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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Belgien im 17. Jahrhundert.
resp. wenn mehr als 1/3 kleine Ware 4 Thlr., wobei die Käufer "die
Figuren der platten und was sonsten gegossen zu werden begehret
und desiderieret werden möchte" schuldig sein sollten, d. h. für die
Tonne 80 Mk. ohne Modellkosten. Später scheint sich der Landgraf
von Hessen von dem Unternehmen zurückgezogen zu haben, denn
1698 verfügt der Kurfürst von Brandenburg allein über das Hütten-
werk. Die Erze bei Neustadt a. d. Dosse hielten aber nicht an.
Ebenso erging es dem Eisenwerke bei Rathenow.

Durch die Erwerbung Pommerns und Stettins und die Er-
leichterung des Handels fand das schwedische Eisen immer mehr
Eingang in Preussen.



Belgien.

Das Lütticher Land erhielt sich seine blühende Eisenindustrie
während des 17. Jahrhunderts und erwarb sich noch mehr wie früher den
Weltmarkt. Die Verhältnisse begünstigten es in hervorragendster
Weise, denn es besass ausser den Eisenerzen in nächster Nähe und den
Holzkohlen der Ardennen, Überfluss an Steinkohlen, deren Flötze un-
mittelbar bei der Stadt zu Tage ausgingen. Dadurch blieb Lüttich
auch bei dem Übergange vom Holzkohlen- zum Steinkohlenbetriebe
im Vorteil und seine Eisenindustrie erlitt keinen Rückgang, sondern
breitete sich immer mehr aus. Die fortschreitende Entwaldung des
Lütticher Landes hatte nur die Folge, dass die Arbeitsteilung sich
schärfer in der Weise vollzog, dass das Grobeisen in den wald- und
erzreicheren Gebieten von Namur, im Hennegau und in Luxemburg
hergestellt wurde, während Lüttich dies weiter verarbeitete zu Facon-
eisen, Feineisen, Blech, Nägeln, Waffen und sonstigen Handelswaren.
Diese Verarbeitung geschah mittelst Steinkohlen. Die Hochöfen, die
sich im Gebiete von Lüttich befanden, arbeiteten meistens auf Guss-
waren, wofür das Land einen alten, begründeten Ruf hatte. Spinola
liess 1624 eiserne Geschütze in Lüttich giessen. -- Pietro Sardi lobt
die eisernen Kanonen von Lüttich allerdings nicht 1). Er sagt, das
Eisen sei spröde und brüchig, was er der Verwendung der Steinkohle
zuschreibt.


1) L'Artigleria de Pietro Sardi Ven. 1621, p. 48.

Belgien im 17. Jahrhundert.
resp. wenn mehr als ⅓ kleine Ware 4 Thlr., wobei die Käufer „die
Figuren der platten und was sonsten gegossen zu werden begehret
und desiderieret werden möchte“ schuldig sein sollten, d. h. für die
Tonne 80 Mk. ohne Modellkosten. Später scheint sich der Landgraf
von Hessen von dem Unternehmen zurückgezogen zu haben, denn
1698 verfügt der Kurfürst von Brandenburg allein über das Hütten-
werk. Die Erze bei Neustadt a. d. Dosse hielten aber nicht an.
Ebenso erging es dem Eisenwerke bei Rathenow.

Durch die Erwerbung Pommerns und Stettins und die Er-
leichterung des Handels fand das schwedische Eisen immer mehr
Eingang in Preuſsen.



Belgien.

Das Lütticher Land erhielt sich seine blühende Eisenindustrie
während des 17. Jahrhunderts und erwarb sich noch mehr wie früher den
Weltmarkt. Die Verhältnisse begünstigten es in hervorragendster
Weise, denn es besaſs auſser den Eisenerzen in nächster Nähe und den
Holzkohlen der Ardennen, Überfluſs an Steinkohlen, deren Flötze un-
mittelbar bei der Stadt zu Tage ausgingen. Dadurch blieb Lüttich
auch bei dem Übergange vom Holzkohlen- zum Steinkohlenbetriebe
im Vorteil und seine Eisenindustrie erlitt keinen Rückgang, sondern
breitete sich immer mehr aus. Die fortschreitende Entwaldung des
Lütticher Landes hatte nur die Folge, daſs die Arbeitsteilung sich
schärfer in der Weise vollzog, daſs das Grobeisen in den wald- und
erzreicheren Gebieten von Namur, im Hennegau und in Luxemburg
hergestellt wurde, während Lüttich dies weiter verarbeitete zu Façon-
eisen, Feineisen, Blech, Nägeln, Waffen und sonstigen Handelswaren.
Diese Verarbeitung geschah mittelst Steinkohlen. Die Hochöfen, die
sich im Gebiete von Lüttich befanden, arbeiteten meistens auf Guſs-
waren, wofür das Land einen alten, begründeten Ruf hatte. Spinola
lieſs 1624 eiserne Geschütze in Lüttich gieſsen. — Pietro Sardi lobt
die eisernen Kanonen von Lüttich allerdings nicht 1). Er sagt, das
Eisen sei spröde und brüchig, was er der Verwendung der Steinkohle
zuschreibt.


1) L’Artigleria de Pietro Sardi Ven. 1621, p. 48.
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[1209/1231] Belgien im 17. Jahrhundert. resp. wenn mehr als ⅓ kleine Ware 4 Thlr., wobei die Käufer „die Figuren der platten und was sonsten gegossen zu werden begehret und desiderieret werden möchte“ schuldig sein sollten, d. h. für die Tonne 80 Mk. ohne Modellkosten. Später scheint sich der Landgraf von Hessen von dem Unternehmen zurückgezogen zu haben, denn 1698 verfügt der Kurfürst von Brandenburg allein über das Hütten- werk. Die Erze bei Neustadt a. d. Dosse hielten aber nicht an. Ebenso erging es dem Eisenwerke bei Rathenow. Durch die Erwerbung Pommerns und Stettins und die Er- leichterung des Handels fand das schwedische Eisen immer mehr Eingang in Preuſsen. Belgien. Das Lütticher Land erhielt sich seine blühende Eisenindustrie während des 17. Jahrhunderts und erwarb sich noch mehr wie früher den Weltmarkt. Die Verhältnisse begünstigten es in hervorragendster Weise, denn es besaſs auſser den Eisenerzen in nächster Nähe und den Holzkohlen der Ardennen, Überfluſs an Steinkohlen, deren Flötze un- mittelbar bei der Stadt zu Tage ausgingen. Dadurch blieb Lüttich auch bei dem Übergange vom Holzkohlen- zum Steinkohlenbetriebe im Vorteil und seine Eisenindustrie erlitt keinen Rückgang, sondern breitete sich immer mehr aus. Die fortschreitende Entwaldung des Lütticher Landes hatte nur die Folge, daſs die Arbeitsteilung sich schärfer in der Weise vollzog, daſs das Grobeisen in den wald- und erzreicheren Gebieten von Namur, im Hennegau und in Luxemburg hergestellt wurde, während Lüttich dies weiter verarbeitete zu Façon- eisen, Feineisen, Blech, Nägeln, Waffen und sonstigen Handelswaren. Diese Verarbeitung geschah mittelst Steinkohlen. Die Hochöfen, die sich im Gebiete von Lüttich befanden, arbeiteten meistens auf Guſs- waren, wofür das Land einen alten, begründeten Ruf hatte. Spinola lieſs 1624 eiserne Geschütze in Lüttich gieſsen. — Pietro Sardi lobt die eisernen Kanonen von Lüttich allerdings nicht 1). Er sagt, das Eisen sei spröde und brüchig, was er der Verwendung der Steinkohle zuschreibt. 1) L’Artigleria de Pietro Sardi Ven. 1621, p. 48.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 1209. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/1231>, abgerufen am 19.03.2019.