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Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847.

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5.

Am Abende dieses Tages gab der Großfürst Constantin von Rußland der haute-volee Karlsbads einen glänzenden Ball. Dieser Ball war ein Ereigniß für die Badewelt, die sich in mancherlei spöttischen und geistvollen Bemerkungen über die persönlichen Beziehungen des Fürsten, über sein Familien- und Herzensleben erging. Denn diese Verhältnisse waren keinem der Karlsbader Gäste ein Geheimniß. Sah man doch seine Gemahlin, die edle Fürstinn Helene, täglich bleicher und kränker am Brunnen erscheinen, während das Auge ihrer Hofdame, der üppig schönen Gräfinn Sidonie von Lichtenfels jeden Morgen freudiger strahlte, wenn es den flammenden Blick des Fürsten traf. Daraus schloß denn die natürliche Logik der Karlsbader Gesellschaft, daß dieser Ball von dem Fürsten, weniger zu Ehren der kranken Gemahlin, als zur Unterhaltung der Gräfinn

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Am Abende dieses Tages gab der Großfürst Constantin von Rußland der haute-volée Karlsbads einen glänzenden Ball. Dieser Ball war ein Ereigniß für die Badewelt, die sich in mancherlei spöttischen und geistvollen Bemerkungen über die persönlichen Beziehungen des Fürsten, über sein Familien- und Herzensleben erging. Denn diese Verhältnisse waren keinem der Karlsbader Gäste ein Geheimniß. Sah man doch seine Gemahlin, die edle Fürstinn Helene, täglich bleicher und kränker am Brunnen erscheinen, während das Auge ihrer Hofdame, der üppig schönen Gräfinn Sidonie von Lichtenfels jeden Morgen freudiger strahlte, wenn es den flammenden Blick des Fürsten traf. Daraus schloß denn die natürliche Logik der Karlsbader Gesellschaft, daß dieser Ball von dem Fürsten, weniger zu Ehren der kranken Gemahlin, als zur Unterhaltung der Gräfinn

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[44/0056] 5. Am Abende dieses Tages gab der Großfürst Constantin von Rußland der haute-volée Karlsbads einen glänzenden Ball. Dieser Ball war ein Ereigniß für die Badewelt, die sich in mancherlei spöttischen und geistvollen Bemerkungen über die persönlichen Beziehungen des Fürsten, über sein Familien- und Herzensleben erging. Denn diese Verhältnisse waren keinem der Karlsbader Gäste ein Geheimniß. Sah man doch seine Gemahlin, die edle Fürstinn Helene, täglich bleicher und kränker am Brunnen erscheinen, während das Auge ihrer Hofdame, der üppig schönen Gräfinn Sidonie von Lichtenfels jeden Morgen freudiger strahlte, wenn es den flammenden Blick des Fürsten traf. Daraus schloß denn die natürliche Logik der Karlsbader Gesellschaft, daß dieser Ball von dem Fürsten, weniger zu Ehren der kranken Gemahlin, als zur Unterhaltung der Gräfinn

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Zitationshilfe: Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/aston_leben_1847/56>, abgerufen am 14.12.2018.