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Bauller, Johann Jacob: Hell-Polirter Laster-Spiegel. Ulm, 1681.

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von der Bauch-Sorg.
Text:
Matth. c. 6. v. 25.
Sorget nicht für euer Leben/ was ihr essen und trincken
werdet/ auch nicht für euern Leib/ was ihr anziehen
werdet.
Eingang.
Geliebte in Christo dem HErren!

ES ist das Hertz deß Menschen ein trotzig und verzagt
Ding/ steht Jer. 17. Wanns wol gehet/ so ist das Hertz trotzig/ undDer
Spruch Je-
rem. 17.

kans niemand halten noch zwingen/ gehts dann übel/ so ists ver-
zagt/ und weist sich selber nicht zu halten. Absonderlich solches
für dißmal auf die zeitliche und leibliche Nahrung zu ziehen/ heist
es auch/ wie D Luther daselbst am Rand hinzu setzet; Es ist ein verzweiffelt
böß Ding um ein Hertz/ es kan weder gutes noch böses ertragen. Dawider ist
das heutige/ Sonntägliche E. L. jetzo vorgelesene Evangelium gerichtet/ wel-
ches die lieben Alten mit sonderem Fleiß auf die gegenwärtige Zeit verlegetWird gezo-
gen auf das
heutige Ev-
augelium.

haben/ dann darinnen werden die Reichen gewarnet/ wann sie eine reiche Ernd
gehabt/ und alles was ihnen auf dem Feld/ in den Gärten und auf den Wiesen
gewachsen und gerathen/ nunmehr eingesammelt/ sollen sie ihr Hertz nicht von
GOtt abwenden und an den Mammon hengen/ sintemal es unmüglich/ Gott
und dem Mammon zugleich dienen. Dagegen werden die Arme gewarnet/
so es etwan ein Fehl-Jahr gegeben/ daß sie nicht kleinmüthig werden/ und bey
dem herbey nahenden Winter für Nahrung und Kleydung nicht zu sorgfältig
seyn/ sondern allezeit ihrem lieben GOtt vertrauen sollen/ darum sagt der
HErr: Sorget nicht für euer Leben/ was ihr essen und trincken werdet/ auch
nicht für euern Leib/ was ihr anziehen werdet. Weil wir dann/ ohne das/ die
jenige Laster jetzo vor uns haben/ welche auf den Lasterhafften Menschen selber
sehen und gehen/ so wollen wir für gegenwärtige Predigt auß dem verleßnen
Evangelio eben diese angedeute Wort für uns nemmen: Sorget nicht
für/ etc.
Wollen dieselbe erstlich mit wenigem erklären/ darnach auch an-Vortrag.
zeigen/ was wir werden
von der übrigen Bauch-Sorge/
zu unserer Lehr und Nutzen zu mercken und zu behalten haben. Darzu unsWunsch.
GOtt sein Gnad und Geist verleihen wolle/ Amen.

Erklä-
Y y
von der Bauch-Sorg.
Text:
Matth. c. 6. v. 25.
Sorget nicht fuͤr euer Leben/ was ihr eſſen und trincken
werdet/ auch nicht fuͤr euern Leib/ was ihr anziehen
werdet.
Eingang.
Geliebte in Chriſto dem HErren!

ES iſt das Hertz deß Menſchen ein trotzig und verzagt
Ding/ ſteht Jer. 17. Wanns wol gehet/ ſo iſt das Hertz trotzig/ undDer
Spruch Je-
rem. 17.

kans niemand halten noch zwingen/ gehts dann uͤbel/ ſo iſts ver-
zagt/ und weiſt ſich ſelber nicht zu halten. Abſonderlich ſolches
fuͤr dißmal auf die zeitliche und leibliche Nahrung zu ziehen/ heiſt
es auch/ wie D Luther daſelbſt am Rand hinzu ſetzet; Es iſt ein verzweiffelt
boͤß Ding um ein Hertz/ es kan weder gutes noch boͤſes ertragen. Dawider iſt
das heutige/ Sonntaͤgliche E. L. jetzo vorgeleſene Evangelium gerichtet/ wel-
ches die lieben Alten mit ſonderem Fleiß auf die gegenwaͤrtige Zeit verlegetWird gezo-
gen auf das
heutige Ev-
augelium.

haben/ dann darinnen werden die Reichen gewarnet/ wann ſie eine reiche Ernd
gehabt/ und alles was ihnen auf dem Feld/ in den Gaͤrten und auf den Wieſen
gewachſen und gerathen/ nunmehr eingeſammelt/ ſollen ſie ihr Hertz nicht von
GOtt abwenden und an den Mammon hengen/ ſintemal es unmuͤglich/ Gott
und dem Mammon zugleich dienen. Dagegen werden die Arme gewarnet/
ſo es etwan ein Fehl-Jahr gegeben/ daß ſie nicht kleinmuͤthig werden/ und bey
dem herbey nahenden Winter fuͤr Nahrung und Kleydung nicht zu ſorgfaͤltig
ſeyn/ ſondern allezeit ihrem lieben GOtt vertrauen ſollen/ darum ſagt der
HErꝛ: Sorget nicht fuͤr euer Leben/ was ihr eſſen und trincken werdet/ auch
nicht fuͤr euern Leib/ was ihr anziehen werdet. Weil wir dann/ ohne das/ die
jenige Laſter jetzo vor uns haben/ welche auf den Laſterhafften Menſchen ſelber
ſehen und gehen/ ſo wollen wir fuͤr gegenwaͤrtige Predigt auß dem verleßnen
Evangelio eben dieſe angedeute Wort fuͤr uns nemmen: Sorget nicht
fuͤr/ ꝛc.
Wollen dieſelbe erſtlich mit wenigem erklaͤren/ darnach auch an-Vortrag.
zeigen/ was wir werden
von der uͤbrigen Bauch-Sorge/
zu unſerer Lehr und Nutzen zu mercken und zu behalten haben. Darzu unsWunſch.
GOtt ſein Gnad und Geiſt verleihen wolle/ Amen.

Erklaͤ-
Y y
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[353/0423] von der Bauch-Sorg. Text: Matth. c. 6. v. 25. Sorget nicht fuͤr euer Leben/ was ihr eſſen und trincken werdet/ auch nicht fuͤr euern Leib/ was ihr anziehen werdet. Eingang. Geliebte in Chriſto dem HErren! ES iſt das Hertz deß Menſchen ein trotzig und verzagt Ding/ ſteht Jer. 17. Wanns wol gehet/ ſo iſt das Hertz trotzig/ und kans niemand halten noch zwingen/ gehts dann uͤbel/ ſo iſts ver- zagt/ und weiſt ſich ſelber nicht zu halten. Abſonderlich ſolches fuͤr dißmal auf die zeitliche und leibliche Nahrung zu ziehen/ heiſt es auch/ wie D Luther daſelbſt am Rand hinzu ſetzet; Es iſt ein verzweiffelt boͤß Ding um ein Hertz/ es kan weder gutes noch boͤſes ertragen. Dawider iſt das heutige/ Sonntaͤgliche E. L. jetzo vorgeleſene Evangelium gerichtet/ wel- ches die lieben Alten mit ſonderem Fleiß auf die gegenwaͤrtige Zeit verleget haben/ dann darinnen werden die Reichen gewarnet/ wann ſie eine reiche Ernd gehabt/ und alles was ihnen auf dem Feld/ in den Gaͤrten und auf den Wieſen gewachſen und gerathen/ nunmehr eingeſammelt/ ſollen ſie ihr Hertz nicht von GOtt abwenden und an den Mammon hengen/ ſintemal es unmuͤglich/ Gott und dem Mammon zugleich dienen. Dagegen werden die Arme gewarnet/ ſo es etwan ein Fehl-Jahr gegeben/ daß ſie nicht kleinmuͤthig werden/ und bey dem herbey nahenden Winter fuͤr Nahrung und Kleydung nicht zu ſorgfaͤltig ſeyn/ ſondern allezeit ihrem lieben GOtt vertrauen ſollen/ darum ſagt der HErꝛ: Sorget nicht fuͤr euer Leben/ was ihr eſſen und trincken werdet/ auch nicht fuͤr euern Leib/ was ihr anziehen werdet. Weil wir dann/ ohne das/ die jenige Laſter jetzo vor uns haben/ welche auf den Laſterhafften Menſchen ſelber ſehen und gehen/ ſo wollen wir fuͤr gegenwaͤrtige Predigt auß dem verleßnen Evangelio eben dieſe angedeute Wort fuͤr uns nemmen: Sorget nicht fuͤr/ ꝛc. Wollen dieſelbe erſtlich mit wenigem erklaͤren/ darnach auch an- zeigen/ was wir werden von der uͤbrigen Bauch-Sorge/ zu unſerer Lehr und Nutzen zu mercken und zu behalten haben. Darzu uns GOtt ſein Gnad und Geiſt verleihen wolle/ Amen. Der Spruch Je- rem. 17. Wird gezo- gen auf das heutige Ev- augelium. Vortrag. Wunſch. Erklaͤ- Y y

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Zitationshilfe: Bauller, Johann Jacob: Hell-Polirter Laster-Spiegel. Ulm, 1681. , S. 353. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bauller_lasterspiegel_1681/423>, abgerufen am 26.03.2019.