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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903.

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Blechfabrikation.
Kilometer nur 93,053 Mark kostete. In den Vereinigten Staaten von
Nordamerika betrug der Aufwand für 1 km 165,657 Mark, während
er in Australien sich sogar auf nur 54,493 Mark belief.

Über das Verhältnis der Eisenbahnen zu der Flächengrösse der
wichtigsten Länder Europas und Amerikas im Jahre 1890 giebt
vorstehende Tabelle Aufschluss.

Blechfabrikation.

Auch die grossartigen Fortschritte der Blechfabrikation in
dieser Periode wurden hauptsächlich durch die Vervollkommnung des
Walzwerksbetriebes und die Verwendung des Flusseisens an Stelle
des Schweisseisens herbeigeführt. Übten diese Neuerungen am meisten
auf die Herstellung der Grobbleche und Panzerplatten ihre Wirkung
aus, so förderten sie doch auch die Feinblechfabrikation
derart, dass sie eine völlige Umwandlung der Betriebsweise herbei-
führten. Die dünneren Bleche unterscheidet man als Feinbleche
von 0,1 bis 1,0 mm und als Mittelbleche von 1 bis 4 mm Dicke. Für
die Arbeit des Breitens der Blechplatinen hatte längst das Walz-
werk den Hammer ersetzt. Der Hammer kam nur noch in einigen
Gegenden zur Vorarbeit, dem Ausschmieden der Frischluppen, und
zur Fertigarbeit, dem Ausschlagen der Blechbuschen, in Anwendung.
In holzreichen Ländern, wie in Österreich, Schweden und im uralischen
Russland, stellte man noch das Material für die Feinblechfabrikation
mit Holzkohlen im Frischherde dar, wofür sich die Lancashire-Frisch-
schmiede am besten bewährt hatte. Man blies mit warmem Wind,
der in einer eisernen Windkammer, die das Feuer anstatt des Ge-
wölbes überdeckte, erhitzt wurde. Gewöhnlich wurden zwei Feuer
nebeneinander gelegt, deren Abhitze dann Vorwärmeräume zum
Aufwärmen der Platinen und zum Glühen der Bleche heizte 1).
Die Frischfeuerluppe von etwa 21/2 Centner Gewicht wurde unter
Dampf- oder Wasserhämmern 2) zu einem flachen Kuchen von 60 mm
Dicke ausgeschmiedet, der dann in Stücke von etwa 20 kg zerteilt
wurde. Diese Schirbel wurden ausgeschweisst und zu Platinen von
160 mm Breite ausgeschmiedet, die nach einer nochmaligen Schweiss-
hitze ausgewalzt wurden. Das Ausheizen für ganz dünne Bleche ge-

1) Stahl und Eisen 1890, S. 775.
2) A. Kerpely, Das Eisen auf der Wiener Weltausstellung 1873, S. 155.

Blechfabrikation.
Kilometer nur 93,053 Mark kostete. In den Vereinigten Staaten von
Nordamerika betrug der Aufwand für 1 km 165,657 Mark, während
er in Australien sich sogar auf nur 54,493 Mark belief.

Über das Verhältnis der Eisenbahnen zu der Flächengröſse der
wichtigsten Länder Europas und Amerikas im Jahre 1890 giebt
vorstehende Tabelle Aufschluſs.

Blechfabrikation.

Auch die groſsartigen Fortschritte der Blechfabrikation in
dieser Periode wurden hauptsächlich durch die Vervollkommnung des
Walzwerksbetriebes und die Verwendung des Fluſseisens an Stelle
des Schweiſseisens herbeigeführt. Übten diese Neuerungen am meisten
auf die Herstellung der Grobbleche und Panzerplatten ihre Wirkung
aus, so förderten sie doch auch die Feinblechfabrikation
derart, daſs sie eine völlige Umwandlung der Betriebsweise herbei-
führten. Die dünneren Bleche unterscheidet man als Feinbleche
von 0,1 bis 1,0 mm und als Mittelbleche von 1 bis 4 mm Dicke. Für
die Arbeit des Breitens der Blechplatinen hatte längst das Walz-
werk den Hammer ersetzt. Der Hammer kam nur noch in einigen
Gegenden zur Vorarbeit, dem Ausschmieden der Frischluppen, und
zur Fertigarbeit, dem Ausschlagen der Blechbuschen, in Anwendung.
In holzreichen Ländern, wie in Österreich, Schweden und im uralischen
Ruſsland, stellte man noch das Material für die Feinblechfabrikation
mit Holzkohlen im Frischherde dar, wofür sich die Lancashire-Frisch-
schmiede am besten bewährt hatte. Man blies mit warmem Wind,
der in einer eisernen Windkammer, die das Feuer anstatt des Ge-
wölbes überdeckte, erhitzt wurde. Gewöhnlich wurden zwei Feuer
nebeneinander gelegt, deren Abhitze dann Vorwärmeräume zum
Aufwärmen der Platinen und zum Glühen der Bleche heizte 1).
Die Frischfeuerluppe von etwa 2½ Centner Gewicht wurde unter
Dampf- oder Wasserhämmern 2) zu einem flachen Kuchen von 60 mm
Dicke ausgeschmiedet, der dann in Stücke von etwa 20 kg zerteilt
wurde. Diese Schirbel wurden ausgeschweiſst und zu Platinen von
160 mm Breite ausgeschmiedet, die nach einer nochmaligen Schweiſs-
hitze ausgewalzt wurden. Das Ausheizen für ganz dünne Bleche ge-

1) Stahl und Eisen 1890, S. 775.
2) A. Kerpely, Das Eisen auf der Wiener Weltausstellung 1873, S. 155.
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[831/0847] Blechfabrikation. Kilometer nur 93,053 Mark kostete. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika betrug der Aufwand für 1 km 165,657 Mark, während er in Australien sich sogar auf nur 54,493 Mark belief. Über das Verhältnis der Eisenbahnen zu der Flächengröſse der wichtigsten Länder Europas und Amerikas im Jahre 1890 giebt vorstehende Tabelle Aufschluſs. Blechfabrikation. Auch die groſsartigen Fortschritte der Blechfabrikation in dieser Periode wurden hauptsächlich durch die Vervollkommnung des Walzwerksbetriebes und die Verwendung des Fluſseisens an Stelle des Schweiſseisens herbeigeführt. Übten diese Neuerungen am meisten auf die Herstellung der Grobbleche und Panzerplatten ihre Wirkung aus, so förderten sie doch auch die Feinblechfabrikation derart, daſs sie eine völlige Umwandlung der Betriebsweise herbei- führten. Die dünneren Bleche unterscheidet man als Feinbleche von 0,1 bis 1,0 mm und als Mittelbleche von 1 bis 4 mm Dicke. Für die Arbeit des Breitens der Blechplatinen hatte längst das Walz- werk den Hammer ersetzt. Der Hammer kam nur noch in einigen Gegenden zur Vorarbeit, dem Ausschmieden der Frischluppen, und zur Fertigarbeit, dem Ausschlagen der Blechbuschen, in Anwendung. In holzreichen Ländern, wie in Österreich, Schweden und im uralischen Ruſsland, stellte man noch das Material für die Feinblechfabrikation mit Holzkohlen im Frischherde dar, wofür sich die Lancashire-Frisch- schmiede am besten bewährt hatte. Man blies mit warmem Wind, der in einer eisernen Windkammer, die das Feuer anstatt des Ge- wölbes überdeckte, erhitzt wurde. Gewöhnlich wurden zwei Feuer nebeneinander gelegt, deren Abhitze dann Vorwärmeräume zum Aufwärmen der Platinen und zum Glühen der Bleche heizte 1). Die Frischfeuerluppe von etwa 2½ Centner Gewicht wurde unter Dampf- oder Wasserhämmern 2) zu einem flachen Kuchen von 60 mm Dicke ausgeschmiedet, der dann in Stücke von etwa 20 kg zerteilt wurde. Diese Schirbel wurden ausgeschweiſst und zu Platinen von 160 mm Breite ausgeschmiedet, die nach einer nochmaligen Schweiſs- hitze ausgewalzt wurden. Das Ausheizen für ganz dünne Bleche ge- 1) Stahl und Eisen 1890, S. 775. 2) A. Kerpely, Das Eisen auf der Wiener Weltausstellung 1873, S. 155.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 831. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/847>, abgerufen am 25.03.2019.