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Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Botanischer Teil. Hrsg. v. Albert Berg. Berlin: Decker, 1867.

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Thiere im Sargassum.
fläche des Meeres reichende Felsen schon längst durch die Brandung,
welche sie verursachen müssten, entdeckt worden wären, in grösserer
Tiefe aber keine Alge Schwimmblasen entwickelt, wie Ozothallia
vulgaris und Halidrys siliquosa beweisen.

J. Agardh's Angabe angewachsener und fruchttragender
Exemplare aus dem Amerika bespülenden Meere (Spec. Fucoid.
p. 344), schon an sich etwas unbestimmt, scheint mir um so un-
sicherer, als nach seiner Beschreibung dieser Exemplare solche
auch im Sinne Kützing's ein Sargassum wären, während das Aus-
sehen des schwimmenden Traubentangs entschieden für einen
Carpacanthus spricht.

Von sonst an Sargassen häufigen parasitischen Algen, ein-
schliesslich der Diatomeen, welche mir als Wegweiser hätten dienen
können, habe ich an Sargassum bacciferum nie die leiseste Spur
entdecken können, dagegen fand ich die dem Thierreich angehörende
Bevölkerung dieser schwimmenden Wiesen überraschend zahlreich
und mannichfaltig. Man beobachtete bis jetzt:

1. Fische.
1. Antennarius marmoratus Less. sp. = Lophius tumidus L.
Osbeck, Reise nach China, S. 400 = Chironectes pictus
var. vittatus Richardson in Ross zool. voy. Ereb. and
Terror, fishes, p. 15, Taf. 9., Fig. 3., 4.; diese Art ist in
der Umgränzung, wie sie Dr. Günther catal. acanthopt.
fishes III., p. 186 annimmt, im atlantischen und indischen
Ocean weit verbreitet.
2. Blennius fucorum Gay. Valenciennes hist. nat. des poissons
XI., p. 263, Taf. 324.
2b. Blennius oceanicus Gay, l. c. p. 265. *)
3. Sygnathus pelagicus Linne, Osbeck. Von Commodore Sun-
devall
und Stabsarzt Johswich auf der Rückfahrt der
Thetis ebenfalls im schwimmenden Sargasso gesammelt.
2. Crustaceen.
4. Lupa Sayi Gibbes, Cancer pelagicus Linne ex parte,
Osbeck, Bosc., Lupa pelagica Say Journal acad. Phila-
*) Cyclopterus minutus, Pallas spicilegia zoologica fasc. VII. Taf. 3., Fig. 7--9
soll auch aus der Krautsee stammen. Die Angabe ist wenig glaublich, da die ganze
Gattung eine nordische ist und die genannte Art nicht von dem bekannten C. lumpus
verschieden scheint.

Thiere im Sargassum.
fläche des Meeres reichende Felsen schon längst durch die Brandung,
welche sie verursachen müssten, entdeckt worden wären, in grösserer
Tiefe aber keine Alge Schwimmblasen entwickelt, wie Ozothallia
vulgaris und Halidrys siliquosa beweisen.

J. Agardh’s Angabe angewachsener und fruchttragender
Exemplare aus dem Amerika bespülenden Meere (Spec. Fucoid.
p. 344), schon an sich etwas unbestimmt, scheint mir um so un-
sicherer, als nach seiner Beschreibung dieser Exemplare solche
auch im Sinne Kützing’s ein Sargassum wären, während das Aus-
sehen des schwimmenden Traubentangs entschieden für einen
Carpacanthus spricht.

Von sonst an Sargassen häufigen parasitischen Algen, ein-
schliesslich der Diatomeen, welche mir als Wegweiser hätten dienen
können, habe ich an Sargassum bacciferum nie die leiseste Spur
entdecken können, dagegen fand ich die dem Thierreich angehörende
Bevölkerung dieser schwimmenden Wiesen überraschend zahlreich
und mannichfaltig. Man beobachtete bis jetzt:

1. Fische.
1. Antennarius marmoratus Less. sp. = Lophius tumidus L.
Osbeck, Reise nach China, S. 400 = Chironectes pictus
var. vittatus Richardson in Ross zool. voy. Ereb. and
Terror, fishes, p. 15, Taf. 9., Fig. 3., 4.; diese Art ist in
der Umgränzung, wie sie Dr. Günther catal. acanthopt.
fishes III., p. 186 annimmt, im atlantischen und indischen
Ocean weit verbreitet.
2. Blennius fucorum Gay. Valenciennes hist. nat. des poissons
XI., p. 263, Taf. 324.
2b. Blennius oceanicus Gay, l. c. p. 265. *)
3. Sygnathus pelagicus Linné, Osbeck. Von Commodore Sun-
devall
und Stabsarzt Johswich auf der Rückfahrt der
Thetis ebenfalls im schwimmenden Sargasso gesammelt.
2. Crustaceen.
4. Lupa Sayi Gibbes, Cancer pelagicus Linné ex parte,
Osbeck, Bosc., Lupa pelagica Say Journal acad. Phila-
*) Cyclopterus minutus, Pallas spicilegia zoologica fasc. VII. Taf. 3., Fig. 7—9
soll auch aus der Krautsee stammen. Die Angabe ist wenig glaublich, da die ganze
Gattung eine nordische ist und die genannte Art nicht von dem bekannten C. lumpus
verschieden scheint.
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[9/0019] Thiere im Sargassum. fläche des Meeres reichende Felsen schon längst durch die Brandung, welche sie verursachen müssten, entdeckt worden wären, in grösserer Tiefe aber keine Alge Schwimmblasen entwickelt, wie Ozothallia vulgaris und Halidrys siliquosa beweisen. J. Agardh’s Angabe angewachsener und fruchttragender Exemplare aus dem Amerika bespülenden Meere (Spec. Fucoid. p. 344), schon an sich etwas unbestimmt, scheint mir um so un- sicherer, als nach seiner Beschreibung dieser Exemplare solche auch im Sinne Kützing’s ein Sargassum wären, während das Aus- sehen des schwimmenden Traubentangs entschieden für einen Carpacanthus spricht. Von sonst an Sargassen häufigen parasitischen Algen, ein- schliesslich der Diatomeen, welche mir als Wegweiser hätten dienen können, habe ich an Sargassum bacciferum nie die leiseste Spur entdecken können, dagegen fand ich die dem Thierreich angehörende Bevölkerung dieser schwimmenden Wiesen überraschend zahlreich und mannichfaltig. Man beobachtete bis jetzt: 1. Fische. 1. Antennarius marmoratus Less. sp. = Lophius tumidus L. Osbeck, Reise nach China, S. 400 = Chironectes pictus var. vittatus Richardson in Ross zool. voy. Ereb. and Terror, fishes, p. 15, Taf. 9., Fig. 3., 4.; diese Art ist in der Umgränzung, wie sie Dr. Günther catal. acanthopt. fishes III., p. 186 annimmt, im atlantischen und indischen Ocean weit verbreitet. 2. Blennius fucorum Gay. Valenciennes hist. nat. des poissons XI., p. 263, Taf. 324. 2b. Blennius oceanicus Gay, l. c. p. 265. *) 3. Sygnathus pelagicus Linné, Osbeck. Von Commodore Sun- devall und Stabsarzt Johswich auf der Rückfahrt der Thetis ebenfalls im schwimmenden Sargasso gesammelt. 2. Crustaceen. 4. Lupa Sayi Gibbes, Cancer pelagicus Linné ex parte, Osbeck, Bosc., Lupa pelagica Say Journal acad. Phila- *) Cyclopterus minutus, Pallas spicilegia zoologica fasc. VII. Taf. 3., Fig. 7—9 soll auch aus der Krautsee stammen. Die Angabe ist wenig glaublich, da die ganze Gattung eine nordische ist und die genannte Art nicht von dem bekannten C. lumpus verschieden scheint.

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Zitationshilfe: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Botanischer Teil. Hrsg. v. Albert Berg. Berlin: Decker, 1867, S. 9. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/berg_ostasienbotanik_1866/19>, abgerufen am 16.07.2018.