Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Benner, Johann Hermann: Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 2. Gießen, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite

anderer Theil.
davon kan auch der Graf kein merkmal sehen.
Ja, was das meiste ist, seine vorgespiegelte be-
kehrungsart hat selber offenbare merkmale der
schalkheit. (§. 46.) Wie kan aber der heilige
Geist leute an die seelen bestellen, welche nichts
anders thun, als sich selbst samt den seelen, auf
das erbärmlichste betriegen? wiewol auch keine
merkmale stat haben, wo eine vorläufige sendung
behauptet wird (§. 48.)

§. 50.

Spricht er: die wilden werden doch gleichwol
von den brüdern gerühret. Dann sobald jene
ihre förmelchen ausgesprochen, und ein gescheu-
tes wort zu ihnen geredet haben, so höret man die
wilden flugs ihr Kehelle sagen. Das heiset so-
viel: HErr/ nun läsest du deinen diener im
frieden fahren! mich beschwemmt die gnaden-
fluth!
So ist diese marktschreierei kaum wür-
dig, daß ein vernünftiger darauf antworten soll.
Dann 1) stehet es noch dahin, ob, und wievie-
le Indianer das Kehelle sagen. Wer wird die-
ses einem manne zu gefallen glauben, der mit
den wichtigsten religionssachen so untreu und be-
trieglich umgehet? Nechst deme so hat der Graf
2) zu erweisen, wann die wilden ihr Kehelle!
sagen, was sie damit anzeigen wollen? das wort
leget er selbst beliebig aus, (§. 26. *) und es ge-
fält ihm vielleicht deswegen, weil er es das erste
mahl bei einer süssen einbildung gehöret, oder
weil es ein Indianer mit solchen minen begleitet
hat, die dem Grafen artig und wunderbar vor-

ge-
E 2

anderer Theil.
davon kan auch der Graf kein merkmal ſehen.
Ja, was das meiſte iſt, ſeine vorgeſpiegelte be-
kehrungsart hat ſelber offenbare merkmale der
ſchalkheit. (§. 46.) Wie kan aber der heilige
Geiſt leute an die ſeelen beſtellen, welche nichts
anders thun, als ſich ſelbſt ſamt den ſeelen, auf
das erbaͤrmlichſte betriegen? wiewol auch keine
merkmale ſtat haben, wo eine vorlaͤufige ſendung
behauptet wird (§. 48.)

§. 50.

Spricht er: die wilden werden doch gleichwol
von den bruͤdern geruͤhret. Dann ſobald jene
ihre foͤrmelchen ausgeſprochen, und ein geſcheu-
tes wort zu ihnen geredet haben, ſo hoͤret man die
wilden flugs ihr Kehelle ſagen. Das heiſet ſo-
viel: HErr/ nun laͤſeſt du deinen diener im
frieden fahren! mich beſchwemmt die gnaden-
fluth!
So iſt dieſe marktſchreierei kaum wuͤr-
dig, daß ein vernuͤnftiger darauf antworten ſoll.
Dann 1) ſtehet es noch dahin, ob, und wievie-
le Indianer das Kehelle ſagen. Wer wird die-
ſes einem manne zu gefallen glauben, der mit
den wichtigſten religionsſachen ſo untreu und be-
trieglich umgehet? Nechſt deme ſo hat der Graf
2) zu erweiſen, wann die wilden ihr Kehelle!
ſagen, was ſie damit anzeigen wollen? das wort
leget er ſelbſt beliebig aus, (§. 26. *) und es ge-
faͤlt ihm vielleicht deswegen, weil er es das erſte
mahl bei einer ſuͤſſen einbildung gehoͤret, oder
weil es ein Indianer mit ſolchen minen begleitet
hat, die dem Grafen artig und wunderbar vor-

ge-
E 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0077" n="67"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">anderer Theil.</hi></fw><lb/>
davon kan auch der Graf kein merkmal &#x017F;ehen.<lb/>
Ja, was das mei&#x017F;te i&#x017F;t, &#x017F;eine vorge&#x017F;piegelte be-<lb/>
kehrungsart hat &#x017F;elber offenbare merkmale der<lb/>
&#x017F;chalkheit. (§. 46.) Wie kan aber der heilige<lb/>
Gei&#x017F;t leute an die &#x017F;eelen be&#x017F;tellen, welche nichts<lb/>
anders thun, als &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t &#x017F;amt den &#x017F;eelen, auf<lb/>
das erba&#x0364;rmlich&#x017F;te betriegen? wiewol auch keine<lb/>
merkmale &#x017F;tat haben, wo eine vorla&#x0364;ufige &#x017F;endung<lb/>
behauptet wird (§. 48.)</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 50.</head><lb/>
            <p>Spricht er: die wilden werden doch gleichwol<lb/>
von den bru&#x0364;dern geru&#x0364;hret. Dann &#x017F;obald jene<lb/>
ihre fo&#x0364;rmelchen ausge&#x017F;prochen, und ein ge&#x017F;cheu-<lb/>
tes wort zu ihnen geredet haben, &#x017F;o ho&#x0364;ret man die<lb/>
wilden flugs ihr <hi rendition="#fr">Kehelle</hi> &#x017F;agen. Das hei&#x017F;et &#x017F;o-<lb/>
viel: <hi rendition="#fr">HErr/ nun la&#x0364;&#x017F;e&#x017F;t du deinen diener im<lb/>
frieden fahren! mich be&#x017F;chwemmt die gnaden-<lb/>
fluth!</hi> So i&#x017F;t die&#x017F;e markt&#x017F;chreierei kaum wu&#x0364;r-<lb/>
dig, daß ein vernu&#x0364;nftiger darauf antworten &#x017F;oll.<lb/>
Dann 1) &#x017F;tehet es noch dahin, ob, und wievie-<lb/>
le Indianer das <hi rendition="#fr">Kehelle</hi> &#x017F;agen. Wer wird die-<lb/>
&#x017F;es einem manne zu gefallen glauben, der mit<lb/>
den wichtig&#x017F;ten religions&#x017F;achen &#x017F;o untreu und be-<lb/>
trieglich umgehet? Nech&#x017F;t deme &#x017F;o hat der Graf<lb/>
2) zu erwei&#x017F;en, wann die wilden ihr <hi rendition="#fr">Kehelle!</hi><lb/>
&#x017F;agen, was &#x017F;ie damit anzeigen wollen? das wort<lb/>
leget er &#x017F;elb&#x017F;t beliebig aus, (§. 26. *) und es ge-<lb/>
fa&#x0364;lt ihm vielleicht deswegen, weil er es das er&#x017F;te<lb/>
mahl bei einer &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;en einbildung geho&#x0364;ret, oder<lb/>
weil es ein Indianer mit &#x017F;olchen minen begleitet<lb/>
hat, die dem Grafen artig und wunderbar vor-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E 2</fw><fw place="bottom" type="catch">ge-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[67/0077] anderer Theil. davon kan auch der Graf kein merkmal ſehen. Ja, was das meiſte iſt, ſeine vorgeſpiegelte be- kehrungsart hat ſelber offenbare merkmale der ſchalkheit. (§. 46.) Wie kan aber der heilige Geiſt leute an die ſeelen beſtellen, welche nichts anders thun, als ſich ſelbſt ſamt den ſeelen, auf das erbaͤrmlichſte betriegen? wiewol auch keine merkmale ſtat haben, wo eine vorlaͤufige ſendung behauptet wird (§. 48.) §. 50. Spricht er: die wilden werden doch gleichwol von den bruͤdern geruͤhret. Dann ſobald jene ihre foͤrmelchen ausgeſprochen, und ein geſcheu- tes wort zu ihnen geredet haben, ſo hoͤret man die wilden flugs ihr Kehelle ſagen. Das heiſet ſo- viel: HErr/ nun laͤſeſt du deinen diener im frieden fahren! mich beſchwemmt die gnaden- fluth! So iſt dieſe marktſchreierei kaum wuͤr- dig, daß ein vernuͤnftiger darauf antworten ſoll. Dann 1) ſtehet es noch dahin, ob, und wievie- le Indianer das Kehelle ſagen. Wer wird die- ſes einem manne zu gefallen glauben, der mit den wichtigſten religionsſachen ſo untreu und be- trieglich umgehet? Nechſt deme ſo hat der Graf 2) zu erweiſen, wann die wilden ihr Kehelle! ſagen, was ſie damit anzeigen wollen? das wort leget er ſelbſt beliebig aus, (§. 26. *) und es ge- faͤlt ihm vielleicht deswegen, weil er es das erſte mahl bei einer ſuͤſſen einbildung gehoͤret, oder weil es ein Indianer mit ſolchen minen begleitet hat, die dem Grafen artig und wunderbar vor- ge- E 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/benner_herrnhuterey02_1747
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/benner_herrnhuterey02_1747/77
Zitationshilfe: Benner, Johann Hermann: Die Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 2. Gießen, 1747, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/benner_herrnhuterey02_1747/77>, abgerufen am 23.02.2019.