Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 2. Berlin, 1762.

Bild:
<< vorherige Seite
Von den Vorschlägen.
§. 19.

Wenn vor einer Grundnote ein Vorschlag stehet,
so wird der Accord, welcher der Grundnote zukommt, mit dem
Vorschlage zugleich angeschlagen: soll aber der letztere eine be-
sondere Aufgabe haben, so muß man sie darüber setzen.



Sechs und zwanzigstes Capitel.
Von rückenden Noten.
§. 1.

Durch Rückungen wird die gewöhnliche Harmonie entwe-
der vorausgenommen, oder aufgehalten.

§. 2.

Langsame Rückungen, welche die Harmonie
vorausnehmen
, machen in der Begleitung keine Veränderung.
Der Accompagnist schlägt mit der Grundnote zugleich seine Ziffern
an (a): wenn dergleichen rückende Noten aber die Harmo-
nie aufhalten
, so verfähret man; wie wir bey den Vorschlä-
gen gesehen haben; bald spielet man das aufhaltende Intervall
in der Begleitung mit, bald lässet man es weg, man vermindert
die Harmonie und nimmt blos die Nebenziffern, welche sich mit
der anschlagenden und folgenden Note vertragen (b), oder man
pausiret gar (c), oder man spielet auch zuweilen alle rückende Noten
mit (d). Bey (c) muß die rechte Hand aufgehoben werden, so-
bald das Dis in der Hauptstimme eintritt. Wenn das Exempel
(d) langsam mit Terzen vorkommt (dd), so ist die Begleitung drey-
stimmig und dem Exempel gleich: ausser einer langsamen oder we-
nigstens gemäßigten Zeitmaasse aber wird es tasto solo gespielet.
Dieses Exempel (d) ohne Terzen, und bey einem geschwinden
Tempo, hat die Begleitung und Bezifferung von (e):

Z. E.
E e 2
Von den Vorſchlägen.
§. 19.

Wenn vor einer Grundnote ein Vorſchlag ſtehet,
ſo wird der Accord, welcher der Grundnote zukommt, mit dem
Vorſchlage zugleich angeſchlagen: ſoll aber der letztere eine be-
ſondere Aufgabe haben, ſo muß man ſie darüber ſetzen.



Sechs und zwanzigſtes Capitel.
Von rückenden Noten.
§. 1.

Durch Rückungen wird die gewöhnliche Harmonie entwe-
der vorausgenommen, oder aufgehalten.

§. 2.

Langſame Rückungen, welche die Harmonie
vorausnehmen
, machen in der Begleitung keine Veränderung.
Der Accompagniſt ſchlägt mit der Grundnote zugleich ſeine Ziffern
an (a): wenn dergleichen rückende Noten aber die Harmo-
nie aufhalten
, ſo verfähret man; wie wir bey den Vorſchlä-
gen geſehen haben; bald ſpielet man das aufhaltende Intervall
in der Begleitung mit, bald läſſet man es weg, man vermindert
die Harmonie und nimmt blos die Nebenziffern, welche ſich mit
der anſchlagenden und folgenden Note vertragen (b), oder man
pauſiret gar (c), oder man ſpielet auch zuweilen alle rückende Noten
mit (d). Bey (c) muß die rechte Hand aufgehoben werden, ſo-
bald das Dis in der Hauptſtimme eintritt. Wenn das Exempel
(d) langſam mit Terzen vorkommt (dd), ſo iſt die Begleitung drey-
ſtimmig und dem Exempel gleich: auſſer einer langſamen oder we-
nigſtens gemäßigten Zeitmaaſſe aber wird es taſto ſolo geſpielet.
Dieſes Exempel (d) ohne Terzen, und bey einem geſchwinden
Tempo, hat die Begleitung und Bezifferung von (e):

Z. E.
E e 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0229" n="219"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Von den Vor&#x017F;chlägen.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 19.</head>
          <p>Wenn vor einer Grundnote ein Vor&#x017F;chlag &#x017F;tehet,<lb/>
&#x017F;o wird der Accord, welcher der Grundnote zukommt, mit dem<lb/>
Vor&#x017F;chlage zugleich ange&#x017F;chlagen: &#x017F;oll aber der letztere eine be-<lb/>
&#x017F;ondere Aufgabe haben, &#x017F;o muß man &#x017F;ie darüber &#x017F;etzen.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Sechs und zwanzig&#x017F;tes Capitel.<lb/>
Von rückenden Noten.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 1.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>urch <hi rendition="#fr">Rückungen</hi> wird die gewöhnliche <hi rendition="#fr">Harmonie</hi> entwe-<lb/>
der <hi rendition="#fr">vorausgenommen</hi>, oder <hi rendition="#fr">aufgehalten</hi>.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 2.</head>
          <p><hi rendition="#fr">Lang&#x017F;ame Rückungen</hi>, welche die <hi rendition="#fr">Harmonie<lb/>
vorausnehmen</hi>, machen in der Begleitung keine Veränderung.<lb/>
Der Accompagni&#x017F;t &#x017F;chlägt mit der Grundnote zugleich &#x017F;eine Ziffern<lb/>
an (<hi rendition="#aq">a</hi>): wenn <hi rendition="#fr">dergleichen rückende Noten</hi> aber die <hi rendition="#fr">Harmo-<lb/>
nie aufhalten</hi>, &#x017F;o verfähret man<hi rendition="#i">;</hi> wie wir bey den Vor&#x017F;chlä-<lb/>
gen ge&#x017F;ehen haben; bald &#x017F;pielet man das aufhaltende Intervall<lb/>
in der Begleitung mit, bald lä&#x017F;&#x017F;et man es weg, man vermindert<lb/>
die Harmonie und nimmt blos die Nebenziffern, welche &#x017F;ich mit<lb/>
der an&#x017F;chlagenden und folgenden Note vertragen (<hi rendition="#aq">b</hi>), oder man<lb/>
pau&#x017F;iret gar (<hi rendition="#aq">c</hi>), oder man &#x017F;pielet auch zuweilen alle rückende Noten<lb/>
mit (<hi rendition="#aq">d</hi>). Bey (<hi rendition="#aq">c</hi>) muß die rechte Hand aufgehoben werden, &#x017F;o-<lb/>
bald das Dis in der Haupt&#x017F;timme eintritt. Wenn das Exempel<lb/>
(<hi rendition="#aq">d</hi>) lang&#x017F;am mit Terzen vorkommt (<hi rendition="#aq">dd</hi>), &#x017F;o i&#x017F;t die Begleitung drey-<lb/>
&#x017F;timmig und dem Exempel gleich: au&#x017F;&#x017F;er einer lang&#x017F;amen oder we-<lb/>
nig&#x017F;tens gemäßigten Zeitmaa&#x017F;&#x017F;e aber wird es <hi rendition="#aq">ta&#x017F;to &#x017F;olo</hi> ge&#x017F;pielet.<lb/>
Die&#x017F;es Exempel (<hi rendition="#aq">d</hi>) ohne Terzen, und bey einem <hi rendition="#fr">ge&#x017F;chwinden</hi><lb/>
Tempo, hat die Begleitung und Bezifferung von (<hi rendition="#aq">e</hi>):<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E e 2</fw><fw place="bottom" type="catch">Z. E.</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[219/0229] Von den Vorſchlägen. §. 19.Wenn vor einer Grundnote ein Vorſchlag ſtehet, ſo wird der Accord, welcher der Grundnote zukommt, mit dem Vorſchlage zugleich angeſchlagen: ſoll aber der letztere eine be- ſondere Aufgabe haben, ſo muß man ſie darüber ſetzen. Sechs und zwanzigſtes Capitel. Von rückenden Noten. §. 1. Durch Rückungen wird die gewöhnliche Harmonie entwe- der vorausgenommen, oder aufgehalten. §. 2.Langſame Rückungen, welche die Harmonie vorausnehmen, machen in der Begleitung keine Veränderung. Der Accompagniſt ſchlägt mit der Grundnote zugleich ſeine Ziffern an (a): wenn dergleichen rückende Noten aber die Harmo- nie aufhalten, ſo verfähret man; wie wir bey den Vorſchlä- gen geſehen haben; bald ſpielet man das aufhaltende Intervall in der Begleitung mit, bald läſſet man es weg, man vermindert die Harmonie und nimmt blos die Nebenziffern, welche ſich mit der anſchlagenden und folgenden Note vertragen (b), oder man pauſiret gar (c), oder man ſpielet auch zuweilen alle rückende Noten mit (d). Bey (c) muß die rechte Hand aufgehoben werden, ſo- bald das Dis in der Hauptſtimme eintritt. Wenn das Exempel (d) langſam mit Terzen vorkommt (dd), ſo iſt die Begleitung drey- ſtimmig und dem Exempel gleich: auſſer einer langſamen oder we- nigſtens gemäßigten Zeitmaaſſe aber wird es taſto ſolo geſpielet. Dieſes Exempel (d) ohne Terzen, und bey einem geſchwinden Tempo, hat die Begleitung und Bezifferung von (e): Z. E. E e 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762/229
Zitationshilfe: Bach, Carl Philipp Emanuel: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Bd. 2. Berlin, 1762, S. 219. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bach_versuch02_1762/229>, abgerufen am 30.03.2020.