Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite
An Bettine.


Was kann man Dir sagen und geben, was Dir
nicht schon auf eine schönere Weise zugeeignet wäre;
man muß schweigen und Dich gewähren lassen; wenn
es Gelegenheit giebt, Dich um etwas zu bitten, da mag
man seinen Dank mit einfließen lassen für das viele,
was unerwartet durch Deine reiche Liebe einem geschenkt
wird. Daß Du die Mutter pflegst, möchte ich Dir gern
auf's Herzlichste vergelten; -- von dorther kam mir der
Zugwind, und jetzt, weil ich Dich mit ihr zusammen
weiß, fühl' ich mich gesichert und warm.

Ich sage Dir nicht: "komm!" ich will nicht den
kleinen Vogel aus dem Neste gestört haben; aber der
Zufall würde mir nicht unwillkommen sein, der Sturm
und Gewitter benützte, um ihn glücklich unter mein Dach
zu bringen. Auf jeden Fall, liebste Bettine, bedenke,
daß Du auf dem Weg' bist, mich zu verwöhnen.

Goethe.

I. 7
An Bettine.


Was kann man Dir ſagen und geben, was Dir
nicht ſchon auf eine ſchönere Weiſe zugeeignet wäre;
man muß ſchweigen und Dich gewähren laſſen; wenn
es Gelegenheit giebt, Dich um etwas zu bitten, da mag
man ſeinen Dank mit einfließen laſſen für das viele,
was unerwartet durch Deine reiche Liebe einem geſchenkt
wird. Daß Du die Mutter pflegſt, möchte ich Dir gern
auf's Herzlichſte vergelten; — von dorther kam mir der
Zugwind, und jetzt, weil ich Dich mit ihr zuſammen
weiß, fühl' ich mich geſichert und warm.

Ich ſage Dir nicht: „komm!“ ich will nicht den
kleinen Vogel aus dem Neſte geſtört haben; aber der
Zufall würde mir nicht unwillkommen ſein, der Sturm
und Gewitter benützte, um ihn glücklich unter mein Dach
zu bringen. Auf jeden Fall, liebſte Bettine, bedenke,
daß Du auf dem Weg' biſt, mich zu verwöhnen.

Goethe.

I. 7
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0177" n="145"/>
        <div n="2">
          <opener>
            <salute>An Bettine.</salute><lb/>
            <dateline> <hi rendition="#et">Am 16. Juli 1807.</hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Was kann man Dir &#x017F;agen und geben, was Dir<lb/>
nicht &#x017F;chon auf eine &#x017F;chönere Wei&#x017F;e zugeeignet wäre;<lb/>
man muß &#x017F;chweigen und Dich gewähren la&#x017F;&#x017F;en; wenn<lb/>
es Gelegenheit giebt, Dich um etwas zu bitten, da mag<lb/>
man &#x017F;einen Dank mit einfließen la&#x017F;&#x017F;en für das viele,<lb/>
was unerwartet durch Deine reiche Liebe einem ge&#x017F;chenkt<lb/>
wird. Daß Du die Mutter pfleg&#x017F;t, möchte ich Dir gern<lb/>
auf's Herzlich&#x017F;te vergelten; &#x2014; von dorther kam mir der<lb/>
Zugwind, und jetzt, weil ich Dich mit ihr zu&#x017F;ammen<lb/>
weiß, fühl' ich mich ge&#x017F;ichert und warm.</p><lb/>
          <p>Ich &#x017F;age Dir nicht: &#x201E;komm!&#x201C; ich will nicht den<lb/>
kleinen Vogel aus dem Ne&#x017F;te ge&#x017F;tört haben; aber der<lb/>
Zufall würde mir nicht unwillkommen &#x017F;ein, der Sturm<lb/>
und Gewitter benützte, um ihn glücklich unter mein Dach<lb/>
zu bringen. Auf jeden Fall, lieb&#x017F;te Bettine, bedenke,<lb/>
daß Du auf dem Weg' bi&#x017F;t, mich zu verwöhnen.</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Goethe.</hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#aq">I.</hi> 7</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[145/0177] An Bettine. Am 16. Juli 1807. Was kann man Dir ſagen und geben, was Dir nicht ſchon auf eine ſchönere Weiſe zugeeignet wäre; man muß ſchweigen und Dich gewähren laſſen; wenn es Gelegenheit giebt, Dich um etwas zu bitten, da mag man ſeinen Dank mit einfließen laſſen für das viele, was unerwartet durch Deine reiche Liebe einem geſchenkt wird. Daß Du die Mutter pflegſt, möchte ich Dir gern auf's Herzlichſte vergelten; — von dorther kam mir der Zugwind, und jetzt, weil ich Dich mit ihr zuſammen weiß, fühl' ich mich geſichert und warm. Ich ſage Dir nicht: „komm!“ ich will nicht den kleinen Vogel aus dem Neſte geſtört haben; aber der Zufall würde mir nicht unwillkommen ſein, der Sturm und Gewitter benützte, um ihn glücklich unter mein Dach zu bringen. Auf jeden Fall, liebſte Bettine, bedenke, daß Du auf dem Weg' biſt, mich zu verwöhnen. Goethe. I. 7

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835/177
Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835/177>, abgerufen am 26.10.2020.