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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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DIE GESCHICHTE DES EISENS
IM
SIEBZEHNTEN JAHRHUNDERT
.


Allgemeiner Teil.
Einleitung.

Das 17. Jahrhundert bietet bei weitem nicht die Fülle an-
regenden Stoffes, wie das vorausgegangene. War das 16. Jahr-
hundert, wie wenige gleiche Zeitabschnitte, bewegt von neuen Ent-
deckungen, Erfindungen, Eindrücken und Ideen auf allen Gebieten
der Wissenschaft wie der Praxis, so erscheint uns im Vergleich da-
mit das 17. Jahrhundert teilnamlos, gleichgültig für höhere Bestre-
bungen, arm an neuen Gedanken. Der schwere Druck der politischen
Verhältnisse war die Ursache davon. Ganz Europa hatte darunter
zu leiden, kein Land aber so sehr, wie Deutschland, welches das
grosse, 30 jährige Schlachtfeld wurde, auf dem die religiösen und
politischen Gegensätze in blutigen Kämpfen ausgefochten wurden.
Das Ergebnis dieses brudermörderischen Krieges war ein trauriges:
nirgends ein entscheidender Sieg, überall Erschöpfung, Verarmung,
Verrohung, Rückschritt. Nur ein Resultat des 30 jährigen Krieges
lag klar vor aller Augen: Deutschland war zu Grunde gerichtet.
War das politische Ansehen Deutschlands seit dem Tode Kaiser Karls V.
teils durch die religiösen Wirren, teils durch das Sinken der Kaiser-
macht gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen der Landesfürsten
schon mehr und mehr gesunken, so verwandelte der 30 jährige Krieg
Deutschland nahezu in eine Wüste, bewohnt von verarmten, geäng-
stigten, verwilderten, in Roheit und Unbildung versunkenen Bewoh-
nern, an deren Spitze nur dem Namen nach der deutsche Kaiser stand.

DIE GESCHICHTE DES EISENS
IM
SIEBZEHNTEN JAHRHUNDERT
.


Allgemeiner Teil.
Einleitung.

Das 17. Jahrhundert bietet bei weitem nicht die Fülle an-
regenden Stoffes, wie das vorausgegangene. War das 16. Jahr-
hundert, wie wenige gleiche Zeitabschnitte, bewegt von neuen Ent-
deckungen, Erfindungen, Eindrücken und Ideen auf allen Gebieten
der Wissenschaft wie der Praxis, so erscheint uns im Vergleich da-
mit das 17. Jahrhundert teilnamlos, gleichgültig für höhere Bestre-
bungen, arm an neuen Gedanken. Der schwere Druck der politischen
Verhältnisse war die Ursache davon. Ganz Europa hatte darunter
zu leiden, kein Land aber so sehr, wie Deutschland, welches das
groſse, 30 jährige Schlachtfeld wurde, auf dem die religiösen und
politischen Gegensätze in blutigen Kämpfen ausgefochten wurden.
Das Ergebnis dieses brudermörderischen Krieges war ein trauriges:
nirgends ein entscheidender Sieg, überall Erschöpfung, Verarmung,
Verrohung, Rückschritt. Nur ein Resultat des 30 jährigen Krieges
lag klar vor aller Augen: Deutschland war zu Grunde gerichtet.
War das politische Ansehen Deutschlands seit dem Tode Kaiser Karls V.
teils durch die religiösen Wirren, teils durch das Sinken der Kaiser-
macht gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen der Landesfürsten
schon mehr und mehr gesunken, so verwandelte der 30 jährige Krieg
Deutschland nahezu in eine Wüste, bewohnt von verarmten, geäng-
stigten, verwilderten, in Roheit und Unbildung versunkenen Bewoh-
nern, an deren Spitze nur dem Namen nach der deutsche Kaiser stand.

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[[909]/0931] DIE GESCHICHTE DES EISENS IM SIEBZEHNTEN JAHRHUNDERT. Allgemeiner Teil. Einleitung. Das 17. Jahrhundert bietet bei weitem nicht die Fülle an- regenden Stoffes, wie das vorausgegangene. War das 16. Jahr- hundert, wie wenige gleiche Zeitabschnitte, bewegt von neuen Ent- deckungen, Erfindungen, Eindrücken und Ideen auf allen Gebieten der Wissenschaft wie der Praxis, so erscheint uns im Vergleich da- mit das 17. Jahrhundert teilnamlos, gleichgültig für höhere Bestre- bungen, arm an neuen Gedanken. Der schwere Druck der politischen Verhältnisse war die Ursache davon. Ganz Europa hatte darunter zu leiden, kein Land aber so sehr, wie Deutschland, welches das groſse, 30 jährige Schlachtfeld wurde, auf dem die religiösen und politischen Gegensätze in blutigen Kämpfen ausgefochten wurden. Das Ergebnis dieses brudermörderischen Krieges war ein trauriges: nirgends ein entscheidender Sieg, überall Erschöpfung, Verarmung, Verrohung, Rückschritt. Nur ein Resultat des 30 jährigen Krieges lag klar vor aller Augen: Deutschland war zu Grunde gerichtet. War das politische Ansehen Deutschlands seit dem Tode Kaiser Karls V. teils durch die religiösen Wirren, teils durch das Sinken der Kaiser- macht gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen der Landesfürsten schon mehr und mehr gesunken, so verwandelte der 30 jährige Krieg Deutschland nahezu in eine Wüste, bewohnt von verarmten, geäng- stigten, verwilderten, in Roheit und Unbildung versunkenen Bewoh- nern, an deren Spitze nur dem Namen nach der deutsche Kaiser stand.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. [909]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/931>, abgerufen am 21.03.2019.