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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Das Patentwesen im 17. Jahrhundert.
banken. 1609 wurde die Bank von Amsterdam, 1612 die von Rotter-
dam gegründet.

Englands Handel, durch Elisabeth von dem Joch der Hansa
befreit, entfaltete sich in demselben freiheitlichen Geiste. Die An-
fänge der grossen ostindischen Handelsgesellschaft, welche sich zur
grössten Handelsgesellschaft der Welt entwickelte, fällt in das Jahr
1612, ihre eigentliche Gründung aber erst in das Jahr 1659. Die
überseeischen Länder wurden neue Absatzgebiete in erster Linie für
die englische, dann aber für die ganze europäische Industrie, an
welcher die Eisenindustrie einen sehr bedeutenden Anteil gewann.



Das Patentwesen im 17. Jahrhundert.

In England entwickelte sich in diesem Jahrhundert noch eine Ein-
richtung, welche für die Entwickelung der Industrie von Wichtigkeit
wurde, das Patentwesen. Privilegien und Monopole (Privilegia
exclusiva) waren schon früher erteilt worden, nicht nur auf neue Er-
findungen, sondern auch auf ganze Zweige des Handels und der
Fabrikation. Die Erteilung derselben entstand aus der Regalität und
war ein königliches Vorrecht. In Deutschland war es ursprünglich
nur der Kaiser, der Monopole verleihen konnte und wir werden bei
der Geschichte von Lüttich sehen, dass im 17. Jahrhundert Kaiser
Ferdinand II. verschiedene Privilegien auf neue Erfindungen erteilte.
Da die Erteilung meist nur gegen hohe Abgaben stattfand, so war es
eine wichtige Einnahmequelle der Fürsten, die von denselben häufig
missbraucht wurde, zum Nachteil der Gesamtheit. Dies machte sich
besonders in England fühlbar. Unter der Königin Elisabeth hatten
Handel und Industrie einen grossen Aufschwung genommen. Die
Zahl der Erfindungen mehrte sich, mehr aber noch das Verlangen,
vorteilhafte Monopole zu erlangen. Da die Erteilung derselben eine
Einnahmequelle war, welche noch nicht der Kontrole des Parlaments
unterstand, so war sie der Königin sehr bequem und sie erteilte eine
grosse Zahl von Monopolen und Patenten. Geschah dies von ihr
noch mit Vorsicht und Umsicht, so verlieh ihr Nachfolger Jakob I.
dieselben ganz nach Willkür und Gunst und leitete aus dem vom
Parlament geduldeten Verfahren seiner Vorgänger ein Recht für sich

Das Patentwesen im 17. Jahrhundert.
banken. 1609 wurde die Bank von Amsterdam, 1612 die von Rotter-
dam gegründet.

Englands Handel, durch Elisabeth von dem Joch der Hansa
befreit, entfaltete sich in demselben freiheitlichen Geiste. Die An-
fänge der groſsen ostindischen Handelsgesellschaft, welche sich zur
gröſsten Handelsgesellschaft der Welt entwickelte, fällt in das Jahr
1612, ihre eigentliche Gründung aber erst in das Jahr 1659. Die
überseeischen Länder wurden neue Absatzgebiete in erster Linie für
die englische, dann aber für die ganze europäische Industrie, an
welcher die Eisenindustrie einen sehr bedeutenden Anteil gewann.



Das Patentwesen im 17. Jahrhundert.

In England entwickelte sich in diesem Jahrhundert noch eine Ein-
richtung, welche für die Entwickelung der Industrie von Wichtigkeit
wurde, das Patentwesen. Privilegien und Monopole (Privilegia
exclusiva) waren schon früher erteilt worden, nicht nur auf neue Er-
findungen, sondern auch auf ganze Zweige des Handels und der
Fabrikation. Die Erteilung derselben entstand aus der Regalität und
war ein königliches Vorrecht. In Deutschland war es ursprünglich
nur der Kaiser, der Monopole verleihen konnte und wir werden bei
der Geschichte von Lüttich sehen, daſs im 17. Jahrhundert Kaiser
Ferdinand II. verschiedene Privilegien auf neue Erfindungen erteilte.
Da die Erteilung meist nur gegen hohe Abgaben stattfand, so war es
eine wichtige Einnahmequelle der Fürsten, die von denselben häufig
miſsbraucht wurde, zum Nachteil der Gesamtheit. Dies machte sich
besonders in England fühlbar. Unter der Königin Elisabeth hatten
Handel und Industrie einen groſsen Aufschwung genommen. Die
Zahl der Erfindungen mehrte sich, mehr aber noch das Verlangen,
vorteilhafte Monopole zu erlangen. Da die Erteilung derselben eine
Einnahmequelle war, welche noch nicht der Kontrole des Parlaments
unterstand, so war sie der Königin sehr bequem und sie erteilte eine
groſse Zahl von Monopolen und Patenten. Geschah dies von ihr
noch mit Vorsicht und Umsicht, so verlieh ihr Nachfolger Jakob I.
dieselben ganz nach Willkür und Gunst und leitete aus dem vom
Parlament geduldeten Verfahren seiner Vorgänger ein Recht für sich

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[1032/1054] Das Patentwesen im 17. Jahrhundert. banken. 1609 wurde die Bank von Amsterdam, 1612 die von Rotter- dam gegründet. Englands Handel, durch Elisabeth von dem Joch der Hansa befreit, entfaltete sich in demselben freiheitlichen Geiste. Die An- fänge der groſsen ostindischen Handelsgesellschaft, welche sich zur gröſsten Handelsgesellschaft der Welt entwickelte, fällt in das Jahr 1612, ihre eigentliche Gründung aber erst in das Jahr 1659. Die überseeischen Länder wurden neue Absatzgebiete in erster Linie für die englische, dann aber für die ganze europäische Industrie, an welcher die Eisenindustrie einen sehr bedeutenden Anteil gewann. Das Patentwesen im 17. Jahrhundert. In England entwickelte sich in diesem Jahrhundert noch eine Ein- richtung, welche für die Entwickelung der Industrie von Wichtigkeit wurde, das Patentwesen. Privilegien und Monopole (Privilegia exclusiva) waren schon früher erteilt worden, nicht nur auf neue Er- findungen, sondern auch auf ganze Zweige des Handels und der Fabrikation. Die Erteilung derselben entstand aus der Regalität und war ein königliches Vorrecht. In Deutschland war es ursprünglich nur der Kaiser, der Monopole verleihen konnte und wir werden bei der Geschichte von Lüttich sehen, daſs im 17. Jahrhundert Kaiser Ferdinand II. verschiedene Privilegien auf neue Erfindungen erteilte. Da die Erteilung meist nur gegen hohe Abgaben stattfand, so war es eine wichtige Einnahmequelle der Fürsten, die von denselben häufig miſsbraucht wurde, zum Nachteil der Gesamtheit. Dies machte sich besonders in England fühlbar. Unter der Königin Elisabeth hatten Handel und Industrie einen groſsen Aufschwung genommen. Die Zahl der Erfindungen mehrte sich, mehr aber noch das Verlangen, vorteilhafte Monopole zu erlangen. Da die Erteilung derselben eine Einnahmequelle war, welche noch nicht der Kontrole des Parlaments unterstand, so war sie der Königin sehr bequem und sie erteilte eine groſse Zahl von Monopolen und Patenten. Geschah dies von ihr noch mit Vorsicht und Umsicht, so verlieh ihr Nachfolger Jakob I. dieselben ganz nach Willkür und Gunst und leitete aus dem vom Parlament geduldeten Verfahren seiner Vorgänger ein Recht für sich

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 1032. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1054>, abgerufen am 24.03.2019.