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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert.

In Belgien zeichneten sich im 17. Jahrhundert als Büchsenmacher
aus Julian Basse 1620 zu Brüssel, ferner ohne nähere Zeitangabe
La Pierre in Mastricht; in Holland Cornelis Cant (Kant) in
Amsterdam, Pieter van Beugen und Jean Ceule in Utrecht;
in Schottland Murdoch. In Dänemark lieferte der Büchsenmacher
Tommer in Kopenhagen für den Hof 1612 bis 1631, und annähernd
zur selben Zeit, 1610 bis 1630, war A. Tonner daselbst thätig.
Andreas Neidhard arbeitete zwischen 1636 bis 1650 und Peter
Kalthoff
wird um 1646 genannt, während Laasen Mathias Kalt-
hoff
1652 bis 1679 thätig war. Weiter sind von dänischen Büchsen-
schmieden in diesem Jahrhundert bekannt Heinrich Kapell und
Hans Zimmermann, beide in Kopenhagen. In Schweden machten
sich Johann Koch und Peter Starbus zu Stockholm bekannt,
und in Russland zeichnete sich Martin Höder in Moskau um 1690 aus.



Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert.

Das Kunstgewerbe im allgemeinen und die Kunstschmiederei im
besondern machten im 17. Jahrhundert keine Fortschritte, gingen
vielmehr in den bis dahin tonangebenden Ländern zurück. Dies gilt
besonders auch von Deutschland, wo die Verarmung durch den dreissig-
jährigen Krieg am meisten hierzu beitrug. Geschmack und Formen-
sinn litten sehr unter diesen Verhältnissen. Will man die Schmiede-
arbeiten nach dem Stil charakterisieren, so lässt sich sagen, dass im
Anfang des Jahrhunderts bis zum Ausbruch des dreissigjährigen
Krieges noch die Renaissance herrschend war, während nach Be-
endigung desselben der Barockstyl in Mode kam. Aus der erstgenannten
Periode existieren noch viele schöne Arbeiten, so z. B. in Nürnberg
die Oberlichtgitter am Rathaus von 1619 (Fig. 217 a. f. S.) 1). Ferner ein
Gitter aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, welches sich vor
dem Speisealtar in der St. Michael-Friedhofskirche zu Chrudim befindet
(Fig. 218 a. f. S.). Das Eisendrahtgeflecht tritt dabei schon auffallend
in den Hintergrund; es erscheint als Hauptdekoration das gerippte
Blatt, welches teils ausgeschnitten angefügt, teils mit dem Hammer
aus dem Drahteisen selbst herausgearbeitet ist 2).


1) Fr. S. Meyer, Die Schmiedekunst, Fig. 48.
2) Dr. Karl Lind in den Mitteilungen der Centralkommission, Wien, Bd. VII,
Heft 2.
Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert.

In Belgien zeichneten sich im 17. Jahrhundert als Büchsenmacher
aus Julian Basse 1620 zu Brüssel, ferner ohne nähere Zeitangabe
La Pierre in Mastricht; in Holland Cornelis Cant (Kant) in
Amsterdam, Pieter van Beugen und Jean Ceule in Utrecht;
in Schottland Murdoch. In Dänemark lieferte der Büchsenmacher
Tommer in Kopenhagen für den Hof 1612 bis 1631, und annähernd
zur selben Zeit, 1610 bis 1630, war A. Tonner daselbst thätig.
Andreas Neidhard arbeitete zwischen 1636 bis 1650 und Peter
Kalthoff
wird um 1646 genannt, während Laasen Mathias Kalt-
hoff
1652 bis 1679 thätig war. Weiter sind von dänischen Büchsen-
schmieden in diesem Jahrhundert bekannt Heinrich Kapell und
Hans Zimmermann, beide in Kopenhagen. In Schweden machten
sich Johann Koch und Peter Starbus zu Stockholm bekannt,
und in Ruſsland zeichnete sich Martin Höder in Moskau um 1690 aus.



Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert.

Das Kunstgewerbe im allgemeinen und die Kunstschmiederei im
besondern machten im 17. Jahrhundert keine Fortschritte, gingen
vielmehr in den bis dahin tonangebenden Ländern zurück. Dies gilt
besonders auch von Deutschland, wo die Verarmung durch den dreiſsig-
jährigen Krieg am meisten hierzu beitrug. Geschmack und Formen-
sinn litten sehr unter diesen Verhältnissen. Will man die Schmiede-
arbeiten nach dem Stil charakterisieren, so läſst sich sagen, daſs im
Anfang des Jahrhunderts bis zum Ausbruch des dreiſsigjährigen
Krieges noch die Renaissance herrschend war, während nach Be-
endigung desſelben der Barockstyl in Mode kam. Aus der erstgenannten
Periode existieren noch viele schöne Arbeiten, so z. B. in Nürnberg
die Oberlichtgitter am Rathaus von 1619 (Fig. 217 a. f. S.) 1). Ferner ein
Gitter aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, welches sich vor
dem Speisealtar in der St. Michael-Friedhofskirche zu Chrudim befindet
(Fig. 218 a. f. S.). Das Eisendrahtgeflecht tritt dabei schon auffallend
in den Hintergrund; es erscheint als Hauptdekoration das gerippte
Blatt, welches teils ausgeschnitten angefügt, teils mit dem Hammer
aus dem Drahteisen selbst herausgearbeitet ist 2).


1) Fr. S. Meyer, Die Schmiedekunst, Fig. 48.
2) Dr. Karl Lind in den Mitteilungen der Centralkommission, Wien, Bd. VII,
Heft 2.
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[997/1019] Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert. In Belgien zeichneten sich im 17. Jahrhundert als Büchsenmacher aus Julian Basse 1620 zu Brüssel, ferner ohne nähere Zeitangabe La Pierre in Mastricht; in Holland Cornelis Cant (Kant) in Amsterdam, Pieter van Beugen und Jean Ceule in Utrecht; in Schottland Murdoch. In Dänemark lieferte der Büchsenmacher Tommer in Kopenhagen für den Hof 1612 bis 1631, und annähernd zur selben Zeit, 1610 bis 1630, war A. Tonner daselbst thätig. Andreas Neidhard arbeitete zwischen 1636 bis 1650 und Peter Kalthoff wird um 1646 genannt, während Laasen Mathias Kalt- hoff 1652 bis 1679 thätig war. Weiter sind von dänischen Büchsen- schmieden in diesem Jahrhundert bekannt Heinrich Kapell und Hans Zimmermann, beide in Kopenhagen. In Schweden machten sich Johann Koch und Peter Starbus zu Stockholm bekannt, und in Ruſsland zeichnete sich Martin Höder in Moskau um 1690 aus. Die Kunstschmiederei im 17. Jahrhundert. Das Kunstgewerbe im allgemeinen und die Kunstschmiederei im besondern machten im 17. Jahrhundert keine Fortschritte, gingen vielmehr in den bis dahin tonangebenden Ländern zurück. Dies gilt besonders auch von Deutschland, wo die Verarmung durch den dreiſsig- jährigen Krieg am meisten hierzu beitrug. Geschmack und Formen- sinn litten sehr unter diesen Verhältnissen. Will man die Schmiede- arbeiten nach dem Stil charakterisieren, so läſst sich sagen, daſs im Anfang des Jahrhunderts bis zum Ausbruch des dreiſsigjährigen Krieges noch die Renaissance herrschend war, während nach Be- endigung desſelben der Barockstyl in Mode kam. Aus der erstgenannten Periode existieren noch viele schöne Arbeiten, so z. B. in Nürnberg die Oberlichtgitter am Rathaus von 1619 (Fig. 217 a. f. S.) 1). Ferner ein Gitter aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, welches sich vor dem Speisealtar in der St. Michael-Friedhofskirche zu Chrudim befindet (Fig. 218 a. f. S.). Das Eisendrahtgeflecht tritt dabei schon auffallend in den Hintergrund; es erscheint als Hauptdekoration das gerippte Blatt, welches teils ausgeschnitten angefügt, teils mit dem Hammer aus dem Drahteisen selbst herausgearbeitet ist 2). 1) Fr. S. Meyer, Die Schmiedekunst, Fig. 48. 2) Dr. Karl Lind in den Mitteilungen der Centralkommission, Wien, Bd. VII, Heft 2.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 997. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1019>, abgerufen am 15.11.2019.