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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.

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Frankreich 1861 bis 1870.
der Erde zusammengenommen; sie betrug 511/2 Prozent der Welt-
produktion, während sie 1870 nur noch 496/10 Prozent betrug, immerhin
noch fast die Hälfte. Zu dieser grossen Produktionssteigerung war
die rasche Ausbreitung des Bessemerverfahrens in diesem Zeitraum
die hauptsächliche Veranlassung. Die Flusseisenerzeugung betrug
1870 (nach P. Trassenster) 350 kt, die Schweisseisenerzeugung
2600 kt. Nach anderen Angaben wurden 1870 215 kt Bessemerfluss-
eisen und 11 kt Flammofenflusseisen erzeugt. 1866 waren 150 kt
Bessemerflusseisen dargestellt worden.

Frankreich 1861 bis 1870.

Frankreich nahm hinsichtlich seiner Eisenerzeugung Anfang
der sechziger Jahre noch die zweite Stelle ein, wurde aber im Laufe
derselben von den Vereinigten Staaten und von Deutschland über-
flügelt.

1860 schloss Napoleon III. den Handelsvertrag mit England,
welcher einen grossartigen Aufschwung der französischen Industrie
zur Folge hatte, besonders auch der Maschinenfabriken und Eisen-
giessereien. Neue Eisenbahnen und Kanäle, darunter besonders der
Saarkanal, wurden erbaut. Dies alles gab der einheimischen Eisen-
industrie reichliche Beschäftigung. Die alte Holzkohlenindustrie trat
mehr und mehr hinter der sich immer grossartiger entfaltenden Stein-
kohlenindustrie zurück. In den zehn Jahren von 1855 bis 1864 hat
die Roheisenproduktion im ganzen um 57 Prozent zugenommen,
während die Holzkohlen-Roheisenerzeugung um 30 Prozent abnahm.
Die Stabeisenproduktion war in dieser Zeit um 48 Prozent gewachsen.
Dabei wurden 1864 doch noch 151110 Tonnen fremdes, meist
schottisches Roheisen importiert. Dagegen stieg die Ausfuhr von
Eisen und Eisenwaren von 1859 bis 1867 von 45 Millionen Francs
auf 140 Millionen.

Daelens Reisebericht aus Frankreich von 1862 1) rühmt besonders
die grosse Produktion der Puddel- und Schweissöfen, wozu das leicht
frischende Roheisen, besonders aber die Geschicklichkeit der Arbeiter
beitrugen. Ein Puddelofen lieferte meist 2360 bis 2440 Pfund Puddel-
eisen bei einem Kohlenverbrauch von 8,65 bis 10,65 Scheffel; ein

1) Siehe Zeitschrift d. Ver. deutsch. Ingen. VI, 477.

Frankreich 1861 bis 1870.
der Erde zusammengenommen; sie betrug 51½ Prozent der Welt-
produktion, während sie 1870 nur noch 496/10 Prozent betrug, immerhin
noch fast die Hälfte. Zu dieser groſsen Produktionssteigerung war
die rasche Ausbreitung des Bessemerverfahrens in diesem Zeitraum
die hauptsächliche Veranlassung. Die Fluſseisenerzeugung betrug
1870 (nach P. Trassenster) 350 kt, die Schweiſseisenerzeugung
2600 kt. Nach anderen Angaben wurden 1870 215 kt Bessemerfluſs-
eisen und 11 kt Flammofenfluſseisen erzeugt. 1866 waren 150 kt
Bessemerfluſseisen dargestellt worden.

Frankreich 1861 bis 1870.

Frankreich nahm hinsichtlich seiner Eisenerzeugung Anfang
der sechziger Jahre noch die zweite Stelle ein, wurde aber im Laufe
derselben von den Vereinigten Staaten und von Deutschland über-
flügelt.

1860 schloſs Napoleon III. den Handelsvertrag mit England,
welcher einen groſsartigen Aufschwung der französischen Industrie
zur Folge hatte, besonders auch der Maschinenfabriken und Eisen-
gieſsereien. Neue Eisenbahnen und Kanäle, darunter besonders der
Saarkanal, wurden erbaut. Dies alles gab der einheimischen Eisen-
industrie reichliche Beschäftigung. Die alte Holzkohlenindustrie trat
mehr und mehr hinter der sich immer groſsartiger entfaltenden Stein-
kohlenindustrie zurück. In den zehn Jahren von 1855 bis 1864 hat
die Roheisenproduktion im ganzen um 57 Prozent zugenommen,
während die Holzkohlen-Roheisenerzeugung um 30 Prozent abnahm.
Die Stabeisenproduktion war in dieser Zeit um 48 Prozent gewachsen.
Dabei wurden 1864 doch noch 151110 Tonnen fremdes, meist
schottisches Roheisen importiert. Dagegen stieg die Ausfuhr von
Eisen und Eisenwaren von 1859 bis 1867 von 45 Millionen Francs
auf 140 Millionen.

Daelens Reisebericht aus Frankreich von 1862 1) rühmt besonders
die groſse Produktion der Puddel- und Schweiſsöfen, wozu das leicht
frischende Roheisen, besonders aber die Geschicklichkeit der Arbeiter
beitrugen. Ein Puddelofen lieferte meist 2360 bis 2440 Pfund Puddel-
eisen bei einem Kohlenverbrauch von 8,65 bis 10,65 Scheffel; ein

1) Siehe Zeitschrift d. Ver. deutsch. Ingen. VI, 477.
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[245/0261] Frankreich 1861 bis 1870. der Erde zusammengenommen; sie betrug 51½ Prozent der Welt- produktion, während sie 1870 nur noch 496/10 Prozent betrug, immerhin noch fast die Hälfte. Zu dieser groſsen Produktionssteigerung war die rasche Ausbreitung des Bessemerverfahrens in diesem Zeitraum die hauptsächliche Veranlassung. Die Fluſseisenerzeugung betrug 1870 (nach P. Trassenster) 350 kt, die Schweiſseisenerzeugung 2600 kt. Nach anderen Angaben wurden 1870 215 kt Bessemerfluſs- eisen und 11 kt Flammofenfluſseisen erzeugt. 1866 waren 150 kt Bessemerfluſseisen dargestellt worden. Frankreich 1861 bis 1870. Frankreich nahm hinsichtlich seiner Eisenerzeugung Anfang der sechziger Jahre noch die zweite Stelle ein, wurde aber im Laufe derselben von den Vereinigten Staaten und von Deutschland über- flügelt. 1860 schloſs Napoleon III. den Handelsvertrag mit England, welcher einen groſsartigen Aufschwung der französischen Industrie zur Folge hatte, besonders auch der Maschinenfabriken und Eisen- gieſsereien. Neue Eisenbahnen und Kanäle, darunter besonders der Saarkanal, wurden erbaut. Dies alles gab der einheimischen Eisen- industrie reichliche Beschäftigung. Die alte Holzkohlenindustrie trat mehr und mehr hinter der sich immer groſsartiger entfaltenden Stein- kohlenindustrie zurück. In den zehn Jahren von 1855 bis 1864 hat die Roheisenproduktion im ganzen um 57 Prozent zugenommen, während die Holzkohlen-Roheisenerzeugung um 30 Prozent abnahm. Die Stabeisenproduktion war in dieser Zeit um 48 Prozent gewachsen. Dabei wurden 1864 doch noch 151110 Tonnen fremdes, meist schottisches Roheisen importiert. Dagegen stieg die Ausfuhr von Eisen und Eisenwaren von 1859 bis 1867 von 45 Millionen Francs auf 140 Millionen. Daelens Reisebericht aus Frankreich von 1862 1) rühmt besonders die groſse Produktion der Puddel- und Schweiſsöfen, wozu das leicht frischende Roheisen, besonders aber die Geschicklichkeit der Arbeiter beitrugen. Ein Puddelofen lieferte meist 2360 bis 2440 Pfund Puddel- eisen bei einem Kohlenverbrauch von 8,65 bis 10,65 Scheffel; ein 1) Siehe Zeitschrift d. Ver. deutsch. Ingen. VI, 477.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 245. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/261>, abgerufen am 21.03.2019.