Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite

Theil I. Cap. I. Satz 16.
gestellet. Im alten Testament wird die Ge-
meinschaft der gesamten israelitischen Kirche,
und nicht einzeler Israeliten, mit GOtt, auf
solche Weise betrachtet. Die Corinther solten
Christo als eine keusche Jungfrau, nicht als
Jungfrauen, zugeführet werden. Und so ist
das gesamte neue Jerusalem, nicht aber ein je-
der Einwohner besonder, des Lämmleins Braut.
Bey dem allen bleibt einem jeden Genossen
Christi ins besondere sein Theil an solcher Herr-
lichkeit unversehret.

§ 145.

Hingegen in des Ordinarii Lehre wird
Christus als der Braütigam und Mann ein-
zeler Glaubigen und Heiligen in diesem und je-
nem Leben, und das nicht auf die Weise, wie
1 Cor. 6, 14. 15. 16. sondern viel anders geach-
tet. Den Grund solcher Vereinigung, und
ihre Bewandtniß beschreibt er folgender mas-
sen. Wundenlitaney-Reden p. 75: "Die
"Comparaison, die von der Seite, und von
"dem Schlafe Adams, mit dem Schlafe des
"Heilandes am Stamm des Creuzes und
"der Eröffnung seiner Seite genommen wer-
"den kan, will ich diesesmal nicht ausführen,
"sondern nur positive sagen, warum die Kir-
"che Christi Männin heisse? Man wird
"sie Männin heissen, darum daß sie vom
"Manne genommen ist. 1 Mos. 2, 23. Es
"ist eine ausgemachte Sache, daß darum die
"ganze Kirche des Heilands sein Weib ist, und

seinen"

Theil I. Cap. I. Satz 16.
geſtellet. Im alten Teſtament wird die Ge-
meinſchaft der geſamten iſraelitiſchen Kirche,
und nicht einzeler Iſraeliten, mit GOtt, auf
ſolche Weiſe betrachtet. Die Corinther ſolten
Chriſto als eine keuſche Jungfrau, nicht als
Jungfrauen, zugefuͤhret werden. Und ſo iſt
das geſamte neue Jeruſalem, nicht aber ein je-
der Einwohner beſonder, des Laͤm̃leins Braut.
Bey dem allen bleibt einem jeden Genoſſen
Chriſti ins beſondere ſein Theil an ſolcher Herr-
lichkeit unverſehret.

§ 145.

Hingegen in des Ordinarii Lehre wird
Chriſtus als der Brauͤtigam und Mann ein-
zeler Glaubigen und Heiligen in dieſem und je-
nem Leben, und das nicht auf die Weiſe, wie
1 Cor. 6, 14. 15. 16. ſondern viel anders geach-
tet. Den Grund ſolcher Vereinigung, und
ihre Bewandtniß beſchreibt er folgender maſ-
ſen. Wundenlitaney-Reden p. 75: ”Die
Comparaiſon, die von der Seite, und von
”dem Schlafe Adams, mit dem Schlafe des
”Heilandes am Stamm des Creuzes und
”der Eroͤffnung ſeiner Seite genommen wer-
”den kan, will ich dieſesmal nicht ausfuͤhren,
”ſondern nur poſitive ſagen, warum die Kir-
che Chriſti Maͤnnin heiſſe? Man wird
ſie Maͤnnin heiſſen, darum daß ſie vom
Manne genommen iſt. 1 Moſ. 2, 23. Es
”iſt eine ausgemachte Sache, daß darum die
”ganze Kirche des Heilands ſein Weib iſt, und

ſeinen”
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="4">
            <div n="5">
              <p><pb facs="#f0160" n="140"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">Theil</hi><hi rendition="#aq">I.</hi><hi rendition="#fr">Cap</hi>. <hi rendition="#aq">I.</hi><hi rendition="#fr">Satz 16</hi>.</fw><lb/>
ge&#x017F;tellet. Im alten Te&#x017F;tament wird die Ge-<lb/>
mein&#x017F;chaft der ge&#x017F;amten i&#x017F;raeliti&#x017F;chen Kirche,<lb/>
und nicht einzeler I&#x017F;raeliten, mit GOtt, auf<lb/>
&#x017F;olche Wei&#x017F;e betrachtet. Die Corinther &#x017F;olten<lb/>
Chri&#x017F;to als eine keu&#x017F;che Jungfrau, nicht als<lb/>
Jungfrauen, zugefu&#x0364;hret werden. Und &#x017F;o i&#x017F;t<lb/>
das ge&#x017F;amte neue Jeru&#x017F;alem, nicht aber ein je-<lb/>
der Einwohner be&#x017F;onder, des La&#x0364;m&#x0303;leins Braut.<lb/>
Bey dem allen bleibt einem jeden Geno&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Chri&#x017F;ti ins be&#x017F;ondere &#x017F;ein Theil an &#x017F;olcher Herr-<lb/>
lichkeit unver&#x017F;ehret.</p>
            </div><lb/>
            <div n="5">
              <head>§ 145.</head><lb/>
              <p>Hingegen in des <hi rendition="#aq">Ordinarii</hi> Lehre wird<lb/>
Chri&#x017F;tus als der Brau&#x0364;tigam und Mann ein-<lb/>
zeler Glaubigen und Heiligen in die&#x017F;em und je-<lb/>
nem Leben, und das nicht auf die Wei&#x017F;e, wie<lb/>
1 Cor. 6, 14. 15. 16. &#x017F;ondern viel anders geach-<lb/>
tet. Den Grund &#x017F;olcher Vereinigung, und<lb/>
ihre Bewandtniß be&#x017F;chreibt er folgender ma&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en. Wundenlitaney-Reden p. 75: &#x201D;Die<lb/>
&#x201D;<hi rendition="#aq">Comparai&#x017F;on,</hi> die von der Seite, und von<lb/>
&#x201D;dem Schlafe Adams, mit dem Schlafe des<lb/>
&#x201D;Heilandes am Stamm des Creuzes und<lb/>
&#x201D;der Ero&#x0364;ffnung &#x017F;einer Seite genommen wer-<lb/>
&#x201D;den kan, will ich die&#x017F;esmal nicht ausfu&#x0364;hren,<lb/>
&#x201D;&#x017F;ondern nur <hi rendition="#aq">po&#x017F;itive</hi> &#x017F;agen, warum die <hi rendition="#fr">Kir-</hi><lb/>
&#x201D;<hi rendition="#fr">che Chri&#x017F;ti Ma&#x0364;nnin</hi> hei&#x017F;&#x017F;e? <hi rendition="#fr">Man wird</hi><lb/>
&#x201D;<hi rendition="#fr">&#x017F;ie Ma&#x0364;nnin hei&#x017F;&#x017F;en, darum daß &#x017F;ie vom</hi><lb/>
&#x201D;<hi rendition="#fr">Manne genommen i&#x017F;t</hi>. 1 Mo&#x017F;. 2, 23. Es<lb/>
&#x201D;i&#x017F;t eine ausgemachte Sache, daß darum die<lb/>
&#x201D;ganze Kirche des Heilands &#x017F;ein Weib i&#x017F;t, und<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;einen&#x201D;</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[140/0160] Theil I. Cap. I. Satz 16. geſtellet. Im alten Teſtament wird die Ge- meinſchaft der geſamten iſraelitiſchen Kirche, und nicht einzeler Iſraeliten, mit GOtt, auf ſolche Weiſe betrachtet. Die Corinther ſolten Chriſto als eine keuſche Jungfrau, nicht als Jungfrauen, zugefuͤhret werden. Und ſo iſt das geſamte neue Jeruſalem, nicht aber ein je- der Einwohner beſonder, des Laͤm̃leins Braut. Bey dem allen bleibt einem jeden Genoſſen Chriſti ins beſondere ſein Theil an ſolcher Herr- lichkeit unverſehret. § 145. Hingegen in des Ordinarii Lehre wird Chriſtus als der Brauͤtigam und Mann ein- zeler Glaubigen und Heiligen in dieſem und je- nem Leben, und das nicht auf die Weiſe, wie 1 Cor. 6, 14. 15. 16. ſondern viel anders geach- tet. Den Grund ſolcher Vereinigung, und ihre Bewandtniß beſchreibt er folgender maſ- ſen. Wundenlitaney-Reden p. 75: ”Die ”Comparaiſon, die von der Seite, und von ”dem Schlafe Adams, mit dem Schlafe des ”Heilandes am Stamm des Creuzes und ”der Eroͤffnung ſeiner Seite genommen wer- ”den kan, will ich dieſesmal nicht ausfuͤhren, ”ſondern nur poſitive ſagen, warum die Kir- ”che Chriſti Maͤnnin heiſſe? Man wird ”ſie Maͤnnin heiſſen, darum daß ſie vom ”Manne genommen iſt. 1 Moſ. 2, 23. Es ”iſt eine ausgemachte Sache, daß darum die ”ganze Kirche des Heilands ſein Weib iſt, und ſeinen”

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/160
Zitationshilfe: Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/160>, abgerufen am 21.02.2019.