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Auerbach, Berthold: Die Geschichte des Diethelm von Buchenberg. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 7. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 45–268. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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sah Diethelm drein, daß ihn sein Knecht dutzte, aber er hielt an sich und erwiderte:

Bis gegen Abend.

Drum, erwiderte Medard, wenn du nicht auch da bist, wenn es losgeht, zeig' ich dich an, so wahr die Lichter da brennen; oder nimm mich mit, ich will nicht allein da sein, daß Alles auf mich kommt.

Diethelm bebte vor Wuth, er sah, in welche Hände er gegeben war, er griff sich hin und her am Hals, denn er fühlte, wie es ihm die Kehle zuschnürte; endlich brachte er unter Zähneklappern die Worte hervor:

Kannst dich drauf verlassen, daß ich Abends wieder da bin, da, da hast mein' Hand drauf.

Kaum hatte Diethelm die Hand Medard's gefaßt, als er ihm einen Stoß vor die Brust gab, daß er niederfiel, und jetzt kniete er auf ihn und band ihm mit dem Halstuch die Hände zusammen, aber Medard biß ihm in den Arm, schnell raufte Diethelm eine Hand voll Wolle aus einem daneben stehenden Sack, stopfte sie Medard in den Mund, band ihm die Füße mit Stricken zusammen, betrachtete ihn einen Augenblick mit gehobenem Fuße, als wollte er ihn zertreten, und eilte hinab, Alles sorgfältig hinter sich verschließend.

Vor dem Hause rief er absichtlich laut nach Medard, aber die Magd kam und half ihm die Pferde eingeschirren, und so schnell als der Wind, der den Schnee aufwirbelte, jagte Diethelm davon.

Vierzehntes Kapitel.

Im Rautenkranz in der Hauptstadt lebte indeß Fränz auch nicht so vergnügt, wie sie es gehofft hatte. Das Wirthshaus war fast wie eine kleine Stadt für sich; der gepflasterte

sah Diethelm drein, daß ihn sein Knecht dutzte, aber er hielt an sich und erwiderte:

Bis gegen Abend.

Drum, erwiderte Medard, wenn du nicht auch da bist, wenn es losgeht, zeig' ich dich an, so wahr die Lichter da brennen; oder nimm mich mit, ich will nicht allein da sein, daß Alles auf mich kommt.

Diethelm bebte vor Wuth, er sah, in welche Hände er gegeben war, er griff sich hin und her am Hals, denn er fühlte, wie es ihm die Kehle zuschnürte; endlich brachte er unter Zähneklappern die Worte hervor:

Kannst dich drauf verlassen, daß ich Abends wieder da bin, da, da hast mein' Hand drauf.

Kaum hatte Diethelm die Hand Medard's gefaßt, als er ihm einen Stoß vor die Brust gab, daß er niederfiel, und jetzt kniete er auf ihn und band ihm mit dem Halstuch die Hände zusammen, aber Medard biß ihm in den Arm, schnell raufte Diethelm eine Hand voll Wolle aus einem daneben stehenden Sack, stopfte sie Medard in den Mund, band ihm die Füße mit Stricken zusammen, betrachtete ihn einen Augenblick mit gehobenem Fuße, als wollte er ihn zertreten, und eilte hinab, Alles sorgfältig hinter sich verschließend.

Vor dem Hause rief er absichtlich laut nach Medard, aber die Magd kam und half ihm die Pferde eingeschirren, und so schnell als der Wind, der den Schnee aufwirbelte, jagte Diethelm davon.

Vierzehntes Kapitel.

Im Rautenkranz in der Hauptstadt lebte indeß Fränz auch nicht so vergnügt, wie sie es gehofft hatte. Das Wirthshaus war fast wie eine kleine Stadt für sich; der gepflasterte

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[0095] sah Diethelm drein, daß ihn sein Knecht dutzte, aber er hielt an sich und erwiderte: Bis gegen Abend. Drum, erwiderte Medard, wenn du nicht auch da bist, wenn es losgeht, zeig' ich dich an, so wahr die Lichter da brennen; oder nimm mich mit, ich will nicht allein da sein, daß Alles auf mich kommt. Diethelm bebte vor Wuth, er sah, in welche Hände er gegeben war, er griff sich hin und her am Hals, denn er fühlte, wie es ihm die Kehle zuschnürte; endlich brachte er unter Zähneklappern die Worte hervor: Kannst dich drauf verlassen, daß ich Abends wieder da bin, da, da hast mein' Hand drauf. Kaum hatte Diethelm die Hand Medard's gefaßt, als er ihm einen Stoß vor die Brust gab, daß er niederfiel, und jetzt kniete er auf ihn und band ihm mit dem Halstuch die Hände zusammen, aber Medard biß ihm in den Arm, schnell raufte Diethelm eine Hand voll Wolle aus einem daneben stehenden Sack, stopfte sie Medard in den Mund, band ihm die Füße mit Stricken zusammen, betrachtete ihn einen Augenblick mit gehobenem Fuße, als wollte er ihn zertreten, und eilte hinab, Alles sorgfältig hinter sich verschließend. Vor dem Hause rief er absichtlich laut nach Medard, aber die Magd kam und half ihm die Pferde eingeschirren, und so schnell als der Wind, der den Schnee aufwirbelte, jagte Diethelm davon. Vierzehntes Kapitel. Im Rautenkranz in der Hauptstadt lebte indeß Fränz auch nicht so vergnügt, wie sie es gehofft hatte. Das Wirthshaus war fast wie eine kleine Stadt für sich; der gepflasterte

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Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-14T13:04:01Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Auerbach, Berthold: Die Geschichte des Diethelm von Buchenberg. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 7. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 45–268. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/auerbach_diethelm_1910/95>, abgerufen am 03.06.2020.