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Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703.

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curieusen Flüssen an und auf dem Hartz.
II.
Von dem Hartz-Fluß/ die Bode genannt.

NEchst vor gemeldeter Zorge folget billich die Bode/ als ein am
Hartz auch berühmter Fluß. Dieselbe entspringet nun in der
Gegend des Blocks-Berges an dreyen Orten/ und fliesset vom
Abend gegen Morgen unterschiedene Oerter im Hartz/ als das
Voigtsfelde/ die Sorge/ die Tanne/ das Rübeland und andere
mehr vorbey; ferner lauffet solche auf Quedlinburg zu/ von dar sie
durch das Sachsen-Land so lange fortgehet/ biß sich dieselbe mit der
Saale vereinbahret. Jn dem Hartz machet dieser Fluß ein starckes
Geräusche/ wegen derer vielen darinnen vorhandenen grossen Stei-
ne/ woran sich das Wasser stösset/ und über dieselben mit einem Ge-
thöne fället/ vor der Saale aber fliesset dieselbe viel stiller und sanf-
ter/ weilen sie von andern zugeflossenen Wassern viel tieffer worden/
und es mit derselben alsdenn nach dem gemeinen Sprich-Wort heis-
set: Stille Wasser seyn tieff. Es giebet auch feine Forellen und
andere Fische in der Bode/ sonderlich im Hartz/ alwo die meisten
Flüsse Forellen bey sich führen/ über das ergiesset sich dieselbe ebener-
massen so leicht als die Zorge durch das Schnee- und Regen-Was-
ser/ und weichet alsdenn derselben mit ihrem starcken wütenden
Strohm wenig/ als welcher oftmahls auch viel Unglück und Scha-
den verursachet. Sonst ist in diesem Flusse unter dem Roß-Trapp/
dessen ich unter dem V Capitel gedencken werde/ ein tieffes und fast
unergründliches Loch vorhanden/ welches von denen Einwoh-
nern der Creful genennet wird/ und erzehlet von demselben der
gemeine Mann: wie vormahls eines Hünen-Königes Tochter
eine Wette angestellet habe/ mit ihrem Pferde an gedachtem Or-
te dreymahl von einem Felsen zum andern zu springen/ welches
sie zweymahl glücklich verrichtet hätte/ zum drittenmahl aber
sey das Roß rückwerts übergeschlagen/ und mit ihr in den Creful
gestürtzet/ worinnen sie sich auch noch befinde/ massen solche eines-
mahls von einem Täucher/ einigen zu Gefallen/ um ein Trinck-

Geld/
Q
curieuſen Fluͤſſen an und auf dem Hartz.
II.
Von dem Hartz-Fluß/ die Bode genannt.

NEchſt vor gemeldeter Zorge folget billich die Bode/ als ein am
Hartz auch beruͤhmter Fluß. Dieſelbe entſpringet nun in der
Gegend des Blocks-Berges an dreyen Orten/ und flieſſet vom
Abend gegen Morgen unterſchiedene Oerter im Hartz/ als das
Voigtsfelde/ die Sorge/ die Tanne/ das Ruͤbeland und andere
mehr vorbey; ferner lauffet ſolche auf Quedlinburg zu/ von dar ſie
durch das Sachſen-Land ſo lange fortgehet/ biß ſich dieſelbe mit der
Saale vereinbahret. Jn dem Hartz machet dieſer Fluß ein ſtarckes
Geraͤuſche/ wegen derer vielen darinnen vorhandenen groſſen Stei-
ne/ woran ſich das Waſſer ſtoͤſſet/ und uͤber dieſelben mit einem Ge-
thoͤne faͤllet/ vor der Saale aber flieſſet dieſelbe viel ſtiller und ſånf-
ter/ weilen ſie von andern zugefloſſenen Waſſern viel tieffer worden/
und es mit derſelben alsdenn nach dem gemeinen Sprich-Wort heiſ-
ſet: Stille Waſſer ſeyn tieff. Es giebet auch feine Forellen und
andere Fiſche in der Bode/ ſonderlich im Hartz/ alwo die meiſten
Fluͤſſe Forellen bey ſich fuͤhren/ uͤber das ergieſſet ſich dieſelbe ebener-
maſſen ſo leicht als die Zorge durch das Schnee- und Regen-Waſ-
ſer/ und weichet alsdenn derſelben mit ihrem ſtarcken wuͤtenden
Strohm wenig/ als welcher oftmahls auch viel Ungluͤck und Scha-
den verurſachet. Sonſt iſt in dieſem Fluſſe unter dem Roß-Trapp/
deſſen ich unter dem V Capitel gedencken werde/ ein tieffes und faſt
unergruͤndliches Loch vorhanden/ welches von denen Einwoh-
nern der Creful genennet wird/ und erzehlet von demſelben der
gemeine Mann: wie vormahls eines Huͤnen-Koͤniges Tochter
eine Wette angeſtellet habe/ mit ihrem Pferde an gedachtem Or-
te dreymahl von einem Felſen zum andern zu ſpringen/ welches
ſie zweymahl gluͤcklich verrichtet haͤtte/ zum drittenmahl aber
ſey das Roß ruͤckwerts uͤbergeſchlagen/ und mit ihr in den Creful
geſtuͤrtzet/ worinnen ſie ſich auch noch befinde/ maſſen ſolche eines-
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Geld/
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[121/0133] curieuſen Fluͤſſen an und auf dem Hartz. II. Von dem Hartz-Fluß/ die Bode genannt. NEchſt vor gemeldeter Zorge folget billich die Bode/ als ein am Hartz auch beruͤhmter Fluß. Dieſelbe entſpringet nun in der Gegend des Blocks-Berges an dreyen Orten/ und flieſſet vom Abend gegen Morgen unterſchiedene Oerter im Hartz/ als das Voigtsfelde/ die Sorge/ die Tanne/ das Ruͤbeland und andere mehr vorbey; ferner lauffet ſolche auf Quedlinburg zu/ von dar ſie durch das Sachſen-Land ſo lange fortgehet/ biß ſich dieſelbe mit der Saale vereinbahret. Jn dem Hartz machet dieſer Fluß ein ſtarckes Geraͤuſche/ wegen derer vielen darinnen vorhandenen groſſen Stei- ne/ woran ſich das Waſſer ſtoͤſſet/ und uͤber dieſelben mit einem Ge- thoͤne faͤllet/ vor der Saale aber flieſſet dieſelbe viel ſtiller und ſånf- ter/ weilen ſie von andern zugefloſſenen Waſſern viel tieffer worden/ und es mit derſelben alsdenn nach dem gemeinen Sprich-Wort heiſ- ſet: Stille Waſſer ſeyn tieff. Es giebet auch feine Forellen und andere Fiſche in der Bode/ ſonderlich im Hartz/ alwo die meiſten Fluͤſſe Forellen bey ſich fuͤhren/ uͤber das ergieſſet ſich dieſelbe ebener- maſſen ſo leicht als die Zorge durch das Schnee- und Regen-Waſ- ſer/ und weichet alsdenn derſelben mit ihrem ſtarcken wuͤtenden Strohm wenig/ als welcher oftmahls auch viel Ungluͤck und Scha- den verurſachet. Sonſt iſt in dieſem Fluſſe unter dem Roß-Trapp/ deſſen ich unter dem V Capitel gedencken werde/ ein tieffes und faſt unergruͤndliches Loch vorhanden/ welches von denen Einwoh- nern der Creful genennet wird/ und erzehlet von demſelben der gemeine Mann: wie vormahls eines Huͤnen-Koͤniges Tochter eine Wette angeſtellet habe/ mit ihrem Pferde an gedachtem Or- te dreymahl von einem Felſen zum andern zu ſpringen/ welches ſie zweymahl gluͤcklich verrichtet haͤtte/ zum drittenmahl aber ſey das Roß ruͤckwerts uͤbergeſchlagen/ und mit ihr in den Creful geſtuͤrtzet/ worinnen ſie ſich auch noch befinde/ maſſen ſolche eines- mahls von einem Taͤucher/ einigen zu Gefallen/ um ein Trinck- Geld/ Q

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Zitationshilfe: Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703, S. 121. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/behrens_hercynia_1703/133>, abgerufen am 17.06.2019.