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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Mähren.

Ein sehr altes Eisenwerk befand sich ferner zu Holoubkau in
der Herrschaft Zbirow, welches im dreissigjährigen Kriege zerstört
wurde. Mit deren Metallbergbau blühte auch die Eisenindustrie im
16. Jahrhundert. Agricola erwähnt der Eisensteinbergwerke bei
Lessa und Mathesius, diejenigen im Riesengebirge nahe dem Ursprung
der Elbe 1); Letzterer ferner, in der Vorrede zur Sarepta, den schönen
derben Glaskopf bei Platte und den Magneteisenstein bei Gottes-
gabe. Auf diesen beiden Vorkommen wurde von Schneeberger Berg-
leuten gebaut und zwar zu Platte seit 1530, zu Gottesgabe seit
1531 und besonders seit 1534. Auch wurde Zinn daselbst gewonnen.
Damals bereits, sowie im folgenden Jahre, erhielten sie mit Schwarzen-
berg und Schneeberg von Kurfürst Johann Friedrich ihre Ordnung
und Freiheiten 2). Gleichermassen suchten die Kaiser Ferdinand I.
und Maximilian II. den böhmischen Eisenbergbau durch Bergordnungen
und Vergleiche zu heben.



Mähren.

Die reichen Eisenlager in dem mährisch-schlesischen Gesenke
wurden schon in ältester Zeit bebaut (siehe Bd. I, S. 628, 702, 732).
Riesenhafte Pingenzüge zu Klein-Morau und auf dem metallreichen
Hackelsberge bezeugen dies. Von wesentlichem Einfluss auf den
mährischen Bergbau war die Kolonisation von Iglau durch flandrische
Ansiedler. Der Handel von Flandern über Böhmen und Mähren nach
Ungarn wurde schon Anfangs des 13. Jahrhunderts betrieben und wie
in Prag und Brünn, so sollen auch in Iglau den Kern der deutschen
Ansiedlung flandrische Hansen gebildet haben 3). Buchbergsthal wird
als das älteste Eisenwerk in Mähren und Schlesien genannt.

Im Jahre 1215 schenkte Markgraf Wladislaus dem Kloster Hra-
disch bei Olmütz den Wald bei Lasszian und Domstadtl mit den
Bergen, in welchen Eisen gegraben wird. -- Ottokar II. sprach 1269
ebenfalls den Wald dem Kloster zu, gleichermassen die Hütten,
"molendina quae vulgo "hutte" dicuntur ad ferrifodinas
spectantia".


1) Mathesius Sarepta, Predigt, Bd. VIII, S. 356.
2) Otia metallica, Bd. I, S. 28 bis 32.
3) Vergl.: Zur Geschichte des Bergbaues und Hüttenwesens in Mähren und
Österreich.-Schlesien von Christian Ritter d'Elvert. Brünn 1866, S. 12.
Mähren.

Ein sehr altes Eisenwerk befand sich ferner zu Holoubkau in
der Herrschaft Zbirow, welches im dreiſsigjährigen Kriege zerstört
wurde. Mit deren Metallbergbau blühte auch die Eisenindustrie im
16. Jahrhundert. Agricola erwähnt der Eisensteinbergwerke bei
Lessa und Mathesius, diejenigen im Riesengebirge nahe dem Ursprung
der Elbe 1); Letzterer ferner, in der Vorrede zur Sarepta, den schönen
derben Glaskopf bei Platte und den Magneteisenstein bei Gottes-
gabe. Auf diesen beiden Vorkommen wurde von Schneeberger Berg-
leuten gebaut und zwar zu Platte seit 1530, zu Gottesgabe seit
1531 und besonders seit 1534. Auch wurde Zinn daselbst gewonnen.
Damals bereits, sowie im folgenden Jahre, erhielten sie mit Schwarzen-
berg und Schneeberg von Kurfürst Johann Friedrich ihre Ordnung
und Freiheiten 2). Gleichermaſsen suchten die Kaiser Ferdinand I.
und Maximilian II. den böhmischen Eisenbergbau durch Bergordnungen
und Vergleiche zu heben.



Mähren.

Die reichen Eisenlager in dem mährisch-schlesischen Gesenke
wurden schon in ältester Zeit bebaut (siehe Bd. I, S. 628, 702, 732).
Riesenhafte Pingenzüge zu Klein-Morau und auf dem metallreichen
Hackelsberge bezeugen dies. Von wesentlichem Einfluſs auf den
mährischen Bergbau war die Kolonisation von Iglau durch flandrische
Ansiedler. Der Handel von Flandern über Böhmen und Mähren nach
Ungarn wurde schon Anfangs des 13. Jahrhunderts betrieben und wie
in Prag und Brünn, so sollen auch in Iglau den Kern der deutschen
Ansiedlung flandrische Hansen gebildet haben 3). Buchbergsthal wird
als das älteste Eisenwerk in Mähren und Schlesien genannt.

Im Jahre 1215 schenkte Markgraf Wladislaus dem Kloster Hra-
disch bei Olmütz den Wald bei Lasszian und Domstadtl mit den
Bergen, in welchen Eisen gegraben wird. — Ottokar II. sprach 1269
ebenfalls den Wald dem Kloster zu, gleichermaſsen die Hütten,
molendina quae vulgo „hutte“ dicuntur ad ferrifodinas
spectantia“.


1) Mathesius Sarepta, Predigt, Bd. VIII, S. 356.
2) Otia metallica, Bd. I, S. 28 bis 32.
3) Vergl.: Zur Geschichte des Bergbaues und Hüttenwesens in Mähren und
Österreich.-Schlesien von Christian Ritter d’Elvert. Brünn 1866, S. 12.
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[663/0683] Mähren. Ein sehr altes Eisenwerk befand sich ferner zu Holoubkau in der Herrschaft Zbirow, welches im dreiſsigjährigen Kriege zerstört wurde. Mit deren Metallbergbau blühte auch die Eisenindustrie im 16. Jahrhundert. Agricola erwähnt der Eisensteinbergwerke bei Lessa und Mathesius, diejenigen im Riesengebirge nahe dem Ursprung der Elbe 1); Letzterer ferner, in der Vorrede zur Sarepta, den schönen derben Glaskopf bei Platte und den Magneteisenstein bei Gottes- gabe. Auf diesen beiden Vorkommen wurde von Schneeberger Berg- leuten gebaut und zwar zu Platte seit 1530, zu Gottesgabe seit 1531 und besonders seit 1534. Auch wurde Zinn daselbst gewonnen. Damals bereits, sowie im folgenden Jahre, erhielten sie mit Schwarzen- berg und Schneeberg von Kurfürst Johann Friedrich ihre Ordnung und Freiheiten 2). Gleichermaſsen suchten die Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II. den böhmischen Eisenbergbau durch Bergordnungen und Vergleiche zu heben. Mähren. Die reichen Eisenlager in dem mährisch-schlesischen Gesenke wurden schon in ältester Zeit bebaut (siehe Bd. I, S. 628, 702, 732). Riesenhafte Pingenzüge zu Klein-Morau und auf dem metallreichen Hackelsberge bezeugen dies. Von wesentlichem Einfluſs auf den mährischen Bergbau war die Kolonisation von Iglau durch flandrische Ansiedler. Der Handel von Flandern über Böhmen und Mähren nach Ungarn wurde schon Anfangs des 13. Jahrhunderts betrieben und wie in Prag und Brünn, so sollen auch in Iglau den Kern der deutschen Ansiedlung flandrische Hansen gebildet haben 3). Buchbergsthal wird als das älteste Eisenwerk in Mähren und Schlesien genannt. Im Jahre 1215 schenkte Markgraf Wladislaus dem Kloster Hra- disch bei Olmütz den Wald bei Lasszian und Domstadtl mit den Bergen, in welchen Eisen gegraben wird. — Ottokar II. sprach 1269 ebenfalls den Wald dem Kloster zu, gleichermaſsen die Hütten, „molendina quae vulgo „hutte“ dicuntur ad ferrifodinas spectantia“. 1) Mathesius Sarepta, Predigt, Bd. VIII, S. 356. 2) Otia metallica, Bd. I, S. 28 bis 32. 3) Vergl.: Zur Geschichte des Bergbaues und Hüttenwesens in Mähren und Österreich.-Schlesien von Christian Ritter d’Elvert. Brünn 1866, S. 12.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 663. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/683>, abgerufen am 15.11.2019.