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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Litteratur im 17. Jahrhundert.
Litteratur im 17. Jahrhundert.

Von deutschen Büchern über das Hüttenwesen ist nur eins vor-
handen, welches sich eines grossen Einflusses rühmen konnte,
G. J. Löhneiss, Bericht von den Bergwerken, und wenn man
dieses Werk bei Licht betrachtet, enthält es in der Hauptsache nichts
als Auszüge aus Agricolas vortrefflichem Buche de re metallica, und
aus den Harzer Berg- und Hüttenordnungen des Herzogs Julius von
Braunschweig. Trotzdem verdient dasselbe Beachtung schon darum,
weil es sich lange Zeit eines hohen Ansehens erfreute.

Georg Engelhard von Löhneiss (auch Löhneis, Löhn-
eissen
), von Geburt ein Pfälzer, war zuerst Stallmeister bei Kurfürst
August von Sachsen, trat dann 1583 in die Dienste von dessen Schwieger-
sohn, Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, zunächst eben-
falls als Stallmeister. Bei des Prinzen Regierungsantritt 1589 berief
ihn aber dieser zu dem wichtigen Amte eines Berghauptmanns.
Löhneiss erfreute sich der persönlichen Gunst seiner Fürsten, welche
sich selbst durch hohe geistige Bildung auszeichneten, in hohem Masse.
Kurfürst August war ein hervorragender Kameralist, Herzog Heinrich
Julius ein gelehrter Jurist. Von beiden hat der genial begabte
Löhneiss viel gelernt. An Anerkennung und materiellem Lohne
fehlte es ihm nicht. Er wurde ein vornehmer Herr, kaufte Ritter-
güter und legte sich den Namen Erbherr von Remlingen und Neun-
dorf bei. Durch einen Streit mit seinem Verleger veranlasst, legte er
sich eine eigene Druckerei in seinem Schloss zu Remlingen an und
gab seine Werke im Selbstverlag heraus. Dieselben zeichnen sich
deshalb in Druck und Ausstattung, namentlich in Bezug auf die
Illustrationen, aus. Er hielt sich dafür eigene Kupferstecher und
Holzschneider. Drei Hauptwerke veröffentlichte er in dieser Weise, die
alle hervorragend sind und grossen Beifall fanden: 1) Della Cavalleria
s. d. arte equitandi exercitiis equestribus et torneamentis (mit vielen
Abbildungen): gründlicher Bericht von allem, was der löblichen Reiterei
gehörig und einem Kavalier zu wissen von Nöten etc. 2) Bericht vom
Bergwerke, wie man dieselben bauen und in guten Wohlstand bringen
soll -- Zellerfeld 1617, dem seit 1613 regierenden Herzog Friedrich
Ulrich gewidmet, und 3) Aulico-politica oder Hof-, Staats- und
Regierungskunst -- Remlingen 1622--24. Der 30 jährige Krieg, der

Litteratur im 17. Jahrhundert.
Litteratur im 17. Jahrhundert.

Von deutschen Büchern über das Hüttenwesen ist nur eins vor-
handen, welches sich eines groſsen Einflusses rühmen konnte,
G. J. Löhneiſs, Bericht von den Bergwerken, und wenn man
dieses Werk bei Licht betrachtet, enthält es in der Hauptsache nichts
als Auszüge aus Agricolas vortrefflichem Buche de re metallica, und
aus den Harzer Berg- und Hüttenordnungen des Herzogs Julius von
Braunschweig. Trotzdem verdient daſselbe Beachtung schon darum,
weil es sich lange Zeit eines hohen Ansehens erfreute.

Georg Engelhard von Löhneiſs (auch Löhneis, Löhn-
eiſsen
), von Geburt ein Pfälzer, war zuerst Stallmeister bei Kurfürst
August von Sachsen, trat dann 1583 in die Dienste von dessen Schwieger-
sohn, Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, zunächst eben-
falls als Stallmeister. Bei des Prinzen Regierungsantritt 1589 berief
ihn aber dieser zu dem wichtigen Amte eines Berghauptmanns.
Löhneiſs erfreute sich der persönlichen Gunst seiner Fürsten, welche
sich selbst durch hohe geistige Bildung auszeichneten, in hohem Maſse.
Kurfürst August war ein hervorragender Kameralist, Herzog Heinrich
Julius ein gelehrter Jurist. Von beiden hat der genial begabte
Löhneiſs viel gelernt. An Anerkennung und materiellem Lohne
fehlte es ihm nicht. Er wurde ein vornehmer Herr, kaufte Ritter-
güter und legte sich den Namen Erbherr von Remlingen und Neun-
dorf bei. Durch einen Streit mit seinem Verleger veranlaſst, legte er
sich eine eigene Druckerei in seinem Schloſs zu Remlingen an und
gab seine Werke im Selbstverlag heraus. Dieselben zeichnen sich
deshalb in Druck und Ausstattung, namentlich in Bezug auf die
Illustrationen, aus. Er hielt sich dafür eigene Kupferstecher und
Holzschneider. Drei Hauptwerke veröffentlichte er in dieser Weise, die
alle hervorragend sind und groſsen Beifall fanden: 1) Della Cavalleria
s. d. arte equitandi exercitiis equestribus et torneamentis (mit vielen
Abbildungen): gründlicher Bericht von allem, was der löblichen Reiterei
gehörig und einem Kavalier zu wissen von Nöten etc. 2) Bericht vom
Bergwerke, wie man dieselben bauen und in guten Wohlstand bringen
soll — Zellerfeld 1617, dem seit 1613 regierenden Herzog Friedrich
Ulrich gewidmet, und 3) Aulico-politica oder Hof-, Staats- und
Regierungskunst — Remlingen 1622—24. Der 30 jährige Krieg, der

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[911/0933] Litteratur im 17. Jahrhundert. Litteratur im 17. Jahrhundert. Von deutschen Büchern über das Hüttenwesen ist nur eins vor- handen, welches sich eines groſsen Einflusses rühmen konnte, G. J. Löhneiſs, Bericht von den Bergwerken, und wenn man dieses Werk bei Licht betrachtet, enthält es in der Hauptsache nichts als Auszüge aus Agricolas vortrefflichem Buche de re metallica, und aus den Harzer Berg- und Hüttenordnungen des Herzogs Julius von Braunschweig. Trotzdem verdient daſselbe Beachtung schon darum, weil es sich lange Zeit eines hohen Ansehens erfreute. Georg Engelhard von Löhneiſs (auch Löhneis, Löhn- eiſsen), von Geburt ein Pfälzer, war zuerst Stallmeister bei Kurfürst August von Sachsen, trat dann 1583 in die Dienste von dessen Schwieger- sohn, Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, zunächst eben- falls als Stallmeister. Bei des Prinzen Regierungsantritt 1589 berief ihn aber dieser zu dem wichtigen Amte eines Berghauptmanns. Löhneiſs erfreute sich der persönlichen Gunst seiner Fürsten, welche sich selbst durch hohe geistige Bildung auszeichneten, in hohem Maſse. Kurfürst August war ein hervorragender Kameralist, Herzog Heinrich Julius ein gelehrter Jurist. Von beiden hat der genial begabte Löhneiſs viel gelernt. An Anerkennung und materiellem Lohne fehlte es ihm nicht. Er wurde ein vornehmer Herr, kaufte Ritter- güter und legte sich den Namen Erbherr von Remlingen und Neun- dorf bei. Durch einen Streit mit seinem Verleger veranlaſst, legte er sich eine eigene Druckerei in seinem Schloſs zu Remlingen an und gab seine Werke im Selbstverlag heraus. Dieselben zeichnen sich deshalb in Druck und Ausstattung, namentlich in Bezug auf die Illustrationen, aus. Er hielt sich dafür eigene Kupferstecher und Holzschneider. Drei Hauptwerke veröffentlichte er in dieser Weise, die alle hervorragend sind und groſsen Beifall fanden: 1) Della Cavalleria s. d. arte equitandi exercitiis equestribus et torneamentis (mit vielen Abbildungen): gründlicher Bericht von allem, was der löblichen Reiterei gehörig und einem Kavalier zu wissen von Nöten etc. 2) Bericht vom Bergwerke, wie man dieselben bauen und in guten Wohlstand bringen soll — Zellerfeld 1617, dem seit 1613 regierenden Herzog Friedrich Ulrich gewidmet, und 3) Aulico-politica oder Hof-, Staats- und Regierungskunst — Remlingen 1622—24. Der 30 jährige Krieg, der

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 911. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/933>, abgerufen am 25.03.2019.