Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnold, Gottfried: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Bd. 2 (T. 3/4). Frankfurt (Main), 1700.

Bild:
<< vorherige Seite

Th. III. C. III. Von dem Auctore des Hertzensspiegels
[Spaltenumbruch] Jahr
MDC.
biß
MDCC
"deinen irrdischen lüsten der eigenschafft
"zu leben. Wilst du aber in GOtt le-
"ben/ |so suche das leben/ durch den tod
"der verläugnung alles fleisches/ in der
"freyen einwesigkeit GOttes/ die das
"vollkommne leben ist: Und so du des-
"selben begehrst theilhafftig zu werden/
"so must du dich selbst in deinem erweh-
"lenden leben (das du ausser GOtt in
"deiner eigenschafft/ wider die freye
"gerechtigkeit GOTTes angenommen
"hast) verläugnen/ und mein leben
"durch den tod in dir suchen. Welches
"du noch nie gethan hast. Dann du
"hast dich/ in deiner erwehlenden ge-
"rechtigkeit mit allem deinem lauffen
"und rennen noch niemals zu dem unge-
"eigneten GOtt in seinem wesen bekeh-
"ret/ um in ihm zu leben/ und seine
"gerechtigkeit zu erfüllen.

"18. Als meine seele das aus der Gerechtig-
"GOttes hörete/ erschrack sie und sagte: O
"gerechter GOtt ich darff zu dir nicht
"kommen/ weil du so gerecht bist: Und
"ich so ungerecht bin: Darumich dein an-
"gesicht nicht vertragen kan.

"Und als meine seele im schrecken und furcht
"des todeslag/ und nichts dann tod und ver-
"dammniß fühlete/ da kam der Christliche gnä-
"dige/ einsprechende geist sehr tröstlich und lieb-
"lich zu meiner seele/ und sprach: Sey nicht
"so sehr erschrocken! ich komme mit gna-
"den zu dir meine güte dir zu verkün-
"digen/ und nicht meine gerechtigkeit/
"auff daß du vor erst eine hoffnung des
"glaubensin deiner todten betrübten seele
"mögst empfangen: Um durch mein le-
"ben von dem verdammlichen tode erlöst
"zu werden. Und so du die hoffnung im
"Christlichen glauben annimmst/ so
"wird sie in dir fruchtbar werden/ und die
"Göttliche krafft in dir gebären/ um aus
"dem tode ins leben zukommen: Und un-
"ter der gehorsamen verläugnung dein
"selbst (das ist: Aus der eigenschafft nach
"dem fleische biß in die freyheit GOttes
"im geiste:) und in dieser freyheit GOt-
"tes wirst du das leben in GOtt begin-
"nen zusehen/ und auch fühlen.

"Und als meine seele das hörte und fühlte/
"bekam sie erst einen lust und liebe zur güte
"GOttes/ um sich selbsten/ durch die krafft der
"hoffnung und des glaubens/ zu verläugnen in
"ihrer eigenschafft/ und gedachte: O GOtt/
"ist noch gnade für mich/ um aus demto-
"de ins leben zu kommen/ so bringe und
"ergebe ich alle die liebe und lust/ die ich je-
"mals in meiner eigenschafft zu fleisch
"und blut gehabt habe/ in dein heilig
"freyes wesen.

"19. Und durch die liebe und lust zu GOtt/
"verließ ich/ mit der zeit/ alle die eigenbildliche
"erwehlende heiligkeiten/ denen ich für götter
"in meiner eigenschafft gedienet. Und über
"feld (ausser mir) in blindheit nachgeloffen
"war. Und sprach: O gnädiger GOtt/
"ich lege mich zu deinen füssen nieder/ und
"will mit meinen ohren des hertzens allein
"nach deiner stimme des geistes hören/
"was die in meiner seele reden wird/ um
"darnach/ o HErr/ in deiner gerechtig-
"keit gehorsamlich zu leben: Und nicht
[Spaltenumbruch] mehr meiner vernünfftigen bildlichen"
Jahr
MDC.
biß
MDCC

irrdischen gerechtigkeit zu dienen/ um"
darinnen nach meinem luste zu leben."

Und als ich mich also erniedrigte oder ver-"
demüthigte unter die gehorsamkeit des Gött-"
lichen wesens/ da schloß die Gottheit ihren"
himmel auff/ und machte meine seele ihres"
heiligen wesens/ in der zeit der jugend (kind-"
heit) theilhafftig: und nahm alle die irrdische"
lüste meines lebens zu sich/ und brachte sie in"
ihr himmlisch wesen: Und ließ mich allda ihr"
unendlich vollkommen ewig wesen sehen darin-"
nen ich mich selber mit allen meinen getheilthei-"
ten verlohre. Und wuste in langer zeit nicht/"
wo ich wäre: Gleich als ob ich aus einer pein-"
lichen kranckheit/ in einem süssen schlaffe gele-"
gen wäre."

19. Als ich nun wieder zu mir selber kam/"
sahe ich rund umher nach meiner getheil-"
ten gesellschafft
(nemlich meinen getheil-"
ten sinnen und verscheidnen irdischen"
lüsten/
) die ich vorhin bey mir zuhaben pfle-"
gen: Und ich sahe niemanden/ dann GOttes"
ewig-vollkommenes wesen allein/ das mei-"
ne seele hegriffen hatte."

Sehet! da dachte ich: wo sind alle meine"
vorige lüste und begierde bliebene Und so"
bald ich darauf gedachte/ fande ich sie bey"
mir im heiligen wesen GOttes/ GOtt dan-"
cken und loben."

Und von der zeit an wurde die lehre Chri-"
sti und die Göttliche einsprache in meiner see-"
len wesentlich bekräfftiget/ um zu thun das je-"
nige/ das er durch den geist seines wesens zu"Rom. 6.
mir sagte. Nemlich/ gleich wie du vormals"
deine glieder zum dienste des fleisches eigen-"
thum begeben hast: also begib sie nun zum"
dienste des heiligen freyen wesens GOttes"
welches mir eine lust zu hören war."

Darum ich von der zeit an/ durch GOt-"
tes gnade/ im wesen Christi mag sagen:"
Daß gleichwie ich vorher alle meine sinne/"
lüsten und begierden zu meiner eigenschafft"
im fleische/ so wol in vermeinter heiligkeit/"
als anderer gestalt begeben/ und zum irdi-"
schen wesen gebraucht hatte/ ich hernach al-"
len meinen lust und willen zum dienste des"
heiligen vollkommenen wesens GOttes be-"
geben/ um dasselbe im leben Christi zu bezeu-"
gen. Dann ich befunde alsbald wircklich/"
daß GOttes gnade (der Christus GOt-"
tes)
meine seele aus dem vertheilten tode auf-"
name/ und in sein einwesig vollkommen we-"
sen brachte: und das im leben seiner gnade."

20. Und in diesem wesentlichen leben hiel-"
te der einsprechende geist sein urtheil (sonder"
meine seele mehr zu verdammen) in mir in-"
nen/ und sprach/ nicht mehr in der getheilt-"
heit oder in verborgenheit
zu meiner see-"
le/ sondern sein wesentliches anschauen"
war mir gegenwärtig im lichte des lebens."

Nachdem nun das wesentliche vollkom-"
mene leben Christi in meiner seelen eine zeit"
der tage alt worden war/ und in der männ-"
lichkeit Christi betagt wurde/ und das irdi-"
sche leben in meiner seelen überwandt und"
austriebe/ so ist dasselbe Christliche leben fröh-"
lich gewesen/ und hat seine sprößlinge oder"
zweige zur fruchtbarkeit müssen hervor brin-"
gen: und das im himmel und auf erden/"
so weit das leben GOttes seine krafft hatte."

Und

Th. III. C. III. Von dem Auctore des Hertzensſpiegels
[Spaltenumbruch] Jahr
MDC.
biß
MDCC
„deinen irꝛdiſchen luͤſten der eigenſchafft
„zu leben. Wilſt du aber in GOtt le-
„ben/ |ſo ſuche das leben/ durch den tod
„der verlaͤugnung alles fleiſches/ in der
„freyen einweſigkeit GOttes/ die das
„vollkommne leben iſt: Und ſo du deſ-
„ſelben begehrſt theilhafftig zu werden/
„ſo muſt du dich ſelbſt in deinem erweh-
„lenden leben (das du auſſer GOtt in
„deiner eigenſchafft/ wider die freye
„gerechtigkeit GOTTes angenommen
„haſt) verlaͤugnen/ und mein leben
„durch den tod in dir ſuchen. Welches
„du noch nie gethan haſt. Dann du
„haſt dich/ in deiner erwehlenden ge-
„rechtigkeit mit allem deinem lauffen
„und rennen noch niemals zu dem unge-
„eigneten GOtt in ſeinem weſen bekeh-
„ret/ um in ihm zu leben/ und ſeine
„gerechtigkeit zu erfuͤllen.

„18. Als meine ſeele das aus der Gerechtig-
„GOttes hoͤrete/ erſchrack ſie und ſagte: O
„gerechter GOtt ich darff zu dir nicht
„kommen/ weil du ſo gerecht biſt: Und
„ich ſo ungerecht bin: Darumich dein an-
„geſicht nicht vertragen kan.

„Und als meine ſeele im ſchrecken und furcht
„des todeslag/ und nichts dann tod und ver-
„dammniß fuͤhlete/ da kam der Chriſtliche gnaͤ-
„dige/ einſprechende geiſt ſehr troͤſtlich und lieb-
„lich zu meiner ſeele/ und ſprach: Sey nicht
„ſo ſehr erſchrocken! ich komme mit gna-
„den zu dir meine guͤte dir zu verkuͤn-
„digen/ und nicht meine gerechtigkeit/
„auff daß du vor erſt eine hoffnung des
„glaubensin deiner todten betruͤbten ſeele
„moͤgſt empfangen: Um durch mein le-
„ben von dem verdammlichen tode erloͤſt
„zu werden. Und ſo du die hoffnung im
„Chriſtlichen glauben annimmſt/ ſo
„wird ſie in dir fruchtbar werden/ und die
„Goͤttliche krafft in dir gebaͤren/ um aus
„dem tode ins leben zukommen: Und un-
„ter der gehorſamen verlaͤugnung dein
„ſelbſt (das iſt: Aus der eigenſchafft nach
„dem fleiſche biß in die freyheit GOttes
„im geiſte:) und in dieſer freyheit GOt-
„tes wirſt du das leben in GOtt begin-
„nen zuſehen/ und auch fuͤhlen.

„Und als meine ſeele das hoͤrte und fuͤhlte/
„bekam ſie erſt einen luſt und liebe zur guͤte
„GOttes/ um ſich ſelbſten/ durch die krafft der
„hoffnung und des glaubens/ zu verlaͤugnen in
„ihrer eigenſchafft/ und gedachte: O GOtt/
„iſt noch gnade fuͤr mich/ um aus demto-
„de ins leben zu kommen/ ſo bringe und
„ergebe ich alle die liebe und luſt/ die ich je-
„mals in meiner eigenſchafft zu fleiſch
„und blut gehabt habe/ in dein heilig
„freyes weſen.

„19. Und durch die liebe und luſt zu GOtt/
„verließ ich/ mit der zeit/ alle die eigenbildliche
„erwehlende heiligkeiten/ denen ich fuͤr goͤtter
„in meiner eigenſchafft gedienet. Und uͤber
„feld (auſſer mir) in blindheit nachgeloffen
„war. Und ſprach: O gnaͤdiger GOtt/
„ich lege mich zu deinen fuͤſſen nieder/ und
„will mit meinen ohꝛen des heꝛtzens allein
„nach deiner ſtimme des geiſtes hoͤren/
„was die in meiner ſeele reden wird/ um
„darnach/ o HErr/ in deiner gerechtig-
„keit gehorſamlich zu leben: Und nicht
[Spaltenumbruch] mehr meiner vernuͤnfftigen bildlichen„
Jahr
MDC.
biß
MDCC

irrdiſchen gerechtigkeit zu dienen/ um“
darinnen nach meinem luſte zu leben.„

Und als ich mich alſo erniedrigte oder ver-“
demuͤthigte unter die gehorſamkeit des Goͤtt-“
lichen weſens/ da ſchloß die Gottheit ihren“
himmel auff/ und machte meine ſeele ihres“
heiligen weſens/ in der zeit der jugend (kind-“
heit) theilhafftig: und nahm alle die irꝛdiſche“
luͤſte meines lebens zu ſich/ und brachte ſie in“
ihr himmliſch weſen: Und ließ mich allda ihr“
unendlich vollkommen ewig weſen ſehen darin-“
nen ich mich ſelber mit allen meinen getheilthei-“
ten verlohre. Und wuſte in langer zeit nicht/“
wo ich waͤre: Gleich als ob ich aus einer pein-“
lichen kranckheit/ in einem ſuͤſſen ſchlaffe gele-“
gen waͤre.„

19. Als ich nun wieder zu mir ſelber kam/“
ſahe ich rund umher nach meiner getheil-“
ten geſellſchafft
(nemlich meinen getheil-“
ten ſinnen und verſcheidnen irdiſchen“
luͤſten/
) die ich vorhin bey mir zuhaben pfle-“
gen: Und ich ſahe niemanden/ dann GOttes“
ewig-vollkommenes weſen allein/ das mei-“
ne ſeele hegriffen hatte.„

Sehet! da dachte ich: wo ſind alle meine“
vorige luͤſte und begierde bliebene Und ſo“
bald ich darauf gedachte/ fande ich ſie bey“
mir im heiligen weſen GOttes/ GOtt dan-“
cken und loben.„

Und von der zeit an wurde die lehre Chri-“
ſti und die Goͤttliche einſprache in meiner ſee-“
len weſentlich bekraͤfftiget/ um zu thun das je-“
nige/ das er durch den geiſt ſeines weſens zu„Rom. 6.
mir ſagte. Nemlich/ gleich wie du vormals“
deine glieder zum dienſte des fleiſches eigen-“
thum begeben haſt: alſo begib ſie nun zum“
dienſte des heiligen freyen weſens GOttes“
welches mir eine luſt zu hoͤren war.„

Darum ich von der zeit an/ durch GOt-“
tes gnade/ im weſen Chriſti mag ſagen:“
Daß gleichwie ich vorher alle meine ſinne/“
luͤſten und begierden zu meiner eigenſchafft“
im fleiſche/ ſo wol in vermeinter heiligkeit/“
als anderer geſtalt begeben/ und zum irdi-“
ſchen weſen gebraucht hatte/ ich hernach al-“
len meinen luſt und willen zum dienſte des“
heiligen vollkommenen weſens GOttes be-“
geben/ um daſſelbe im leben Chriſti zu bezeu-“
gen. Dann ich befunde alsbald wircklich/“
daß GOttes gnade (der Chriſtus GOt-“
tes)
meine ſeele aus dem vertheilten tode auf-“
name/ und in ſein einweſig vollkommen we-“
ſen brachte: und das im leben ſeiner gnade.„

20. Und in dieſem weſentlichen leben hiel-“
te der einſprechende geiſt ſein urtheil (ſonder“
meine ſeele mehr zu verdammen) in mir in-“
nen/ und ſprach/ nicht mehr in der getheilt-“
heit oder in verborgenheit
zu meiner ſee-“
le/ ſondern ſein weſentliches anſchauen
war mir gegenwaͤrtig im lichte des lebens.„

Nachdem nun das weſentliche vollkom-“
mene leben Chriſti in meiner ſeelen eine zeit“
der tage alt worden war/ und in der maͤnn-“
lichkeit Chriſti betagt wurde/ und das irdi-“
ſche leben in meiner ſeelen uͤberwandt und“
austriebe/ ſo iſt daſſelbe Chriſtliche leben froͤh-“
lich geweſen/ und hat ſeine ſproͤßlinge oder“
zweige zur fruchtbarkeit muͤſſen hervor brin-“
gen: und das im himmel und auf erden/“
ſo weit das leben GOttes ſeine krafft hatte.„

Und
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p>
            <pb facs="#f0038" n="26"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Th. <hi rendition="#aq">III.</hi> C. <hi rendition="#aq">III.</hi> Von dem <hi rendition="#aq">Auctore</hi> des Hertzens&#x017F;piegels</hi> </fw><lb/>
            <cb/>
            <note place="left">Jahr<lb/><hi rendition="#aq">MDC.</hi><lb/>
biß<lb/><hi rendition="#aq">MDCC</hi></note> <hi rendition="#fr">&#x201E;deinen ir&#xA75B;di&#x017F;chen lu&#x0364;&#x017F;ten der eigen&#x017F;chafft<lb/>
&#x201E;zu leben. Wil&#x017F;t du aber in GOtt le-<lb/>
&#x201E;ben/ |&#x017F;o &#x017F;uche das leben/ durch den tod<lb/>
&#x201E;der verla&#x0364;ugnung alles flei&#x017F;ches/ in der<lb/>
&#x201E;freyen einwe&#x017F;igkeit GOttes/ die das<lb/>
&#x201E;vollkommne leben i&#x017F;t: Und &#x017F;o du de&#x017F;-<lb/>
&#x201E;&#x017F;elben begehr&#x017F;t theilhafftig zu werden/<lb/>
&#x201E;&#x017F;o mu&#x017F;t du dich &#x017F;elb&#x017F;t in deinem erweh-<lb/>
&#x201E;lenden leben (das du au&#x017F;&#x017F;er GOtt in<lb/>
&#x201E;deiner eigen&#x017F;chafft/ wider die freye<lb/>
&#x201E;gerechtigkeit GOTTes angenommen<lb/>
&#x201E;ha&#x017F;t) verla&#x0364;ugnen/ und mein leben<lb/>
&#x201E;durch den tod in dir &#x017F;uchen. Welches<lb/>
&#x201E;du noch nie gethan ha&#x017F;t. Dann du<lb/>
&#x201E;ha&#x017F;t dich/ in deiner erwehlenden ge-<lb/>
&#x201E;rechtigkeit mit allem deinem lauffen<lb/>
&#x201E;und rennen noch niemals zu dem unge-<lb/>
&#x201E;eigneten GOtt in &#x017F;einem we&#x017F;en bekeh-<lb/>
&#x201E;ret/ um in ihm zu leben/ und &#x017F;eine<lb/>
&#x201E;gerechtigkeit zu erfu&#x0364;llen.</hi> </p><lb/>
          <p>&#x201E;18. Als meine &#x017F;eele das aus der Gerechtig-<lb/>
&#x201E;GOttes ho&#x0364;rete/ er&#x017F;chrack &#x017F;ie und &#x017F;agte: <hi rendition="#fr">O<lb/>
&#x201E;gerechter GOtt ich darff zu dir nicht<lb/>
&#x201E;kommen/ weil du &#x017F;o gerecht bi&#x017F;t: Und<lb/>
&#x201E;ich &#x017F;o ungerecht bin: Darumich dein an-<lb/>
&#x201E;ge&#x017F;icht nicht vertragen kan.</hi></p><lb/>
          <p>&#x201E;Und als meine &#x017F;eele im &#x017F;chrecken und furcht<lb/>
&#x201E;des todeslag/ und nichts dann tod und ver-<lb/>
&#x201E;dammniß fu&#x0364;hlete/ da kam der Chri&#x017F;tliche gna&#x0364;-<lb/>
&#x201E;dige/ ein&#x017F;prechende gei&#x017F;t &#x017F;ehr tro&#x0364;&#x017F;tlich und lieb-<lb/>
&#x201E;lich zu meiner &#x017F;eele/ und &#x017F;prach: <hi rendition="#fr">Sey nicht<lb/>
&#x201E;&#x017F;o &#x017F;ehr er&#x017F;chrocken! ich komme mit gna-<lb/>
&#x201E;den zu dir meine gu&#x0364;te dir zu verku&#x0364;n-<lb/>
&#x201E;digen/ und nicht meine gerechtigkeit/<lb/>
&#x201E;auff daß du vor er&#x017F;t eine hoffnung des<lb/>
&#x201E;glaubensin deiner todten betru&#x0364;bten &#x017F;eele<lb/>
&#x201E;mo&#x0364;g&#x017F;t empfangen: Um durch mein le-<lb/>
&#x201E;ben von dem verdammlichen tode erlo&#x0364;&#x017F;t<lb/>
&#x201E;zu werden. Und &#x017F;o du die hoffnung im<lb/>
&#x201E;Chri&#x017F;tlichen glauben annimm&#x017F;t/ &#x017F;o<lb/>
&#x201E;wird &#x017F;ie in dir fruchtbar werden/ und die<lb/>
&#x201E;Go&#x0364;ttliche krafft in dir geba&#x0364;ren/ um aus<lb/>
&#x201E;dem tode ins leben zukommen: Und un-<lb/>
&#x201E;ter der gehor&#x017F;amen verla&#x0364;ugnung dein<lb/>
&#x201E;&#x017F;elb&#x017F;t (das i&#x017F;t: Aus der eigen&#x017F;chafft nach<lb/>
&#x201E;dem flei&#x017F;che biß in die freyheit GOttes<lb/>
&#x201E;im gei&#x017F;te:) und in die&#x017F;er freyheit GOt-<lb/>
&#x201E;tes wir&#x017F;t du das leben in GOtt begin-<lb/>
&#x201E;nen zu&#x017F;ehen/ und auch fu&#x0364;hlen.</hi></p><lb/>
          <p>&#x201E;Und als meine &#x017F;eele das ho&#x0364;rte und fu&#x0364;hlte/<lb/>
&#x201E;bekam &#x017F;ie er&#x017F;t einen lu&#x017F;t und liebe zur gu&#x0364;te<lb/>
&#x201E;GOttes/ um &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;ten/ durch die krafft der<lb/>
&#x201E;hoffnung und des glaubens/ zu verla&#x0364;ugnen in<lb/>
&#x201E;ihrer eigen&#x017F;chafft/ und gedachte: <hi rendition="#fr">O GOtt/<lb/>
&#x201E;i&#x017F;t noch gnade fu&#x0364;r mich/ um aus demto-<lb/>
&#x201E;de ins leben zu kommen/ &#x017F;o bringe und<lb/>
&#x201E;ergebe ich alle die liebe und lu&#x017F;t/ die ich je-<lb/>
&#x201E;mals in meiner eigen&#x017F;chafft zu flei&#x017F;ch<lb/>
&#x201E;und blut gehabt habe/ in dein heilig<lb/>
&#x201E;freyes we&#x017F;en.</hi></p><lb/>
          <p>&#x201E;19. Und durch die liebe und lu&#x017F;t zu GOtt/<lb/>
&#x201E;verließ ich/ mit der zeit/ alle die eigenbildliche<lb/>
&#x201E;erwehlende heiligkeiten/ denen ich fu&#x0364;r go&#x0364;tter<lb/>
&#x201E;in meiner eigen&#x017F;chafft gedienet. Und u&#x0364;ber<lb/>
&#x201E;feld (au&#x017F;&#x017F;er mir) in blindheit nachgeloffen<lb/>
&#x201E;war. Und &#x017F;prach: <hi rendition="#fr">O gna&#x0364;diger GOtt/<lb/>
&#x201E;ich lege mich zu deinen fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en nieder/ und<lb/>
&#x201E;will mit meinen oh&#xA75B;en des he&#xA75B;tzens allein<lb/>
&#x201E;nach deiner &#x017F;timme des gei&#x017F;tes ho&#x0364;ren/<lb/>
&#x201E;was die in meiner &#x017F;eele reden wird/ um<lb/>
&#x201E;darnach/ o HErr/ in deiner gerechtig-<lb/>
&#x201E;keit gehor&#x017F;amlich zu leben: Und nicht<lb/><cb/>
mehr meiner vernu&#x0364;nfftigen bildlichen&#x201E;</hi><note place="right">Jahr<lb/><hi rendition="#aq">MDC.</hi><lb/>
biß<lb/><hi rendition="#aq">MDCC</hi></note><lb/><hi rendition="#fr">irrdi&#x017F;chen gerechtigkeit zu dienen/ um&#x201C;<lb/>
darinnen nach meinem lu&#x017F;te zu leben.&#x201E;</hi></p><lb/>
          <p>Und als ich mich al&#x017F;o erniedrigte oder ver-&#x201C;<lb/>
demu&#x0364;thigte unter die gehor&#x017F;amkeit des Go&#x0364;tt-&#x201C;<lb/>
lichen we&#x017F;ens/ da &#x017F;chloß die Gottheit ihren&#x201C;<lb/>
himmel auff/ und machte meine &#x017F;eele ihres&#x201C;<lb/>
heiligen we&#x017F;ens/ in der zeit der jugend (kind-&#x201C;<lb/>
heit) theilhafftig: und nahm alle die ir&#xA75B;di&#x017F;che&#x201C;<lb/>
lu&#x0364;&#x017F;te meines lebens zu &#x017F;ich/ und brachte &#x017F;ie in&#x201C;<lb/>
ihr himmli&#x017F;ch we&#x017F;en: Und ließ mich allda ihr&#x201C;<lb/>
unendlich vollkommen ewig we&#x017F;en &#x017F;ehen darin-&#x201C;<lb/>
nen ich mich &#x017F;elber mit allen meinen getheilthei-&#x201C;<lb/>
ten verlohre. Und wu&#x017F;te in langer zeit nicht/&#x201C;<lb/>
wo ich wa&#x0364;re: Gleich als ob ich aus einer pein-&#x201C;<lb/>
lichen kranckheit/ in einem &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;chlaffe gele-&#x201C;<lb/>
gen wa&#x0364;re.&#x201E;</p><lb/>
          <p>19. Als ich nun wieder zu mir &#x017F;elber kam/&#x201C;<lb/>
&#x017F;ahe ich rund umher nach meiner <hi rendition="#fr">getheil-&#x201C;<lb/>
ten ge&#x017F;ell&#x017F;chafft</hi> (nemlich <hi rendition="#fr">meinen getheil-&#x201C;<lb/>
ten &#x017F;innen und ver&#x017F;cheidnen irdi&#x017F;chen&#x201C;<lb/>
lu&#x0364;&#x017F;ten/</hi>) die ich vorhin bey mir zuhaben pfle-&#x201C;<lb/>
gen: Und ich &#x017F;ahe niemanden/ dann GOttes&#x201C;<lb/>
ewig-vollkommenes we&#x017F;en allein/ das mei-&#x201C;<lb/>
ne &#x017F;eele hegriffen hatte.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Sehet! da dachte ich: wo &#x017F;ind alle meine&#x201C;<lb/>
vorige lu&#x0364;&#x017F;te und begierde bliebene Und &#x017F;o&#x201C;<lb/>
bald ich darauf gedachte/ fande ich &#x017F;ie bey&#x201C;<lb/>
mir im heiligen we&#x017F;en GOttes/ GOtt dan-&#x201C;<lb/>
cken und loben.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Und von der zeit an wurde die lehre Chri-&#x201C;<lb/>
&#x017F;ti und die Go&#x0364;ttliche ein&#x017F;prache in meiner &#x017F;ee-&#x201C;<lb/>
len we&#x017F;entlich bekra&#x0364;fftiget/ um zu thun das je-&#x201C;<lb/>
nige/ das er durch den gei&#x017F;t &#x017F;eines we&#x017F;ens zu&#x201E;<note place="right">Rom. 6.</note><lb/>
mir &#x017F;agte. Nemlich/ gleich wie du vormals&#x201C;<lb/>
deine glieder zum dien&#x017F;te des flei&#x017F;ches eigen-&#x201C;<lb/>
thum begeben ha&#x017F;t: al&#x017F;o begib &#x017F;ie nun zum&#x201C;<lb/>
dien&#x017F;te des heiligen freyen we&#x017F;ens GOttes&#x201C;<lb/>
welches mir eine lu&#x017F;t zu ho&#x0364;ren war.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Darum ich von der zeit an/ durch GOt-&#x201C;<lb/>
tes gnade/ im we&#x017F;en Chri&#x017F;ti mag &#x017F;agen:&#x201C;<lb/>
Daß gleichwie ich vorher alle meine &#x017F;inne/&#x201C;<lb/>
lu&#x0364;&#x017F;ten und begierden zu meiner eigen&#x017F;chafft&#x201C;<lb/>
im flei&#x017F;che/ &#x017F;o wol in vermeinter heiligkeit/&#x201C;<lb/>
als anderer ge&#x017F;talt begeben/ und zum irdi-&#x201C;<lb/>
&#x017F;chen we&#x017F;en gebraucht hatte/ ich hernach al-&#x201C;<lb/>
len meinen lu&#x017F;t und willen zum dien&#x017F;te des&#x201C;<lb/>
heiligen vollkommenen we&#x017F;ens GOttes be-&#x201C;<lb/>
geben/ um da&#x017F;&#x017F;elbe im leben Chri&#x017F;ti zu bezeu-&#x201C;<lb/>
gen. Dann ich befunde alsbald wircklich/&#x201C;<lb/>
daß <hi rendition="#fr">GOttes gnade (der Chri&#x017F;tus GOt-&#x201C;<lb/>
tes)</hi> meine &#x017F;eele aus dem vertheilten tode auf-&#x201C;<lb/>
name/ und in &#x017F;ein einwe&#x017F;ig vollkommen we-&#x201C;<lb/>
&#x017F;en brachte: und das im leben &#x017F;einer gnade.&#x201E;</p><lb/>
          <p>20. Und in die&#x017F;em we&#x017F;entlichen leben hiel-&#x201C;<lb/>
te der ein&#x017F;prechende gei&#x017F;t &#x017F;ein urtheil (&#x017F;onder&#x201C;<lb/>
meine &#x017F;eele mehr zu verdammen) in mir in-&#x201C;<lb/>
nen/ und &#x017F;prach/ <hi rendition="#fr">nicht mehr in der getheilt-&#x201C;<lb/>
heit oder in verborgenheit</hi> zu meiner &#x017F;ee-&#x201C;<lb/>
le/ &#x017F;ondern &#x017F;ein <hi rendition="#fr">we&#x017F;entliches an&#x017F;chauen</hi>&#x201C;<lb/>
war mir gegenwa&#x0364;rtig im lichte des lebens.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Nachdem nun das we&#x017F;entliche vollkom-&#x201C;<lb/>
mene leben Chri&#x017F;ti in meiner &#x017F;eelen eine zeit&#x201C;<lb/>
der tage alt worden war/ und in der ma&#x0364;nn-&#x201C;<lb/>
lichkeit Chri&#x017F;ti betagt wurde/ und das irdi-&#x201C;<lb/>
&#x017F;che leben in meiner &#x017F;eelen u&#x0364;berwandt und&#x201C;<lb/>
austriebe/ &#x017F;o i&#x017F;t da&#x017F;&#x017F;elbe Chri&#x017F;tliche leben fro&#x0364;h-&#x201C;<lb/>
lich gewe&#x017F;en/ und hat &#x017F;eine &#x017F;pro&#x0364;ßlinge oder&#x201C;<lb/>
zweige zur fruchtbarkeit mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en hervor brin-&#x201C;<lb/>
gen: und das im himmel und auf erden/&#x201C;<lb/>
&#x017F;o weit das leben GOttes &#x017F;eine krafft hatte.&#x201E;</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Und</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[26/0038] Th. III. C. III. Von dem Auctore des Hertzensſpiegels „deinen irꝛdiſchen luͤſten der eigenſchafft „zu leben. Wilſt du aber in GOtt le- „ben/ |ſo ſuche das leben/ durch den tod „der verlaͤugnung alles fleiſches/ in der „freyen einweſigkeit GOttes/ die das „vollkommne leben iſt: Und ſo du deſ- „ſelben begehrſt theilhafftig zu werden/ „ſo muſt du dich ſelbſt in deinem erweh- „lenden leben (das du auſſer GOtt in „deiner eigenſchafft/ wider die freye „gerechtigkeit GOTTes angenommen „haſt) verlaͤugnen/ und mein leben „durch den tod in dir ſuchen. Welches „du noch nie gethan haſt. Dann du „haſt dich/ in deiner erwehlenden ge- „rechtigkeit mit allem deinem lauffen „und rennen noch niemals zu dem unge- „eigneten GOtt in ſeinem weſen bekeh- „ret/ um in ihm zu leben/ und ſeine „gerechtigkeit zu erfuͤllen. Jahr MDC. biß MDCC „18. Als meine ſeele das aus der Gerechtig- „GOttes hoͤrete/ erſchrack ſie und ſagte: O „gerechter GOtt ich darff zu dir nicht „kommen/ weil du ſo gerecht biſt: Und „ich ſo ungerecht bin: Darumich dein an- „geſicht nicht vertragen kan. „Und als meine ſeele im ſchrecken und furcht „des todeslag/ und nichts dann tod und ver- „dammniß fuͤhlete/ da kam der Chriſtliche gnaͤ- „dige/ einſprechende geiſt ſehr troͤſtlich und lieb- „lich zu meiner ſeele/ und ſprach: Sey nicht „ſo ſehr erſchrocken! ich komme mit gna- „den zu dir meine guͤte dir zu verkuͤn- „digen/ und nicht meine gerechtigkeit/ „auff daß du vor erſt eine hoffnung des „glaubensin deiner todten betruͤbten ſeele „moͤgſt empfangen: Um durch mein le- „ben von dem verdammlichen tode erloͤſt „zu werden. Und ſo du die hoffnung im „Chriſtlichen glauben annimmſt/ ſo „wird ſie in dir fruchtbar werden/ und die „Goͤttliche krafft in dir gebaͤren/ um aus „dem tode ins leben zukommen: Und un- „ter der gehorſamen verlaͤugnung dein „ſelbſt (das iſt: Aus der eigenſchafft nach „dem fleiſche biß in die freyheit GOttes „im geiſte:) und in dieſer freyheit GOt- „tes wirſt du das leben in GOtt begin- „nen zuſehen/ und auch fuͤhlen. „Und als meine ſeele das hoͤrte und fuͤhlte/ „bekam ſie erſt einen luſt und liebe zur guͤte „GOttes/ um ſich ſelbſten/ durch die krafft der „hoffnung und des glaubens/ zu verlaͤugnen in „ihrer eigenſchafft/ und gedachte: O GOtt/ „iſt noch gnade fuͤr mich/ um aus demto- „de ins leben zu kommen/ ſo bringe und „ergebe ich alle die liebe und luſt/ die ich je- „mals in meiner eigenſchafft zu fleiſch „und blut gehabt habe/ in dein heilig „freyes weſen. „19. Und durch die liebe und luſt zu GOtt/ „verließ ich/ mit der zeit/ alle die eigenbildliche „erwehlende heiligkeiten/ denen ich fuͤr goͤtter „in meiner eigenſchafft gedienet. Und uͤber „feld (auſſer mir) in blindheit nachgeloffen „war. Und ſprach: O gnaͤdiger GOtt/ „ich lege mich zu deinen fuͤſſen nieder/ und „will mit meinen ohꝛen des heꝛtzens allein „nach deiner ſtimme des geiſtes hoͤren/ „was die in meiner ſeele reden wird/ um „darnach/ o HErr/ in deiner gerechtig- „keit gehorſamlich zu leben: Und nicht mehr meiner vernuͤnfftigen bildlichen„ irrdiſchen gerechtigkeit zu dienen/ um“ darinnen nach meinem luſte zu leben.„ Jahr MDC. biß MDCC Und als ich mich alſo erniedrigte oder ver-“ demuͤthigte unter die gehorſamkeit des Goͤtt-“ lichen weſens/ da ſchloß die Gottheit ihren“ himmel auff/ und machte meine ſeele ihres“ heiligen weſens/ in der zeit der jugend (kind-“ heit) theilhafftig: und nahm alle die irꝛdiſche“ luͤſte meines lebens zu ſich/ und brachte ſie in“ ihr himmliſch weſen: Und ließ mich allda ihr“ unendlich vollkommen ewig weſen ſehen darin-“ nen ich mich ſelber mit allen meinen getheilthei-“ ten verlohre. Und wuſte in langer zeit nicht/“ wo ich waͤre: Gleich als ob ich aus einer pein-“ lichen kranckheit/ in einem ſuͤſſen ſchlaffe gele-“ gen waͤre.„ 19. Als ich nun wieder zu mir ſelber kam/“ ſahe ich rund umher nach meiner getheil-“ ten geſellſchafft (nemlich meinen getheil-“ ten ſinnen und verſcheidnen irdiſchen“ luͤſten/) die ich vorhin bey mir zuhaben pfle-“ gen: Und ich ſahe niemanden/ dann GOttes“ ewig-vollkommenes weſen allein/ das mei-“ ne ſeele hegriffen hatte.„ Sehet! da dachte ich: wo ſind alle meine“ vorige luͤſte und begierde bliebene Und ſo“ bald ich darauf gedachte/ fande ich ſie bey“ mir im heiligen weſen GOttes/ GOtt dan-“ cken und loben.„ Und von der zeit an wurde die lehre Chri-“ ſti und die Goͤttliche einſprache in meiner ſee-“ len weſentlich bekraͤfftiget/ um zu thun das je-“ nige/ das er durch den geiſt ſeines weſens zu„ mir ſagte. Nemlich/ gleich wie du vormals“ deine glieder zum dienſte des fleiſches eigen-“ thum begeben haſt: alſo begib ſie nun zum“ dienſte des heiligen freyen weſens GOttes“ welches mir eine luſt zu hoͤren war.„ Rom. 6. Darum ich von der zeit an/ durch GOt-“ tes gnade/ im weſen Chriſti mag ſagen:“ Daß gleichwie ich vorher alle meine ſinne/“ luͤſten und begierden zu meiner eigenſchafft“ im fleiſche/ ſo wol in vermeinter heiligkeit/“ als anderer geſtalt begeben/ und zum irdi-“ ſchen weſen gebraucht hatte/ ich hernach al-“ len meinen luſt und willen zum dienſte des“ heiligen vollkommenen weſens GOttes be-“ geben/ um daſſelbe im leben Chriſti zu bezeu-“ gen. Dann ich befunde alsbald wircklich/“ daß GOttes gnade (der Chriſtus GOt-“ tes) meine ſeele aus dem vertheilten tode auf-“ name/ und in ſein einweſig vollkommen we-“ ſen brachte: und das im leben ſeiner gnade.„ 20. Und in dieſem weſentlichen leben hiel-“ te der einſprechende geiſt ſein urtheil (ſonder“ meine ſeele mehr zu verdammen) in mir in-“ nen/ und ſprach/ nicht mehr in der getheilt-“ heit oder in verborgenheit zu meiner ſee-“ le/ ſondern ſein weſentliches anſchauen“ war mir gegenwaͤrtig im lichte des lebens.„ Nachdem nun das weſentliche vollkom-“ mene leben Chriſti in meiner ſeelen eine zeit“ der tage alt worden war/ und in der maͤnn-“ lichkeit Chriſti betagt wurde/ und das irdi-“ ſche leben in meiner ſeelen uͤberwandt und“ austriebe/ ſo iſt daſſelbe Chriſtliche leben froͤh-“ lich geweſen/ und hat ſeine ſproͤßlinge oder“ zweige zur fruchtbarkeit muͤſſen hervor brin-“ gen: und das im himmel und auf erden/“ ſo weit das leben GOttes ſeine krafft hatte.„ Und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700/38
Zitationshilfe: Arnold, Gottfried: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Bd. 2 (T. 3/4). Frankfurt (Main), 1700, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700/38>, abgerufen am 31.10.2020.