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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert.
herumgefahren sei. An den vorderen Rädern sei das Triebwerk ge-
wesen, daran sei noch ein Wasserspeier, der die Leute, welche den
Weg versperrten, forttrieb.

Auf Gottfried Hautsch, einen Sohn des Vorgenannten, der
ein vortrefflicher Eisenarbeiter war und mancherlei neues Kriegs-
gerät konstruierte, werden wir noch später zu sprechen kommen.

Eine wichtige Erfindung für die Nadelfabrikation wurde 1680
zu Nürnberg gemacht, nämlich die der Wippe zum Anköpfen der
Stecknadeln. Der Name des Erfinders ist unbekannt.



Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert.

Ehe wir auf diejenigen mechanischen Verbesserungen im 17. Jahr-
hundert, welche für die Eisenindustrie von besonderer Wichtig-
keit waren, näher eingehen, wollen wir eine Erfindung betrachten,
welche wenigstens einen gewissen theoretischen Abschluss am Schluss
dieser Periode fand, wenn auch ihre praktische Verwendbarkeit erst
im folgenden Jahrhundert gesucht und gefunden wurde. Es ist dies
die Erfindung der Dampfmaschine, des wichtigsten Werk-
zeuges des Menschengeschlechts, deren zweckmässige Nutzbarmachung
durch James Watt der Ausgangspunkt unserer heutigen Eisen-
industrie geworden ist und unsere ganze moderne Industrie ge-
schaffen hat.

Ob Blasco de Garays Schiffsmaschine durch Dampf bewegt
wurde, ist in völliges Dunkel gehüllt. Auch von der Maschine, welche
Wasser mit Feuer aus dem Bergwerke heben soll, welche Mathesius
erwähnt, wissen wir nichts. Dass aber der Dampf als motorische
Kraft benutzt werden könne, diesen Gedanken finden wir bei
mehreren Gelehrten zu Anfang des 17. Jahrhunderts ausgesprochen.
Giambettista della Porta hat in seinem Werke: Pneumaticorum
libri tres 1601 bereits einen Apparat beschrieben, in welchem Wasser
durch Dampf in die Höhe gepresst wird und bei dem der Dampf-
erzeuger (Dampfkessel) von dem Wasserkasten getrennt ist. Dort
heisst es Kapitel VII: Um zu wissen, in wieviel Luft sich
eine gewisse Wassermenge auflöst
, mache man sich einen
Kasten BC (Fig. 197, a. f. S.) von Glas oder Zinn. Er sei am Boden durch-

Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert.
herumgefahren sei. An den vorderen Rädern sei das Triebwerk ge-
wesen, daran sei noch ein Wasserspeier, der die Leute, welche den
Weg versperrten, forttrieb.

Auf Gottfried Hautsch, einen Sohn des Vorgenannten, der
ein vortrefflicher Eisenarbeiter war und mancherlei neues Kriegs-
gerät konstruierte, werden wir noch später zu sprechen kommen.

Eine wichtige Erfindung für die Nadelfabrikation wurde 1680
zu Nürnberg gemacht, nämlich die der Wippe zum Anköpfen der
Stecknadeln. Der Name des Erfinders ist unbekannt.



Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert.

Ehe wir auf diejenigen mechanischen Verbesserungen im 17. Jahr-
hundert, welche für die Eisenindustrie von besonderer Wichtig-
keit waren, näher eingehen, wollen wir eine Erfindung betrachten,
welche wenigstens einen gewissen theoretischen Abschluſs am Schluſs
dieser Periode fand, wenn auch ihre praktische Verwendbarkeit erst
im folgenden Jahrhundert gesucht und gefunden wurde. Es ist dies
die Erfindung der Dampfmaschine, des wichtigsten Werk-
zeuges des Menschengeschlechts, deren zweckmäſsige Nutzbarmachung
durch James Watt der Ausgangspunkt unserer heutigen Eisen-
industrie geworden ist und unsere ganze moderne Industrie ge-
schaffen hat.

Ob Blasco de Garays Schiffsmaschine durch Dampf bewegt
wurde, ist in völliges Dunkel gehüllt. Auch von der Maschine, welche
Wasser mit Feuer aus dem Bergwerke heben soll, welche Mathesius
erwähnt, wissen wir nichts. Daſs aber der Dampf als motorische
Kraft benutzt werden könne, diesen Gedanken finden wir bei
mehreren Gelehrten zu Anfang des 17. Jahrhunderts ausgesprochen.
Giambettista della Porta hat in seinem Werke: Pneumaticorum
libri tres 1601 bereits einen Apparat beschrieben, in welchem Wasser
durch Dampf in die Höhe gepreſst wird und bei dem der Dampf-
erzeuger (Dampfkessel) von dem Wasserkasten getrennt ist. Dort
heiſst es Kapitel VII: Um zu wissen, in wieviel Luft sich
eine gewisse Wassermenge auflöst
, mache man sich einen
Kasten BC (Fig. 197, a. f. S.) von Glas oder Zinn. Er sei am Boden durch-

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[919/0941] Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert. herumgefahren sei. An den vorderen Rädern sei das Triebwerk ge- wesen, daran sei noch ein Wasserspeier, der die Leute, welche den Weg versperrten, forttrieb. Auf Gottfried Hautsch, einen Sohn des Vorgenannten, der ein vortrefflicher Eisenarbeiter war und mancherlei neues Kriegs- gerät konstruierte, werden wir noch später zu sprechen kommen. Eine wichtige Erfindung für die Nadelfabrikation wurde 1680 zu Nürnberg gemacht, nämlich die der Wippe zum Anköpfen der Stecknadeln. Der Name des Erfinders ist unbekannt. Die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert. Ehe wir auf diejenigen mechanischen Verbesserungen im 17. Jahr- hundert, welche für die Eisenindustrie von besonderer Wichtig- keit waren, näher eingehen, wollen wir eine Erfindung betrachten, welche wenigstens einen gewissen theoretischen Abschluſs am Schluſs dieser Periode fand, wenn auch ihre praktische Verwendbarkeit erst im folgenden Jahrhundert gesucht und gefunden wurde. Es ist dies die Erfindung der Dampfmaschine, des wichtigsten Werk- zeuges des Menschengeschlechts, deren zweckmäſsige Nutzbarmachung durch James Watt der Ausgangspunkt unserer heutigen Eisen- industrie geworden ist und unsere ganze moderne Industrie ge- schaffen hat. Ob Blasco de Garays Schiffsmaschine durch Dampf bewegt wurde, ist in völliges Dunkel gehüllt. Auch von der Maschine, welche Wasser mit Feuer aus dem Bergwerke heben soll, welche Mathesius erwähnt, wissen wir nichts. Daſs aber der Dampf als motorische Kraft benutzt werden könne, diesen Gedanken finden wir bei mehreren Gelehrten zu Anfang des 17. Jahrhunderts ausgesprochen. Giambettista della Porta hat in seinem Werke: Pneumaticorum libri tres 1601 bereits einen Apparat beschrieben, in welchem Wasser durch Dampf in die Höhe gepreſst wird und bei dem der Dampf- erzeuger (Dampfkessel) von dem Wasserkasten getrennt ist. Dort heiſst es Kapitel VII: Um zu wissen, in wieviel Luft sich eine gewisse Wassermenge auflöst, mache man sich einen Kasten BC (Fig. 197, a. f. S.) von Glas oder Zinn. Er sei am Boden durch-

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 919. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/941>, abgerufen am 15.11.2019.