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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Gebläse im 17. Jahrhundert.
würde, um es trotz der beträchtlichen Verluste in die Höhe zu
bringen. Und in der That, als die Operationen fortgesetzt wurden,
sahen wir vier- oder fünfmal das Wasser bis zum Ende des Rohres
steigen. Man versuchte nun, dieses mit neuem Kitt zu dichten, da
es aber sehr warm war, fiel eine grosse Menge in die Röhren und
auf die Ventile, welche sich dadurch bei dem zweiten Versuche, den
man anstellen wollte, nicht mehr richtig schlossen. -- Der Landgraf
gab Befehl, ein neues Steigrohr aus verlöteten Kupferteilen anzu-
fertigen. Dies geschah auch, aber das Rohr blieb jahrelang unbenutzt
liegen, bis es zu anderen Zwecken verwendet wurde.

Papins geniale Erfindung hatte keinen unmittelbaren Erfolg; sie
blieb die verkannte That des Genies. -- Saverys Maschine dagegen
wurde in England durch Verbesserungen nutzbringend gemacht. Die
weitere Entwickelung der Dampfmaschine gehört aber in die Ge-
schichte des 18. Jahrhunderts. Für die Eisenindustrie blieb die Dampf-
maschine im 17. Jahrhundert noch ohne alle Bedeutung.



Gebläse im 17. Jahrhundert.

Eine andere einfachere Erfindung hat für die Eisenindustrie in
dieser Periode eine hervorragende Bedeutung erlangt, nämlich die
der Holzblasebälge. Sie bestand darin, dass man die Seitenwände
des Blasebalges statt aus Leder aus Holz anfertigte und den einen der
beiden Balgteile beweglich machte, so dass sich entweder der Ober-
kasten um den Boden, oder der Boden in dem Oberkasten bewegte.
Ersteres war die ältere Konstruktion. Der Deckel war mit den
hölzernen Seitenwänden zu einem Kasten von dreieckigem Querschnitt
verbunden und bildete den Oberkasten, welcher mit dem Boden
durch ein charnierartiges Schloss verbunden, sich diesem zu bewegte.

Fig. 204 zeigt einen Holzblasebalg in senkrechtem Längendurch-
schnitt, Fig. 205 den Unterkasten in der oberen Ansicht. a ist der
Oberkasten, dessen durchbohrter Balgkopf durch das Schloss oder
Charnier f mit dem Boden oder Unterkasten verbunden ist. Der
Oberkasten bewegt sich um den Stift des Schlosses f auf und nieder.
In dem Unterkasten b ist das Deckelventil e eingelassen. Um den

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würde, um es trotz der beträchtlichen Verluste in die Höhe zu
bringen. Und in der That, als die Operationen fortgesetzt wurden,
sahen wir vier- oder fünfmal das Wasser bis zum Ende des Rohres
steigen. Man versuchte nun, dieses mit neuem Kitt zu dichten, da
es aber sehr warm war, fiel eine groſse Menge in die Röhren und
auf die Ventile, welche sich dadurch bei dem zweiten Versuche, den
man anstellen wollte, nicht mehr richtig schlossen. — Der Landgraf
gab Befehl, ein neues Steigrohr aus verlöteten Kupferteilen anzu-
fertigen. Dies geschah auch, aber das Rohr blieb jahrelang unbenutzt
liegen, bis es zu anderen Zwecken verwendet wurde.

Papins geniale Erfindung hatte keinen unmittelbaren Erfolg; sie
blieb die verkannte That des Genies. — Saverys Maschine dagegen
wurde in England durch Verbesserungen nutzbringend gemacht. Die
weitere Entwickelung der Dampfmaschine gehört aber in die Ge-
schichte des 18. Jahrhunderts. Für die Eisenindustrie blieb die Dampf-
maschine im 17. Jahrhundert noch ohne alle Bedeutung.



Gebläse im 17. Jahrhundert.

Eine andere einfachere Erfindung hat für die Eisenindustrie in
dieser Periode eine hervorragende Bedeutung erlangt, nämlich die
der Holzblasebälge. Sie bestand darin, daſs man die Seitenwände
des Blasebalges statt aus Leder aus Holz anfertigte und den einen der
beiden Balgteile beweglich machte, so daſs sich entweder der Ober-
kasten um den Boden, oder der Boden in dem Oberkasten bewegte.
Ersteres war die ältere Konstruktion. Der Deckel war mit den
hölzernen Seitenwänden zu einem Kasten von dreieckigem Querschnitt
verbunden und bildete den Oberkasten, welcher mit dem Boden
durch ein charnierartiges Schloſs verbunden, sich diesem zu bewegte.

Fig. 204 zeigt einen Holzblasebalg in senkrechtem Längendurch-
schnitt, Fig. 205 den Unterkasten in der oberen Ansicht. a ist der
Oberkasten, dessen durchbohrter Balgkopf durch das Schloſs oder
Charnier f mit dem Boden oder Unterkasten verbunden ist. Der
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In dem Unterkasten b ist das Deckelventil e eingelassen. Um den

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[938/0960] Gebläse im 17. Jahrhundert. würde, um es trotz der beträchtlichen Verluste in die Höhe zu bringen. Und in der That, als die Operationen fortgesetzt wurden, sahen wir vier- oder fünfmal das Wasser bis zum Ende des Rohres steigen. Man versuchte nun, dieses mit neuem Kitt zu dichten, da es aber sehr warm war, fiel eine groſse Menge in die Röhren und auf die Ventile, welche sich dadurch bei dem zweiten Versuche, den man anstellen wollte, nicht mehr richtig schlossen. — Der Landgraf gab Befehl, ein neues Steigrohr aus verlöteten Kupferteilen anzu- fertigen. Dies geschah auch, aber das Rohr blieb jahrelang unbenutzt liegen, bis es zu anderen Zwecken verwendet wurde. Papins geniale Erfindung hatte keinen unmittelbaren Erfolg; sie blieb die verkannte That des Genies. — Saverys Maschine dagegen wurde in England durch Verbesserungen nutzbringend gemacht. Die weitere Entwickelung der Dampfmaschine gehört aber in die Ge- schichte des 18. Jahrhunderts. Für die Eisenindustrie blieb die Dampf- maschine im 17. Jahrhundert noch ohne alle Bedeutung. Gebläse im 17. Jahrhundert. Eine andere einfachere Erfindung hat für die Eisenindustrie in dieser Periode eine hervorragende Bedeutung erlangt, nämlich die der Holzblasebälge. Sie bestand darin, daſs man die Seitenwände des Blasebalges statt aus Leder aus Holz anfertigte und den einen der beiden Balgteile beweglich machte, so daſs sich entweder der Ober- kasten um den Boden, oder der Boden in dem Oberkasten bewegte. Ersteres war die ältere Konstruktion. Der Deckel war mit den hölzernen Seitenwänden zu einem Kasten von dreieckigem Querschnitt verbunden und bildete den Oberkasten, welcher mit dem Boden durch ein charnierartiges Schloſs verbunden, sich diesem zu bewegte. Fig. 204 zeigt einen Holzblasebalg in senkrechtem Längendurch- schnitt, Fig. 205 den Unterkasten in der oberen Ansicht. a ist der Oberkasten, dessen durchbohrter Balgkopf durch das Schloſs oder Charnier f mit dem Boden oder Unterkasten verbunden ist. Der Oberkasten bewegt sich um den Stift des Schlosses f auf und nieder. In dem Unterkasten b ist das Deckelventil e eingelassen. Um den

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 938. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/960>, abgerufen am 24.03.2019.