Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

sind treffliche einzelne Stellen drin, die in einem Plai-
doyer von Beaumarchais wohl hätten Platz finden kön-
nen. Leider ist das Ganze nicht rasch, kühn und lustig
genug geschrieben, wie es hätte sein müssen, um jenen
Humanitätssalbader vor der ganzen Welt ein- für alle-
mal lächerlich zu machen. Nun bitte ich aber noch um
die Judenstädtigkeit selbst, damit ich ja nicht zu bitten
und zu verlangen aufhöre.

Was Du mir von Molitor zu sagen gedenkst, wird
mir Freude machen; auch durch das Letzte was Du von
ihm schickst, wird er mir merkwürdig, besonders durch
das was er von der Pestalozzischen Methode sagt.

Lebe recht wohl! Hab' tausend Dank für die gute
Aufnahme des Sohns, und bleibe dem Vater günstig.

G.
An Goethe.

Die Städtigkeits- und Schutzordnung der Juden-
schaft wird hierbei von einer edlen Erscheinung beglei-
tet; nicht allein um Dir eine Freude zu machen, son-
dern weil dies Bild mir lieb ist, hab' ich's von der

Wand

ſind treffliche einzelne Stellen drin, die in einem Plai-
doyer von Beaumarchais wohl hätten Platz finden kön-
nen. Leider iſt das Ganze nicht raſch, kühn und luſtig
genug geſchrieben, wie es hätte ſein müſſen, um jenen
Humanitätsſalbader vor der ganzen Welt ein- für alle-
mal lächerlich zu machen. Nun bitte ich aber noch um
die Judenſtädtigkeit ſelbſt, damit ich ja nicht zu bitten
und zu verlangen aufhöre.

Was Du mir von Molitor zu ſagen gedenkſt, wird
mir Freude machen; auch durch das Letzte was Du von
ihm ſchickſt, wird er mir merkwürdig, beſonders durch
das was er von der Peſtalozziſchen Methode ſagt.

Lebe recht wohl! Hab' tauſend Dank für die gute
Aufnahme des Sohns, und bleibe dem Vater günſtig.

G.
An Goethe.

Die Städtigkeits- und Schutzordnung der Juden-
ſchaft wird hierbei von einer edlen Erſcheinung beglei-
tet; nicht allein um Dir eine Freude zu machen, ſon-
dern weil dies Bild mir lieb iſt, hab' ich's von der

Wand
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0248" n="216"/>
&#x017F;ind treffliche einzelne Stellen drin, die in einem Plai-<lb/>
doyer von Beaumarchais wohl hätten Platz finden kön-<lb/>
nen. Leider i&#x017F;t das Ganze nicht ra&#x017F;ch, kühn und lu&#x017F;tig<lb/>
genug ge&#x017F;chrieben, wie es hätte &#x017F;ein mü&#x017F;&#x017F;en, um jenen<lb/>
Humanitäts&#x017F;albader vor der ganzen Welt ein- für alle-<lb/>
mal lächerlich zu machen. Nun bitte ich aber noch um<lb/>
die Juden&#x017F;tädtigkeit &#x017F;elb&#x017F;t, damit ich ja nicht zu bitten<lb/>
und zu verlangen aufhöre.</p><lb/>
          <p>Was Du mir von Molitor zu &#x017F;agen gedenk&#x017F;t, wird<lb/>
mir Freude machen; auch durch das Letzte was Du von<lb/>
ihm &#x017F;chick&#x017F;t, wird er mir merkwürdig, be&#x017F;onders durch<lb/>
das was er von der Pe&#x017F;talozzi&#x017F;chen Methode &#x017F;agt.</p><lb/>
          <p>Lebe recht wohl! Hab' tau&#x017F;end Dank für die gute<lb/>
Aufnahme des Sohns, und bleibe dem Vater gün&#x017F;tig.</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">G.</hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <opener>
            <salute>An Goethe.</salute>
          </opener><lb/>
          <p>Die Städtigkeits- und Schutzordnung der Juden-<lb/>
&#x017F;chaft wird hierbei von einer edlen Er&#x017F;cheinung beglei-<lb/>
tet; nicht allein um Dir eine Freude zu machen, &#x017F;on-<lb/>
dern weil dies Bild mir lieb i&#x017F;t, hab' ich's von der<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Wand</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[216/0248] ſind treffliche einzelne Stellen drin, die in einem Plai- doyer von Beaumarchais wohl hätten Platz finden kön- nen. Leider iſt das Ganze nicht raſch, kühn und luſtig genug geſchrieben, wie es hätte ſein müſſen, um jenen Humanitätsſalbader vor der ganzen Welt ein- für alle- mal lächerlich zu machen. Nun bitte ich aber noch um die Judenſtädtigkeit ſelbſt, damit ich ja nicht zu bitten und zu verlangen aufhöre. Was Du mir von Molitor zu ſagen gedenkſt, wird mir Freude machen; auch durch das Letzte was Du von ihm ſchickſt, wird er mir merkwürdig, beſonders durch das was er von der Peſtalozziſchen Methode ſagt. Lebe recht wohl! Hab' tauſend Dank für die gute Aufnahme des Sohns, und bleibe dem Vater günſtig. G. An Goethe. Die Städtigkeits- und Schutzordnung der Juden- ſchaft wird hierbei von einer edlen Erſcheinung beglei- tet; nicht allein um Dir eine Freude zu machen, ſon- dern weil dies Bild mir lieb iſt, hab' ich's von der Wand

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835/248
Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 1. Berlin, 1835, S. 216. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe01_1835/248>, abgerufen am 14.08.2020.