deines Herzens überſchauen zu dürfen. Wenn es auch ein Mangel in mir iſt, daß ich Dir nur wenig ſagen kann, ſo iſt es Mangel an Faſſung über alles was Du mir giebſt. Ich ſchreibe Dir dieſen Augenblick im Flug', denn ich fürchte da zu verweilen, wo ſo viel überſtrömendes mich ergreift. Fahre fort, deine Heimath bei der Mut- ter zu befeſtigen; es iſt ihr zu viel dadurch geworden, als daß ſie dich entbehren könnte, und rechne Du auf meine Liebe und meinen Dank. G.

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Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835/168>, abgerufen am 24.01.2020.