Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beseler, Georg: Kommentar über das Strafgesetzbuch für die Preußischen Staaten. Leipzig, 1851.

Bild:
<< vorherige Seite

Art. II. III.
des Allgemeinen Landrechts, das Rheinische Strafgesetzbuch, diegemeinen
Deutschen Kriminalgesetze und das in dem Fürstenthume Hohenzollern-Sigma-
ringen rezipirte Großherzoglich Badische Strafgesetzbuch, nebst allen dieselben
ergänzenden, abändernden und erläuternden Bestimmungen.

Dagegen bleiben in Kraft die besonderen Strafgesetze, insoweit sie Materien
betreffen, in Hinsicht deren das gegenwärtige Strafgesetzbuch nichts
bestimmt,
namentlich die Gesetze über die Bestrafung der Post-, Steuer- und Zoll-Kon-
travenienten, über den Mißbrauch des Vereins- und
Versammlungsrechts, über
die Bestrafung des Holzdiebstahls, über die Widersetzlichkeiten bei Forst- und
Jagdvergehen und gegen Zollbeamte.

Artikel III.

Wo in irgend einem Gesetze auf Bestimmungen des bisherigen Strafrechts
verwiesen wird, treten die Vorschriften des gegenwärtigen Strafgesetzbuchs an
deren Stelle.



Zum richtigen Verständniß dieser, in der Fassung des Gesetzes nicht
gehörig auseinander gelegten Bestimmungen ist es zuvörderst nothwendig,
daß man sich die Beschaffenheit der Rechtsquellen, welche vor der
Erlassung des Strafgesetzbuchs in der Preußischen Monarchie für das
Strafrecht galten, vergegenwärtige. Es sind in dieser Beziehung zu
unterscheiden:

a. Die allgemeinen Landesgesetze, welche für den ganzen Umfang
der Monarchie erlassen sind. Dieselben können als das gemeine Lan-
desrecht
bezeichnet werden.

b. In den einzelnen Gebietstheilen finden sich gewisse Rechts-
quellen, welche für den Umfang ihrer Geltung gleichfalls die Bedeu-
tung des gemeinen Rechts haben, und die Grundlage und Hauptquelle
der verschiedenen in Preußen vorkommenden Rechtssysteme bilden. Im
Gegensatz zu dem gemeinen Landesrecht empfiehlt sich für diese Rechts-
quellen die Benennung: beschränkt gemeines Recht. Dahin ge-
hörten für das Strafrecht:

1) Das Allgemeine Landrecht, dessen strafrechtliche Bestimmungen
in dem zwanzigsten Titel des zweiten Theiles enthalten sind.
2) Der im Bezirke des Appellationsgerichts zu Köln als Rheini-
sches Strafgesetzbuch geltende Code penal.
3) Das gemeine Deutsche Kriminalrecht, oder wie die im Art. II.
nicht ganz passend gewählte Bezeichnung lautet: die gemeinen Deutschen
Kriminalgesetze, -- in Neuvorpommern und Rügen, dem Bezirke des
Justizsenates zu Ehrenbreitstein und dem Fürstenthume Hohenzollern-
Hechingen.
4) Das im Fürstenthume Hohenzollern-Sigmaringen recipirte Ba-
dische Strafgesetzbuch.

Art. II. III.
des Allgemeinen Landrechts, das Rheiniſche Strafgeſetzbuch, diegemeinen
Deutſchen Kriminalgeſetze und das in dem Fürſtenthume Hohenzollern-Sigma-
ringen rezipirte Großherzoglich Badiſche Strafgeſetzbuch, nebſt allen dieſelben
ergänzenden, abändernden und erläuternden Beſtimmungen.

Dagegen bleiben in Kraft die beſonderen Strafgeſetze, inſoweit ſie Materien
betreffen, in Hinſicht deren das gegenwärtige Strafgeſetzbuch nichts
beſtimmt,
namentlich die Geſetze über die Beſtrafung der Poſt-, Steuer- und Zoll-Kon-
travenienten, über den Mißbrauch des Vereins- und
Verſammlungsrechts, über
die Beſtrafung des Holzdiebſtahls, über die Widerſetzlichkeiten bei Forſt- und
Jagdvergehen und gegen Zollbeamte.

Artikel III.

Wo in irgend einem Geſetze auf Beſtimmungen des bisherigen Strafrechts
verwieſen wird, treten die Vorſchriften des gegenwärtigen Strafgeſetzbuchs an
deren Stelle.



Zum richtigen Verſtändniß dieſer, in der Faſſung des Geſetzes nicht
gehörig auseinander gelegten Beſtimmungen iſt es zuvörderſt nothwendig,
daß man ſich die Beſchaffenheit der Rechtsquellen, welche vor der
Erlaſſung des Strafgeſetzbuchs in der Preußiſchen Monarchie für das
Strafrecht galten, vergegenwärtige. Es ſind in dieſer Beziehung zu
unterſcheiden:

a. Die allgemeinen Landesgeſetze, welche für den ganzen Umfang
der Monarchie erlaſſen ſind. Dieſelben können als das gemeine Lan-
desrecht
bezeichnet werden.

b. In den einzelnen Gebietstheilen finden ſich gewiſſe Rechts-
quellen, welche für den Umfang ihrer Geltung gleichfalls die Bedeu-
tung des gemeinen Rechts haben, und die Grundlage und Hauptquelle
der verſchiedenen in Preußen vorkommenden Rechtsſyſteme bilden. Im
Gegenſatz zu dem gemeinen Landesrecht empfiehlt ſich für dieſe Rechts-
quellen die Benennung: beſchränkt gemeines Recht. Dahin ge-
hörten für das Strafrecht:

1) Das Allgemeine Landrecht, deſſen ſtrafrechtliche Beſtimmungen
in dem zwanzigſten Titel des zweiten Theiles enthalten ſind.
2) Der im Bezirke des Appellationsgerichts zu Köln als Rheini-
ſches Strafgeſetzbuch geltende Code pénal.
3) Das gemeine Deutſche Kriminalrecht, oder wie die im Art. II.
nicht ganz paſſend gewählte Bezeichnung lautet: die gemeinen Deutſchen
Kriminalgeſetze, — in Neuvorpommern und Rügen, dem Bezirke des
Juſtizſenates zu Ehrenbreitſtein und dem Fürſtenthume Hohenzollern-
Hechingen.
4) Das im Fürſtenthume Hohenzollern-Sigmaringen recipirte Ba-
diſche Strafgeſetzbuch.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0605" n="595"/><fw place="top" type="header">Art. II. III.</fw><lb/>
des Allgemeinen Landrechts, das         Rheini&#x017F;che Strafge&#x017F;etzbuch, diegemeinen<lb/>
Deut&#x017F;chen         Kriminalge&#x017F;etze und das in dem Für&#x017F;tenthume         Hohenzollern-Sigma-<lb/>
ringen rezipirte Großherzoglich Badi&#x017F;che         Strafge&#x017F;etzbuch, neb&#x017F;t allen die&#x017F;elben<lb/>
ergänzenden,         abändernden und erläuternden Be&#x017F;timmungen.</p><lb/>
              <p>Dagegen bleiben in Kraft die be&#x017F;onderen Strafge&#x017F;etze,         in&#x017F;oweit &#x017F;ie Materien<lb/>
betreffen, in Hin&#x017F;icht deren das         gegenwärtige Strafge&#x017F;etzbuch nichts<lb/>
be&#x017F;timmt,<lb/>
namentlich die         Ge&#x017F;etze über die Be&#x017F;trafung der Po&#x017F;t-, Steuer- und         Zoll-Kon-<lb/>
travenienten, über den Mißbrauch des Vereins-         und<lb/>
Ver&#x017F;ammlungsrechts, über<lb/>
die Be&#x017F;trafung des         Holzdieb&#x017F;tahls, über die Wider&#x017F;etzlichkeiten bei For&#x017F;t-         und<lb/>
Jagdvergehen und gegen Zollbeamte.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Artikel</hi> III.</head><lb/>
            <div n="4">
              <head/>
              <p>Wo in irgend einem Ge&#x017F;etze auf Be&#x017F;timmungen des         bisherigen Strafrechts<lb/>
verwie&#x017F;en wird, treten die Vor&#x017F;chriften des         gegenwärtigen Strafge&#x017F;etzbuchs an<lb/>
deren Stelle.</p>
            </div><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <div n="4">
              <head/>
              <p>Zum richtigen Ver&#x017F;tändniß die&#x017F;er, in der         Fa&#x017F;&#x017F;ung des Ge&#x017F;etzes nicht<lb/>
gehörig auseinander gelegten         Be&#x017F;timmungen i&#x017F;t es zuvörder&#x017F;t nothwendig,<lb/>
daß man         &#x017F;ich die Be&#x017F;chaffenheit der Rechtsquellen, welche vor         der<lb/>
Erla&#x017F;&#x017F;ung des Strafge&#x017F;etzbuchs in der         Preußi&#x017F;chen Monarchie für das<lb/>
Strafrecht galten, vergegenwärtige. Es         &#x017F;ind in die&#x017F;er Beziehung zu<lb/>
unter&#x017F;cheiden:</p><lb/>
              <p><hi rendition="#aq">a.</hi> Die allgemeinen Landesge&#x017F;etze, welche für den         ganzen Umfang<lb/>
der Monarchie erla&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ind.         Die&#x017F;elben können als das <hi rendition="#g">gemeine Lan-<lb/>
desrecht</hi> bezeichnet werden.</p><lb/>
              <p><hi rendition="#aq">b.</hi> In den einzelnen Gebietstheilen finden &#x017F;ich         gewi&#x017F;&#x017F;e Rechts-<lb/>
quellen, welche für den Umfang ihrer Geltung         gleichfalls die Bedeu-<lb/>
tung des gemeinen Rechts haben, und die Grundlage und         Hauptquelle<lb/>
der ver&#x017F;chiedenen in Preußen vorkommenden         Rechts&#x017F;y&#x017F;teme bilden. Im<lb/>
Gegen&#x017F;atz zu dem gemeinen         Landesrecht empfiehlt &#x017F;ich für die&#x017F;e Rechts-<lb/>
quellen die         Benennung: <hi rendition="#g">be&#x017F;chränkt gemeines Recht</hi>. Dahin         ge-<lb/>
hörten für das Strafrecht:</p><lb/>
              <list>
                <item>1) Das Allgemeine Landrecht, de&#x017F;&#x017F;en &#x017F;trafrechtliche          Be&#x017F;timmungen<lb/>
in dem zwanzig&#x017F;ten Titel des zweiten Theiles          enthalten &#x017F;ind.</item><lb/>
                <item>2) Der im Bezirke des Appellationsgerichts zu Köln als Rheini-<lb/>
&#x017F;ches          Strafge&#x017F;etzbuch geltende <hi rendition="#aq">Code pénal</hi>.</item><lb/>
                <item>3) Das gemeine Deut&#x017F;che Kriminalrecht, oder wie die im Art. II.<lb/>
nicht          ganz pa&#x017F;&#x017F;end gewählte Bezeichnung lautet: die gemeinen          Deut&#x017F;chen<lb/>
Kriminalge&#x017F;etze, &#x2014; in Neuvorpommern und          Rügen, dem Bezirke des<lb/>
Ju&#x017F;tiz&#x017F;enates zu          Ehrenbreit&#x017F;tein und dem Für&#x017F;tenthume          Hohenzollern-<lb/>
Hechingen.</item><lb/>
                <item>4) Das im Für&#x017F;tenthume Hohenzollern-Sigmaringen recipirte          Ba-<lb/>
di&#x017F;che Strafge&#x017F;etzbuch.</item>
              </list><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[595/0605] Art. II. III. des Allgemeinen Landrechts, das Rheiniſche Strafgeſetzbuch, diegemeinen Deutſchen Kriminalgeſetze und das in dem Fürſtenthume Hohenzollern-Sigma- ringen rezipirte Großherzoglich Badiſche Strafgeſetzbuch, nebſt allen dieſelben ergänzenden, abändernden und erläuternden Beſtimmungen. Dagegen bleiben in Kraft die beſonderen Strafgeſetze, inſoweit ſie Materien betreffen, in Hinſicht deren das gegenwärtige Strafgeſetzbuch nichts beſtimmt, namentlich die Geſetze über die Beſtrafung der Poſt-, Steuer- und Zoll-Kon- travenienten, über den Mißbrauch des Vereins- und Verſammlungsrechts, über die Beſtrafung des Holzdiebſtahls, über die Widerſetzlichkeiten bei Forſt- und Jagdvergehen und gegen Zollbeamte. Artikel III. Wo in irgend einem Geſetze auf Beſtimmungen des bisherigen Strafrechts verwieſen wird, treten die Vorſchriften des gegenwärtigen Strafgeſetzbuchs an deren Stelle. Zum richtigen Verſtändniß dieſer, in der Faſſung des Geſetzes nicht gehörig auseinander gelegten Beſtimmungen iſt es zuvörderſt nothwendig, daß man ſich die Beſchaffenheit der Rechtsquellen, welche vor der Erlaſſung des Strafgeſetzbuchs in der Preußiſchen Monarchie für das Strafrecht galten, vergegenwärtige. Es ſind in dieſer Beziehung zu unterſcheiden: a. Die allgemeinen Landesgeſetze, welche für den ganzen Umfang der Monarchie erlaſſen ſind. Dieſelben können als das gemeine Lan- desrecht bezeichnet werden. b. In den einzelnen Gebietstheilen finden ſich gewiſſe Rechts- quellen, welche für den Umfang ihrer Geltung gleichfalls die Bedeu- tung des gemeinen Rechts haben, und die Grundlage und Hauptquelle der verſchiedenen in Preußen vorkommenden Rechtsſyſteme bilden. Im Gegenſatz zu dem gemeinen Landesrecht empfiehlt ſich für dieſe Rechts- quellen die Benennung: beſchränkt gemeines Recht. Dahin ge- hörten für das Strafrecht: 1) Das Allgemeine Landrecht, deſſen ſtrafrechtliche Beſtimmungen in dem zwanzigſten Titel des zweiten Theiles enthalten ſind. 2) Der im Bezirke des Appellationsgerichts zu Köln als Rheini- ſches Strafgeſetzbuch geltende Code pénal. 3) Das gemeine Deutſche Kriminalrecht, oder wie die im Art. II. nicht ganz paſſend gewählte Bezeichnung lautet: die gemeinen Deutſchen Kriminalgeſetze, — in Neuvorpommern und Rügen, dem Bezirke des Juſtizſenates zu Ehrenbreitſtein und dem Fürſtenthume Hohenzollern- Hechingen. 4) Das im Fürſtenthume Hohenzollern-Sigmaringen recipirte Ba- diſche Strafgeſetzbuch.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_kommentar_1851
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_kommentar_1851/605
Zitationshilfe: Beseler, Georg: Kommentar über das Strafgesetzbuch für die Preußischen Staaten. Leipzig, 1851, S. 595. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_kommentar_1851/605>, abgerufen am 13.10.2019.