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Benner, Johann Hermann: Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 2. Gießen, 1747.

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anderer Theil.
nungsgeist nicht unbillig gemuthmaset werden
kan. Ja woferne nur ein eintziger schwacher
Bruder Anstos daran nehmen würde, um wel-
ches willen Christus gestorben ist; so hätte ich
kein Bedencken, diesen Misbrauch einer allen-
fals unlaugbaren Freiheit, unter diejenige Ver-
gehungen zu rechnen, deren Paulus in seinen
Briefen hin und wieder gedencket.

§. 3.

Wer eine Gabe dem HErrn zu dichten und zu
spielen, empfangen hat, dem ist freilich eben da-
durch die Befugnis ertheilet, sie dem HErrn
und seiner Gemeine zum Opfer zu bringen. Aber
das kan ohne Neuerung geschehen. Und die Ex-
empel sovieler alten und neuen geistreichen Dich-
ter, lehren uns, wie es geschehen müsse. Hin-
gegen sehe man die Herrnhutische Gewonheit an.
So manche neue Predig, so manches auf die
Sekte gerichtetes und sogleich eingeführtes Lied.
Aus diesen Gesängen nimt man sodann die Losun-
gen, oder deren Beyschrift, man führet sie in Predi-
gen stat der Bibel an. Wer die Spuren einer
Selbstgefälligkeit, und gefliesentlichen Trennung
hier nicht siehet, zumalen wann er die neue Bibelü-
bersetzung, den neuen Catechismus, nebst den übri-
gen dürftigen Satzungen dieses Volcks, darzu nimt,
der muß sich vorgenommen haben, nichts zu sehen.

§. 4.

Das schlimmste aber bey dieser neuen Lieder-
sucht ist noch übrig. Es bestehet nicht darinnen,
daß allerley kauderwelsche Wörter, Zinzen-

dorfische
A 2

anderer Theil.
nungsgeiſt nicht unbillig gemuthmaſet werden
kan. Ja woferne nur ein eintziger ſchwacher
Bruder Anſtos daran nehmen wuͤrde, um wel-
ches willen Chriſtus geſtorben iſt; ſo haͤtte ich
kein Bedencken, dieſen Misbrauch einer allen-
fals unlaugbaren Freiheit, unter diejenige Ver-
gehungen zu rechnen, deren Paulus in ſeinen
Briefen hin und wieder gedencket.

§. 3.

Wer eine Gabe dem HErrn zu dichten und zu
ſpielen, empfangen hat, dem iſt freilich eben da-
durch die Befugnis ertheilet, ſie dem HErrn
und ſeiner Gemeine zum Opfer zu bringen. Aber
das kan ohne Neuerung geſchehen. Und die Ex-
empel ſovieler alten und neuen geiſtreichen Dich-
ter, lehren uns, wie es geſchehen muͤſſe. Hin-
gegen ſehe man die Herrnhutiſche Gewonheit an.
So manche neue Predig, ſo manches auf die
Sekte gerichtetes und ſogleich eingefuͤhrtes Lied.
Aus dieſen Geſaͤngen nimt man ſodann die Loſun-
gen, oder deren Beyſchrift, man fuͤhret ſie in Predi-
gen ſtat der Bibel an. Wer die Spuren einer
Selbſtgefaͤlligkeit, und geflieſentlichen Trennung
hier nicht ſiehet, zumalen wann er die neue Bibeluͤ-
berſetzung, den neuen Catechiſmus, nebſt den uͤbri-
gen duͤrftigen Satzungen dieſes Volcks, daꝛzu nimt,
der muß ſich vorgenommen haben, nichts zu ſehen.

§. 4.

Das ſchlimmſte aber bey dieſer neuen Lieder-
ſucht iſt noch uͤbrig. Es beſtehet nicht darinnen,
daß allerley kauderwelſche Woͤrter, Zinzen-

dorfiſche
A 2
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[3/0013] anderer Theil. nungsgeiſt nicht unbillig gemuthmaſet werden kan. Ja woferne nur ein eintziger ſchwacher Bruder Anſtos daran nehmen wuͤrde, um wel- ches willen Chriſtus geſtorben iſt; ſo haͤtte ich kein Bedencken, dieſen Misbrauch einer allen- fals unlaugbaren Freiheit, unter diejenige Ver- gehungen zu rechnen, deren Paulus in ſeinen Briefen hin und wieder gedencket. §. 3. Wer eine Gabe dem HErrn zu dichten und zu ſpielen, empfangen hat, dem iſt freilich eben da- durch die Befugnis ertheilet, ſie dem HErrn und ſeiner Gemeine zum Opfer zu bringen. Aber das kan ohne Neuerung geſchehen. Und die Ex- empel ſovieler alten und neuen geiſtreichen Dich- ter, lehren uns, wie es geſchehen muͤſſe. Hin- gegen ſehe man die Herrnhutiſche Gewonheit an. So manche neue Predig, ſo manches auf die Sekte gerichtetes und ſogleich eingefuͤhrtes Lied. Aus dieſen Geſaͤngen nimt man ſodann die Loſun- gen, oder deren Beyſchrift, man fuͤhret ſie in Predi- gen ſtat der Bibel an. Wer die Spuren einer Selbſtgefaͤlligkeit, und geflieſentlichen Trennung hier nicht ſiehet, zumalen wann er die neue Bibeluͤ- berſetzung, den neuen Catechiſmus, nebſt den uͤbri- gen duͤrftigen Satzungen dieſes Volcks, daꝛzu nimt, der muß ſich vorgenommen haben, nichts zu ſehen. §. 4. Das ſchlimmſte aber bey dieſer neuen Lieder- ſucht iſt noch uͤbrig. Es beſtehet nicht darinnen, daß allerley kauderwelſche Woͤrter, Zinzen- dorfiſche A 2

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Zitationshilfe: Benner, Johann Hermann: Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 2. Gießen, 1747, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/benner_herrnhuterey02_1747/13>, abgerufen am 25.06.2019.