Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 1. 2. Aufl. Berlin, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite

Von den Trillern.
schlagen der Nachschlag nicht gleich geschwind gespielt werdenTab. IV.
kan, ohne welchem Umstand der beste Triller am Ende verliehrt.

§. 16.

Die Triller ohne Nachschlag lieben eine her-
unter gehende Folge Fig. XXVIII. (a), und kommen überhaupt
über kurtze Noten vor (b). Wenn viele Triller hinter einander
gehen (c), wenn eine, oder mehrere kurtze Noten darauf folgen,
welche die Stelle des Nachschlags vertreten können (d), so bleibt
der letztere auch weg. Jn diesem Falle muß die Zeit-Maaß bey
dem Exempel mit (*) nicht die langsamste seyn. Die Triolen ver-
schont man ebenfalls mit dem Nachschlage (e). Bey der letzten
bleibt er allezeit weg, bey den ersten dreyen hingegen kan er allen-
falls, nur allein bey sehr langsamen Tempo, angebracht
werden.

§. 17.

Ein mittelmäßig Ohr wird allezeit empfinden, wo
der Nachschlag gemacht werden kan oder nicht. Jch habe dieses
wenige blos Anfängern zu gefallen, und weil es hieher gehört,
anführen müssen.

§. 18.

Jn sehr geschwinder Zeit-Maasse kan man zuweilen
durch Vorschläge die Ausnahme eines Trillers bequem bewerck-
stelligen Fig. XXIX. Die letzten zwey kurtze Noten drücken als-
denn den Nachschlag nicht übel aus.

§. 19.

Wenn bey den Trillern und dessen Nachschlage die
Versetzungs-Zeichen nicht angedeutet sind, so muß man sie bald
aus dem vorhergehenden Fig. XXX. (a), bald aus der Folge (b),
bald aus dem Gehöre und der Modulation beurtheilen (c). Wir
mercken hierbey mit an, daß in dem Verhältnisse der Jntervallen
des Trillers und seines Nachschlags unter sich, keine überflüßige
Secunde seyn darf (d).

§. 20.

Unter den Fehlern, wovon die Triller die unschul-
dige Ursache sind, entdecken wir zu erst diesen: indem viele die

erste
J 2

Von den Trillern.
ſchlagen der Nachſchlag nicht gleich geſchwind geſpielt werdenTab. IV.
kan, ohne welchem Umſtand der beſte Triller am Ende verliehrt.

§. 16.

Die Triller ohne Nachſchlag lieben eine her-
unter gehende Folge Fig. XXVIII. (a), und kommen uͤberhaupt
uͤber kurtze Noten vor (b). Wenn viele Triller hinter einander
gehen (c), wenn eine, oder mehrere kurtze Noten darauf folgen,
welche die Stelle des Nachſchlags vertreten koͤnnen (d), ſo bleibt
der letztere auch weg. Jn dieſem Falle muß die Zeit-Maaß bey
dem Exempel mit (*) nicht die langſamſte ſeyn. Die Triolen ver-
ſchont man ebenfalls mit dem Nachſchlage (e). Bey der letzten
bleibt er allezeit weg, bey den erſten dreyen hingegen kan er allen-
falls, nur allein bey ſehr langſamen Tempo, angebracht
werden.

§. 17.

Ein mittelmaͤßig Ohr wird allezeit empfinden, wo
der Nachſchlag gemacht werden kan oder nicht. Jch habe dieſes
wenige blos Anfaͤngern zu gefallen, und weil es hieher gehoͤrt,
anfuͤhren muͤſſen.

§. 18.

Jn ſehr geſchwinder Zeit-Maaſſe kan man zuweilen
durch Vorſchlaͤge die Ausnahme eines Trillers bequem bewerck-
ſtelligen Fig. XXIX. Die letzten zwey kurtze Noten druͤcken als-
denn den Nachſchlag nicht uͤbel aus.

§. 19.

Wenn bey den Trillern und deſſen Nachſchlage die
Verſetzungs-Zeichen nicht angedeutet ſind, ſo muß man ſie bald
aus dem vorhergehenden Fig. XXX. (a), bald aus der Folge (b),
bald aus dem Gehoͤre und der Modulation beurtheilen (c). Wir
mercken hierbey mit an, daß in dem Verhaͤltniſſe der Jntervallen
des Trillers und ſeines Nachſchlags unter ſich, keine uͤberfluͤßige
Secunde ſeyn darf (d).

§. 20.

Unter den Fehlern, wovon die Triller die unſchul-
dige Urſache ſind, entdecken wir zu erſt dieſen: indem viele die

erſte
J 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0075" n="67"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Von den Trillern.</hi></fw><lb/>
&#x017F;chlagen der Nach&#x017F;chlag nicht gleich ge&#x017F;chwind ge&#x017F;pielt werden<note place="right">Tab. <hi rendition="#aq">IV.</hi></note><lb/>
kan, ohne welchem Um&#x017F;tand der be&#x017F;te Triller am Ende verliehrt.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 16.</head>
            <p>Die <hi rendition="#fr">Triller ohne Nach&#x017F;chlag</hi> lieben eine her-<lb/>
unter gehende Folge Fig. <hi rendition="#aq">XXVIII. (a)</hi>, und kommen u&#x0364;berhaupt<lb/>
u&#x0364;ber kurtze Noten vor <hi rendition="#aq">(b).</hi> Wenn viele Triller hinter einander<lb/>
gehen <hi rendition="#aq">(c)</hi>, wenn eine, oder mehrere kurtze Noten darauf folgen,<lb/>
welche die Stelle des Nach&#x017F;chlags vertreten ko&#x0364;nnen <hi rendition="#aq">(d)</hi>, &#x017F;o bleibt<lb/>
der letztere auch weg. Jn die&#x017F;em Falle muß die Zeit-Maaß bey<lb/>
dem Exempel mit (*) nicht die lang&#x017F;am&#x017F;te &#x017F;eyn. Die Triolen ver-<lb/>
&#x017F;chont man ebenfalls mit dem Nach&#x017F;chlage <hi rendition="#aq">(e).</hi> Bey der letzten<lb/>
bleibt er allezeit weg, bey den er&#x017F;ten dreyen hingegen kan er allen-<lb/>
falls, nur allein <hi rendition="#fr">bey &#x017F;ehr lang&#x017F;amen Tempo</hi>, angebracht<lb/>
werden.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 17.</head>
            <p>Ein mittelma&#x0364;ßig Ohr wird allezeit empfinden, wo<lb/>
der Nach&#x017F;chlag gemacht werden kan oder nicht. Jch habe die&#x017F;es<lb/>
wenige blos Anfa&#x0364;ngern zu gefallen, und weil es hieher geho&#x0364;rt,<lb/>
anfu&#x0364;hren mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 18.</head>
            <p>Jn &#x017F;ehr ge&#x017F;chwinder Zeit-Maa&#x017F;&#x017F;e kan man zuweilen<lb/>
durch Vor&#x017F;chla&#x0364;ge die Ausnahme eines Trillers bequem bewerck-<lb/>
&#x017F;telligen Fig. <hi rendition="#aq">XXIX.</hi> Die letzten zwey kurtze Noten dru&#x0364;cken als-<lb/>
denn den Nach&#x017F;chlag nicht u&#x0364;bel aus.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 19.</head>
            <p>Wenn bey den Trillern und de&#x017F;&#x017F;en Nach&#x017F;chlage die<lb/>
Ver&#x017F;etzungs-Zeichen nicht angedeutet &#x017F;ind, &#x017F;o muß man &#x017F;ie bald<lb/>
aus dem vorhergehenden Fig. <hi rendition="#aq">XXX. (a)</hi>, bald aus der Folge <hi rendition="#aq">(b)</hi>,<lb/>
bald aus dem Geho&#x0364;re und der Modulation beurtheilen <hi rendition="#aq">(c).</hi> Wir<lb/>
mercken hierbey mit an, daß in dem Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e der Jntervallen<lb/>
des Trillers und &#x017F;eines Nach&#x017F;chlags unter &#x017F;ich, keine u&#x0364;berflu&#x0364;ßige<lb/>
Secunde &#x017F;eyn darf <hi rendition="#aq">(d).</hi></p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 20.</head>
            <p>Unter den Fehlern, wovon die Triller die un&#x017F;chul-<lb/>
dige Ur&#x017F;ache &#x017F;ind, entdecken wir zu er&#x017F;t die&#x017F;en: indem viele die<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">J 2</fw><fw place="bottom" type="catch">er&#x017F;te</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[67/0075] Von den Trillern. ſchlagen der Nachſchlag nicht gleich geſchwind geſpielt werden kan, ohne welchem Umſtand der beſte Triller am Ende verliehrt. Tab. IV. §. 16. Die Triller ohne Nachſchlag lieben eine her- unter gehende Folge Fig. XXVIII. (a), und kommen uͤberhaupt uͤber kurtze Noten vor (b). Wenn viele Triller hinter einander gehen (c), wenn eine, oder mehrere kurtze Noten darauf folgen, welche die Stelle des Nachſchlags vertreten koͤnnen (d), ſo bleibt der letztere auch weg. Jn dieſem Falle muß die Zeit-Maaß bey dem Exempel mit (*) nicht die langſamſte ſeyn. Die Triolen ver- ſchont man ebenfalls mit dem Nachſchlage (e). Bey der letzten bleibt er allezeit weg, bey den erſten dreyen hingegen kan er allen- falls, nur allein bey ſehr langſamen Tempo, angebracht werden. §. 17. Ein mittelmaͤßig Ohr wird allezeit empfinden, wo der Nachſchlag gemacht werden kan oder nicht. Jch habe dieſes wenige blos Anfaͤngern zu gefallen, und weil es hieher gehoͤrt, anfuͤhren muͤſſen. §. 18. Jn ſehr geſchwinder Zeit-Maaſſe kan man zuweilen durch Vorſchlaͤge die Ausnahme eines Trillers bequem bewerck- ſtelligen Fig. XXIX. Die letzten zwey kurtze Noten druͤcken als- denn den Nachſchlag nicht uͤbel aus. §. 19. Wenn bey den Trillern und deſſen Nachſchlage die Verſetzungs-Zeichen nicht angedeutet ſind, ſo muß man ſie bald aus dem vorhergehenden Fig. XXX. (a), bald aus der Folge (b), bald aus dem Gehoͤre und der Modulation beurtheilen (c). Wir mercken hierbey mit an, daß in dem Verhaͤltniſſe der Jntervallen des Trillers und ſeines Nachſchlags unter ſich, keine uͤberfluͤßige Secunde ſeyn darf (d). §. 20. Unter den Fehlern, wovon die Triller die unſchul- dige Urſache ſind, entdecken wir zu erſt dieſen: indem viele die erſte J 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Die Erstauflage dieses Teils erschien als selbstä… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch01_1759
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch01_1759/75
Zitationshilfe: Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 1. 2. Aufl. Berlin, 1753, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch01_1759/75>, abgerufen am 10.12.2019.