Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorrede.
zen ist es eine leidige Sache. Herrenhut thut
nicht gut.
Ist von dannen etwas gutes aus-
gangen, so haben andere neumährische Orte
viel böses dorthin zurukgegeben. Ein decisi-
ves Lehr-Exempel findet sich unten, § 58, ver-
gl. § 75. Wer noch daran zweifelt, der sehe
zu, ob er des Heilandes Sinn habe und zu ha-
ben begehre. Wer aber sich nicht nur zu ihnen
hält, sondern auch dazu hilft, daß die Thore
sich empor heben, und die Welt-Thüren sich
erhöhen, damit der Ordinarius einziehe: der
solte nachdenken, ob er dem Könige der Ehren
die schon lang gemachte Bahn noch mehr eben
oder uneben mache.

§ 7.

Hie rede ich aufrichtige Seelen bey der
so genannten Gemeine
an. Hören Sie mich,
daß GOtt Sie höre! Etliche unter Ihnen wer-
den eine gute Meinung von mir haben: etli-
che werden wider mich eingenommen seyn, (wie
denn andere, bey denen die Wiedergeburt sorg-
lich in einem blossen Ruhm an der Gemeine be-
stehet, mit ihrem Schmähen mich zu einem
Glied der wahren Creuz-Gemeine machen hel-
fen:) den meisten aber bin ich vielleicht bisher
unbekannt gewesen. Dem sey wie es wolle,
ich hoffe gegen Sie alle in ihrem Gewissen of-
fenbar zu werden, solte es auch noch so lang-
sam geschehen. Ein Liebhaber, und kein Feind
ist derjenige, der einem die Wahrheit vorhält.
Mein Vortrag fleusst aus keiner Uebereilung:
und keine unlautere Absicht hege ich. Ja es
hat mich, wegen der besondern Neigung des

Ordina-

Vorrede.
zen iſt es eine leidige Sache. Herrenhut thut
nicht gut.
Iſt von dannen etwas gutes aus-
gangen, ſo haben andere neumaͤhriſche Orte
viel boͤſes dorthin zurukgegeben. Ein deciſi-
ves Lehr-Exempel findet ſich unten, § 58, ver-
gl. § 75. Wer noch daran zweifelt, der ſehe
zu, ob er des Heilandes Sinn habe und zu ha-
ben begehre. Wer aber ſich nicht nur zu ihnen
haͤlt, ſondern auch dazu hilft, daß die Thore
ſich empor heben, und die Welt-Thuͤren ſich
erhoͤhen, damit der Ordinarius einziehe: der
ſolte nachdenken, ob er dem Koͤnige der Ehren
die ſchon lang gemachte Bahn noch mehr eben
oder uneben mache.

§ 7.

Hie rede ich aufrichtige Seelen bey der
ſo genannten Gemeine
an. Hoͤren Sie mich,
daß GOtt Sie hoͤre! Etliche unter Ihnen wer-
den eine gute Meinung von mir haben: etli-
che werden wider mich eingenommen ſeyn, (wie
denn andere, bey denen die Wiedergeburt ſorg-
lich in einem bloſſen Ruhm an der Gemeine be-
ſtehet, mit ihrem Schmaͤhen mich zu einem
Glied der wahren Creuz-Gemeine machen hel-
fen:) den meiſten aber bin ich vielleicht bisher
unbekannt geweſen. Dem ſey wie es wolle,
ich hoffe gegen Sie alle in ihrem Gewiſſen of-
fenbar zu werden, ſolte es auch noch ſo lang-
ſam geſchehen. Ein Liebhaber, und kein Feind
iſt derjenige, der einem die Wahrheit vorhaͤlt.
Mein Vortrag fleuſſt aus keiner Uebereilung:
und keine unlautere Abſicht hege ich. Ja es
hat mich, wegen der beſondern Neigung des

Ordina-
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="2">
        <p><pb facs="#f0015"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">Vorrede.</hi></fw><lb/>
zen i&#x017F;t es eine leidige Sache. <hi rendition="#fr">Herrenhut thut<lb/>
nicht gut.</hi> I&#x017F;t von dannen etwas gutes aus-<lb/>
gangen, &#x017F;o haben andere neuma&#x0364;hri&#x017F;che Orte<lb/>
viel bo&#x0364;&#x017F;es dorthin zurukgegeben. Ein deci&#x017F;i-<lb/>
ves Lehr-Exempel findet &#x017F;ich unten, § 58, ver-<lb/>
gl. § 75. Wer noch daran zweifelt, der &#x017F;ehe<lb/>
zu, ob er des Heilandes Sinn habe und zu ha-<lb/>
ben begehre. Wer aber &#x017F;ich nicht nur zu ihnen<lb/>
ha&#x0364;lt, &#x017F;ondern auch dazu hilft, daß die Thore<lb/>
&#x017F;ich empor heben, und die Welt-Thu&#x0364;ren &#x017F;ich<lb/>
erho&#x0364;hen, damit der <hi rendition="#aq">Ordinarius</hi> einziehe: der<lb/>
&#x017F;olte nachdenken, ob er dem Ko&#x0364;nige der Ehren<lb/>
die &#x017F;chon lang gemachte Bahn noch mehr eben<lb/>
oder uneben mache.</p>
      </div><lb/>
      <div n="2">
        <head>§ 7.</head><lb/>
        <p>Hie rede ich <hi rendition="#fr">aufrichtige Seelen bey der<lb/>
&#x017F;o genannten Gemeine</hi> an. Ho&#x0364;ren Sie mich,<lb/>
daß GOtt Sie ho&#x0364;re! Etliche unter Ihnen wer-<lb/>
den eine gute Meinung von mir haben: etli-<lb/>
che werden wider mich eingenommen &#x017F;eyn, (wie<lb/>
denn andere, bey denen die Wiedergeburt &#x017F;org-<lb/>
lich in einem blo&#x017F;&#x017F;en Ruhm an der Gemeine be-<lb/>
&#x017F;tehet, mit ihrem Schma&#x0364;hen mich zu einem<lb/>
Glied der wahren Creuz-Gemeine machen hel-<lb/>
fen:) den mei&#x017F;ten aber bin ich vielleicht bisher<lb/>
unbekannt gewe&#x017F;en. Dem &#x017F;ey wie es wolle,<lb/>
ich hoffe gegen Sie alle in ihrem Gewi&#x017F;&#x017F;en of-<lb/>
fenbar zu werden, &#x017F;olte es auch noch &#x017F;o lang-<lb/>
&#x017F;am ge&#x017F;chehen. Ein Liebhaber, und kein Feind<lb/>
i&#x017F;t derjenige, der einem die Wahrheit vorha&#x0364;lt.<lb/>
Mein Vortrag fleu&#x017F;&#x017F;t aus keiner Uebereilung:<lb/>
und keine unlautere Ab&#x017F;icht hege ich. Ja es<lb/>
hat mich, wegen der be&#x017F;ondern Neigung des<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">Ordina-</hi></fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0015] Vorrede. zen iſt es eine leidige Sache. Herrenhut thut nicht gut. Iſt von dannen etwas gutes aus- gangen, ſo haben andere neumaͤhriſche Orte viel boͤſes dorthin zurukgegeben. Ein deciſi- ves Lehr-Exempel findet ſich unten, § 58, ver- gl. § 75. Wer noch daran zweifelt, der ſehe zu, ob er des Heilandes Sinn habe und zu ha- ben begehre. Wer aber ſich nicht nur zu ihnen haͤlt, ſondern auch dazu hilft, daß die Thore ſich empor heben, und die Welt-Thuͤren ſich erhoͤhen, damit der Ordinarius einziehe: der ſolte nachdenken, ob er dem Koͤnige der Ehren die ſchon lang gemachte Bahn noch mehr eben oder uneben mache. § 7. Hie rede ich aufrichtige Seelen bey der ſo genannten Gemeine an. Hoͤren Sie mich, daß GOtt Sie hoͤre! Etliche unter Ihnen wer- den eine gute Meinung von mir haben: etli- che werden wider mich eingenommen ſeyn, (wie denn andere, bey denen die Wiedergeburt ſorg- lich in einem bloſſen Ruhm an der Gemeine be- ſtehet, mit ihrem Schmaͤhen mich zu einem Glied der wahren Creuz-Gemeine machen hel- fen:) den meiſten aber bin ich vielleicht bisher unbekannt geweſen. Dem ſey wie es wolle, ich hoffe gegen Sie alle in ihrem Gewiſſen of- fenbar zu werden, ſolte es auch noch ſo lang- ſam geſchehen. Ein Liebhaber, und kein Feind iſt derjenige, der einem die Wahrheit vorhaͤlt. Mein Vortrag fleuſſt aus keiner Uebereilung: und keine unlautere Abſicht hege ich. Ja es hat mich, wegen der beſondern Neigung des Ordina-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/15
Zitationshilfe: Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/15>, abgerufen am 20.02.2019.