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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Nassau im 17. Jahrhundert.
1649 erzeugt, das günstigste Ausbringen, jedenfalls in Folge besserer
Erze, war im Jahre 1644.

Die Hammerschmiede mussten aus dem Chor Roheisen 71/2 Wagen
geschmiedetes Eisen liefern, was dem Verhältnis der Waag Roheisen
zu Stabeisen von 150 Pfd. zu 120 Pfd. nahe kommt. Der Preis des
geschmiedeten Eisens stand bis 1636 auf 3 Thlr. die Wage, der Thaler
zu 90 Kreuzer (Mk. 12,30 nach heutigem Wert) also ca. Mk. 20 die
100 kg. Die "Waag" Eisen war nach den Sorten verschieden im Ge-
wicht, während 1 Waag Schmiedeeisen 120 Pfd. hatte, rechnete man
die Waag Hufeisen zu 100 Pfd., die Waag Radnägel zu 90 Pfd. Der
Schmiedelohn von einer Waag Stabeisen betrug 8 alb., ausserdem er-
hielt der Schmied 12 fl. 7 alb. für die Unterhaltung des Hammerzeugs
auf ein Jahr. Der Schmelzer erhielt 2 fl. 12 alb. Wochenlohn und
sämtliche Hüttenbeamte vom Hüttenschreiber bis zum Steinpocher
genossen eine gewisse Hüttengebühr an Roheisen, welche 1628 vier
Chor 11 Ctr. betrug. 1637 stieg der Gulden von 27 auf 30 alb. und
änderten sich dementsprechend die Preise und Löhne.

Die Rechnungen aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts be-
ginnen mit dem Jahre 1665. Es fielen

1665 aus 2 Fuder Stein 11 51/68 Ctr. Eisen,
1666 " 1 125/126 " " 12 31/126 " "
1696 " 2 100/122 " " 21 213/245 " "

Das bedeutend höhere Ausbringen ist den reichen Erzen von
Königsberg zuzuschreiben. Die Hüttenreisen waren von 1666 ab länger
als in der ersten Hälfte, in genanntem Jahre 18 Wochen. Die Tages-
produktion blieb gering, sie sank einigemal unter 12 Ctr. und betrug
im Durchschnitt 17--18 Ctr. Die Preise waren in der zweiten Hälfte
des Jahrhunderts etwas höher; Schmiedeeisen war von 3 Thlr. auf
33/4 Thlr. gestiegen. 1673 wurde zu Biedenkopf ein Blechhammer
und 1675 zu Hatzfeld ein Stahlhammer betrieben.



Nassau.

Auch in den nassauischen Landen war die Eisenindustrie
durch den 30jährigen Krieg vielen Drangsalen und vielem Wechsel
ausgesetzt.

Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken, durch welchen die Be-
sitzungen der Walram'schen Linie wieder vereinigt wurden, bemühte sich

Nassau im 17. Jahrhundert.
1649 erzeugt, das günstigste Ausbringen, jedenfalls in Folge besserer
Erze, war im Jahre 1644.

Die Hammerschmiede muſsten aus dem Chor Roheisen 7½ Wagen
geschmiedetes Eisen liefern, was dem Verhältnis der Waag Roheisen
zu Stabeisen von 150 Pfd. zu 120 Pfd. nahe kommt. Der Preis des
geschmiedeten Eisens stand bis 1636 auf 3 Thlr. die Wage, der Thaler
zu 90 Kreuzer (Mk. 12,30 nach heutigem Wert) also ca. Mk. 20 die
100 kg. Die „Waag“ Eisen war nach den Sorten verschieden im Ge-
wicht, während 1 Waag Schmiedeeisen 120 Pfd. hatte, rechnete man
die Waag Hufeisen zu 100 Pfd., die Waag Radnägel zu 90 Pfd. Der
Schmiedelohn von einer Waag Stabeisen betrug 8 alb., auſserdem er-
hielt der Schmied 12 fl. 7 alb. für die Unterhaltung des Hammerzeugs
auf ein Jahr. Der Schmelzer erhielt 2 fl. 12 alb. Wochenlohn und
sämtliche Hüttenbeamte vom Hüttenschreiber bis zum Steinpocher
genossen eine gewisse Hüttengebühr an Roheisen, welche 1628 vier
Chor 11 Ctr. betrug. 1637 stieg der Gulden von 27 auf 30 alb. und
änderten sich dementsprechend die Preise und Löhne.

Die Rechnungen aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts be-
ginnen mit dem Jahre 1665. Es fielen

1665 aus 2 Fuder Stein 11 51/68 Ctr. Eisen,
1666 „ 1 125/126 „ „ 12 31/126 „ „
1696 „ 2 100/122 „ „ 21 213/245 „ „

Das bedeutend höhere Ausbringen ist den reichen Erzen von
Königsberg zuzuschreiben. Die Hüttenreisen waren von 1666 ab länger
als in der ersten Hälfte, in genanntem Jahre 18 Wochen. Die Tages-
produktion blieb gering, sie sank einigemal unter 12 Ctr. und betrug
im Durchschnitt 17—18 Ctr. Die Preise waren in der zweiten Hälfte
des Jahrhunderts etwas höher; Schmiedeeisen war von 3 Thlr. auf
3¾ Thlr. gestiegen. 1673 wurde zu Biedenkopf ein Blechhammer
und 1675 zu Hatzfeld ein Stahlhammer betrieben.



Nassau.

Auch in den nassauischen Landen war die Eisenindustrie
durch den 30jährigen Krieg vielen Drangsalen und vielem Wechsel
ausgesetzt.

Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken, durch welchen die Be-
sitzungen der Walram’schen Linie wieder vereinigt wurden, bemühte sich

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[1079/1101] Nassau im 17. Jahrhundert. 1649 erzeugt, das günstigste Ausbringen, jedenfalls in Folge besserer Erze, war im Jahre 1644. Die Hammerschmiede muſsten aus dem Chor Roheisen 7½ Wagen geschmiedetes Eisen liefern, was dem Verhältnis der Waag Roheisen zu Stabeisen von 150 Pfd. zu 120 Pfd. nahe kommt. Der Preis des geschmiedeten Eisens stand bis 1636 auf 3 Thlr. die Wage, der Thaler zu 90 Kreuzer (Mk. 12,30 nach heutigem Wert) also ca. Mk. 20 die 100 kg. Die „Waag“ Eisen war nach den Sorten verschieden im Ge- wicht, während 1 Waag Schmiedeeisen 120 Pfd. hatte, rechnete man die Waag Hufeisen zu 100 Pfd., die Waag Radnägel zu 90 Pfd. Der Schmiedelohn von einer Waag Stabeisen betrug 8 alb., auſserdem er- hielt der Schmied 12 fl. 7 alb. für die Unterhaltung des Hammerzeugs auf ein Jahr. Der Schmelzer erhielt 2 fl. 12 alb. Wochenlohn und sämtliche Hüttenbeamte vom Hüttenschreiber bis zum Steinpocher genossen eine gewisse Hüttengebühr an Roheisen, welche 1628 vier Chor 11 Ctr. betrug. 1637 stieg der Gulden von 27 auf 30 alb. und änderten sich dementsprechend die Preise und Löhne. Die Rechnungen aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts be- ginnen mit dem Jahre 1665. Es fielen 1665 aus 2 Fuder Stein 11 51/68 Ctr. Eisen, 1666 „ 1 125/126 „ „ 12 31/126 „ „ 1696 „ 2 100/122 „ „ 21 213/245 „ „ Das bedeutend höhere Ausbringen ist den reichen Erzen von Königsberg zuzuschreiben. Die Hüttenreisen waren von 1666 ab länger als in der ersten Hälfte, in genanntem Jahre 18 Wochen. Die Tages- produktion blieb gering, sie sank einigemal unter 12 Ctr. und betrug im Durchschnitt 17—18 Ctr. Die Preise waren in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts etwas höher; Schmiedeeisen war von 3 Thlr. auf 3¾ Thlr. gestiegen. 1673 wurde zu Biedenkopf ein Blechhammer und 1675 zu Hatzfeld ein Stahlhammer betrieben. Nassau. Auch in den nassauischen Landen war die Eisenindustrie durch den 30jährigen Krieg vielen Drangsalen und vielem Wechsel ausgesetzt. Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken, durch welchen die Be- sitzungen der Walram’schen Linie wieder vereinigt wurden, bemühte sich

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 1079. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1101>, abgerufen am 18.07.2019.