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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.

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Grossbritannien 1861 bis 1870.
Grossbritannien 1861 bis 1870.

Englands Führerschaft in der Eisenindustrie der Welt war in
diesem Zeitraum noch unbestritten und gewann noch durch seine
grossartige Produktionssteigerung an Bedeutung.

Über die Eisenindustrie Grossbritanniens in den sechziger
Jahren geben eine Anzahl guter Abhandlungen und Percys Werk
über Eisen und Stahl Auskunft.

An der Spitze der ersteren steht die mehrerwähnte vortreffliche
Arbeit von Gruner und Lan vom Jahre 1861 1). Nach dieser sollen

[Abbildung] Fig. 124.
die Produktionskosten des
Eisens seit etwa 30 Jahren
ziemlich unverändert ge-
blieben sein, indem das
Steigen der Löhne durch
technische Verbesserungen
ausgeglichen wurde. Der
Steinkohlenverbrauch bei
den Hochöfen war seit 1830
von 4 Tonnen auf 21/2 Tonnen
für 1 Tonne Eisen gesunken.
Die Produktion hatte sich
mehr als verdoppelt.

In Wales verhüttete man
in ausgedehntem Massstabe
Frischschlacken zur An-
reicherung des Möllers,
während dies in Cleveland
und Schottland nur aus-
nahmsweise geschah. Die
Ableitung und Benutzung
der Hochofengase war allgemeiner geworden, bei den weiten Gichten
musste diese aber in der Mitte, nicht am Rande stattfinden. Hochöfen
mit besonderen Gestellen wendete man für Qualitätseisen und streng-
flüssige Erze, wie die von Cleveland, an, sonst zog man solche ohne
Gestelle vor. Die Höhe der Öfen war vom Brennmaterial abhängig.
Bei sehr festem Koks, wie zu Newcastle und Cleveland, baute man
die Hochöfen sehr hoch -- bis 103 engl. Fuss (30,50 m). Anthrazit
erforderte niedrige Öfen. Man rechnete auf die Tonne Roheisen

1) Etat present de la Metallurgie du Fer en Angleterre par M. Gruner et
M. Lan, Paris 1862 und Annales des Mines 1861, XIX.
Groſsbritannien 1861 bis 1870.
Groſsbritannien 1861 bis 1870.

Englands Führerschaft in der Eisenindustrie der Welt war in
diesem Zeitraum noch unbestritten und gewann noch durch seine
groſsartige Produktionssteigerung an Bedeutung.

Über die Eisenindustrie Groſsbritanniens in den sechziger
Jahren geben eine Anzahl guter Abhandlungen und Percys Werk
über Eisen und Stahl Auskunft.

An der Spitze der ersteren steht die mehrerwähnte vortreffliche
Arbeit von Gruner und Lan vom Jahre 1861 1). Nach dieser sollen

[Abbildung] Fig. 124.
die Produktionskosten des
Eisens seit etwa 30 Jahren
ziemlich unverändert ge-
blieben sein, indem das
Steigen der Löhne durch
technische Verbesserungen
ausgeglichen wurde. Der
Steinkohlenverbrauch bei
den Hochöfen war seit 1830
von 4 Tonnen auf 2½ Tonnen
für 1 Tonne Eisen gesunken.
Die Produktion hatte sich
mehr als verdoppelt.

In Wales verhüttete man
in ausgedehntem Maſsstabe
Frischschlacken zur An-
reicherung des Möllers,
während dies in Cleveland
und Schottland nur aus-
nahmsweise geschah. Die
Ableitung und Benutzung
der Hochofengase war allgemeiner geworden, bei den weiten Gichten
muſste diese aber in der Mitte, nicht am Rande stattfinden. Hochöfen
mit besonderen Gestellen wendete man für Qualitätseisen und streng-
flüssige Erze, wie die von Cleveland, an, sonst zog man solche ohne
Gestelle vor. Die Höhe der Öfen war vom Brennmaterial abhängig.
Bei sehr festem Koks, wie zu Newcastle und Cleveland, baute man
die Hochöfen sehr hoch — bis 103 engl. Fuſs (30,50 m). Anthrazit
erforderte niedrige Öfen. Man rechnete auf die Tonne Roheisen

1) État présent de la Métallurgie du Fer en Angleterre par M. Gruner et
M. Lan, Paris 1862 und Annales des Mines 1861, XIX.
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[234/0250] Groſsbritannien 1861 bis 1870. Groſsbritannien 1861 bis 1870. Englands Führerschaft in der Eisenindustrie der Welt war in diesem Zeitraum noch unbestritten und gewann noch durch seine groſsartige Produktionssteigerung an Bedeutung. Über die Eisenindustrie Groſsbritanniens in den sechziger Jahren geben eine Anzahl guter Abhandlungen und Percys Werk über Eisen und Stahl Auskunft. An der Spitze der ersteren steht die mehrerwähnte vortreffliche Arbeit von Gruner und Lan vom Jahre 1861 1). Nach dieser sollen [Abbildung Fig. 124.] die Produktionskosten des Eisens seit etwa 30 Jahren ziemlich unverändert ge- blieben sein, indem das Steigen der Löhne durch technische Verbesserungen ausgeglichen wurde. Der Steinkohlenverbrauch bei den Hochöfen war seit 1830 von 4 Tonnen auf 2½ Tonnen für 1 Tonne Eisen gesunken. Die Produktion hatte sich mehr als verdoppelt. In Wales verhüttete man in ausgedehntem Maſsstabe Frischschlacken zur An- reicherung des Möllers, während dies in Cleveland und Schottland nur aus- nahmsweise geschah. Die Ableitung und Benutzung der Hochofengase war allgemeiner geworden, bei den weiten Gichten muſste diese aber in der Mitte, nicht am Rande stattfinden. Hochöfen mit besonderen Gestellen wendete man für Qualitätseisen und streng- flüssige Erze, wie die von Cleveland, an, sonst zog man solche ohne Gestelle vor. Die Höhe der Öfen war vom Brennmaterial abhängig. Bei sehr festem Koks, wie zu Newcastle und Cleveland, baute man die Hochöfen sehr hoch — bis 103 engl. Fuſs (30,50 m). Anthrazit erforderte niedrige Öfen. Man rechnete auf die Tonne Roheisen 1) État présent de la Métallurgie du Fer en Angleterre par M. Gruner et M. Lan, Paris 1862 und Annales des Mines 1861, XIX.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 234. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/250>, abgerufen am 24.03.2019.