Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Basedow, Johann Bernhard: Die ganze Natürliche Weisheit im Privatstande der gesitteten Bürger. Halle (Saale) u. a., [1768].

Bild:
<< vorherige Seite
I.
Eignes Nachdenken über die Seele,
das Leben und den Tod.
§. 1.

Die Weisheit besteht in der nöthigen Er-
kenntniß und Neigung, Böses abzuwen-
den, zu vermindern und zu endigen;
Gutes hingegen zu befördern, zu vermehren und
zu unterhalten.

Wer Weisheit zu seinem eignen Besten
verlangt, muß erstlich die Mittel und Handlun-
gen, wodurch seine Glückseligkeit befördert wird,
richtig zu erkennen suchen, -- und zweytens eine
Geschicklichkeit erwerben, die erkannten Mittel
seiner Wohlfarth wirklich anzuwenden.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die zur
Weisheit gehören, ist die Erkenntniß unsrer
selbst.
Denn sowohl unser angenehmes als trau-
riges Schicksal wird bey verschiednen Umständen
zum Theil durch unsere Natur und Gewohnheiten
gewirkt.

§. 2.

Also, theurer Sohn, oder wer du auch bist,
der du dieses liesest, lerne, richtig von dir selbst
denken.

Ein
A
I.
Eignes Nachdenken uͤber die Seele,
das Leben und den Tod.
§. 1.

Die Weisheit beſteht in der noͤthigen Er-
kenntniß und Neigung, Boͤſes abzuwen-
den, zu vermindern und zu endigen;
Gutes hingegen zu befoͤrdern, zu vermehren und
zu unterhalten.

Wer Weisheit zu ſeinem eignen Beſten
verlangt, muß erſtlich die Mittel und Handlun-
gen, wodurch ſeine Gluͤckſeligkeit befoͤrdert wird,
richtig zu erkennen ſuchen, — und zweytens eine
Geſchicklichkeit erwerben, die erkannten Mittel
ſeiner Wohlfarth wirklich anzuwenden.

Eine der wichtigſten Erkenntniſſe, die zur
Weisheit gehoͤren, iſt die Erkenntniß unſrer
ſelbſt.
Denn ſowohl unſer angenehmes als trau-
riges Schickſal wird bey verſchiednen Umſtaͤnden
zum Theil durch unſere Natur und Gewohnheiten
gewirkt.

§. 2.

Alſo, theurer Sohn, oder wer du auch biſt,
der du dieſes lieſeſt, lerne, richtig von dir ſelbſt
denken.

Ein
A
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0025" n="[1]"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">I.</hi><lb/>
Eignes Nachdenken u&#x0364;ber die Seele,<lb/>
das Leben und den Tod.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 1.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi><hi rendition="#fr">ie Weisheit</hi> be&#x017F;teht in der no&#x0364;thigen Er-<lb/>
kenntniß und Neigung, Bo&#x0364;&#x017F;es abzuwen-<lb/>
den, zu vermindern und zu endigen;<lb/>
Gutes hingegen zu befo&#x0364;rdern, zu vermehren und<lb/>
zu unterhalten.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Wer Weisheit zu &#x017F;einem eignen Be&#x017F;ten</hi><lb/>
verlangt, muß er&#x017F;tlich die Mittel und Handlun-<lb/>
gen, wodurch &#x017F;eine Glu&#x0364;ck&#x017F;eligkeit befo&#x0364;rdert wird,<lb/>
richtig zu erkennen &#x017F;uchen, &#x2014; und zweytens eine<lb/>
Ge&#x017F;chicklichkeit erwerben, die erkannten Mittel<lb/>
&#x017F;einer Wohlfarth wirklich anzuwenden.</p><lb/>
          <p>Eine der wichtig&#x017F;ten Erkenntni&#x017F;&#x017F;e, die zur<lb/>
Weisheit geho&#x0364;ren, <hi rendition="#fr">i&#x017F;t die Erkenntniß un&#x017F;rer<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t.</hi> Denn &#x017F;owohl un&#x017F;er angenehmes als trau-<lb/>
riges Schick&#x017F;al wird bey ver&#x017F;chiednen Um&#x017F;ta&#x0364;nden<lb/>
zum Theil durch un&#x017F;ere Natur und Gewohnheiten<lb/>
gewirkt.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 2.</head><lb/>
          <p>Al&#x017F;o, theurer Sohn, oder wer du auch bi&#x017F;t,<lb/>
der du die&#x017F;es lie&#x017F;e&#x017F;t, lerne, richtig von dir &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
denken.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">A</fw>
          <fw place="bottom" type="catch">Ein</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1]/0025] I. Eignes Nachdenken uͤber die Seele, das Leben und den Tod. §. 1. Die Weisheit beſteht in der noͤthigen Er- kenntniß und Neigung, Boͤſes abzuwen- den, zu vermindern und zu endigen; Gutes hingegen zu befoͤrdern, zu vermehren und zu unterhalten. Wer Weisheit zu ſeinem eignen Beſten verlangt, muß erſtlich die Mittel und Handlun- gen, wodurch ſeine Gluͤckſeligkeit befoͤrdert wird, richtig zu erkennen ſuchen, — und zweytens eine Geſchicklichkeit erwerben, die erkannten Mittel ſeiner Wohlfarth wirklich anzuwenden. Eine der wichtigſten Erkenntniſſe, die zur Weisheit gehoͤren, iſt die Erkenntniß unſrer ſelbſt. Denn ſowohl unſer angenehmes als trau- riges Schickſal wird bey verſchiednen Umſtaͤnden zum Theil durch unſere Natur und Gewohnheiten gewirkt. §. 2. Alſo, theurer Sohn, oder wer du auch biſt, der du dieſes lieſeſt, lerne, richtig von dir ſelbſt denken. Ein A

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/basedow_weisheit_1768
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/basedow_weisheit_1768/25
Zitationshilfe: Basedow, Johann Bernhard: Die ganze Natürliche Weisheit im Privatstande der gesitteten Bürger. Halle (Saale) u. a., [1768], S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/basedow_weisheit_1768/25>, abgerufen am 03.08.2020.