Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beseler, Georg: Volksrecht und Juristenrecht. Leipzig, 1843.

Bild:
<< vorherige Seite
Fünftes Kapitel.
Das Volksrecht als gemeines Landrecht.

Es sind schon früher die Ursachen angegeben worden,
warum das Volksrecht gerade auf dem Gebiete des gemeinen
Landrechts, welches sowohl zum particulären Rechte als auch
zum Ständerechte einen Gegensatz bildet, nur in einer beschränk-
ten Geltung vorkommt. Denn gerade in dieser Sphäre hat
sich das römische Recht festgesetzt, und durch das Juristenrecht
seine Umbildung und weitere Entwicklung erhalten, so daß von
einer allgemeinen Herrschaft des Volksrechts nicht die Rede
seyn kann. Dasselbe kommt hier vielmehr nur insofern in
Betracht, als es sich dem römischen Recht gegenüber selbstän-
dig geltend gemacht, oder doch dem Juristenrecht seinen In-
halt und seine bestimmte Richtung gegeben hat. Um nun die
Bedeutung des Volksrechts in dieser Beziehung zu würdigen,
wird es zuvörderst nöthig seyn, das gemeine Landrecht in sei-
nen einzelnen Theilen genauer zu betrachten, und die Beschaf-
fenheit seines Inhalts von dem bezeichneten Standpuncte aus
zu bestimmen. Es ist dabei aber nicht auf eine vollständige
Erwägung des Details abgesehen, wofür es auch noch an den
nöthigen Vorarbeiten fehlt; der Zweck der folgenden Ausfüh-
rung geht vielmehr nur dahin, eine allgemeine Charakteristik
des Einflusses, welchen das Volksrecht in dieser Sphäre aus-
geübt hat, an die Darlegung des Einzelnen anzuknüpfen.

I. Das Privatrecht.

Hier findet sich das Volksrecht theilweise noch in einer
sehr ausgebreiteten Wirksamkeit. Namentlich das Fami-

Fünftes Kapitel.
Das Volksrecht als gemeines Landrecht.

Es ſind ſchon fruͤher die Urſachen angegeben worden,
warum das Volksrecht gerade auf dem Gebiete des gemeinen
Landrechts, welches ſowohl zum particulaͤren Rechte als auch
zum Staͤnderechte einen Gegenſatz bildet, nur in einer beſchraͤnk-
ten Geltung vorkommt. Denn gerade in dieſer Sphaͤre hat
ſich das roͤmiſche Recht feſtgeſetzt, und durch das Juriſtenrecht
ſeine Umbildung und weitere Entwicklung erhalten, ſo daß von
einer allgemeinen Herrſchaft des Volksrechts nicht die Rede
ſeyn kann. Daſſelbe kommt hier vielmehr nur inſofern in
Betracht, als es ſich dem roͤmiſchen Recht gegenuͤber ſelbſtaͤn-
dig geltend gemacht, oder doch dem Juriſtenrecht ſeinen In-
halt und ſeine beſtimmte Richtung gegeben hat. Um nun die
Bedeutung des Volksrechts in dieſer Beziehung zu wuͤrdigen,
wird es zuvoͤrderſt noͤthig ſeyn, das gemeine Landrecht in ſei-
nen einzelnen Theilen genauer zu betrachten, und die Beſchaf-
fenheit ſeines Inhalts von dem bezeichneten Standpuncte aus
zu beſtimmen. Es iſt dabei aber nicht auf eine vollſtaͤndige
Erwaͤgung des Details abgeſehen, wofuͤr es auch noch an den
noͤthigen Vorarbeiten fehlt; der Zweck der folgenden Ausfuͤh-
rung geht vielmehr nur dahin, eine allgemeine Charakteriſtik
des Einfluſſes, welchen das Volksrecht in dieſer Sphaͤre aus-
geuͤbt hat, an die Darlegung des Einzelnen anzuknuͤpfen.

I. Das Privatrecht.

Hier findet ſich das Volksrecht theilweiſe noch in einer
ſehr ausgebreiteten Wirkſamkeit. Namentlich das Fami-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0152" n="[140]"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Fünftes Kapitel.</hi><lb/><hi rendition="#g">Das Volksrecht als gemeines Landrecht</hi>.</head><lb/>
          <p>Es &#x017F;ind &#x017F;chon fru&#x0364;her die Ur&#x017F;achen angegeben worden,<lb/>
warum das Volksrecht gerade auf dem Gebiete des gemeinen<lb/>
Landrechts, welches &#x017F;owohl zum particula&#x0364;ren Rechte als auch<lb/>
zum Sta&#x0364;nderechte einen Gegen&#x017F;atz bildet, nur in einer be&#x017F;chra&#x0364;nk-<lb/>
ten Geltung vorkommt. Denn gerade in die&#x017F;er Spha&#x0364;re hat<lb/>
&#x017F;ich das ro&#x0364;mi&#x017F;che Recht fe&#x017F;tge&#x017F;etzt, und durch das Juri&#x017F;tenrecht<lb/>
&#x017F;eine Umbildung und weitere Entwicklung erhalten, &#x017F;o daß von<lb/>
einer allgemeinen Herr&#x017F;chaft des Volksrechts nicht die Rede<lb/>
&#x017F;eyn kann. Da&#x017F;&#x017F;elbe kommt hier vielmehr nur in&#x017F;ofern in<lb/>
Betracht, als es &#x017F;ich dem ro&#x0364;mi&#x017F;chen Recht gegenu&#x0364;ber &#x017F;elb&#x017F;ta&#x0364;n-<lb/>
dig geltend gemacht, oder doch dem Juri&#x017F;tenrecht &#x017F;einen In-<lb/>
halt und &#x017F;eine be&#x017F;timmte Richtung gegeben hat. Um nun die<lb/>
Bedeutung des Volksrechts in die&#x017F;er Beziehung zu wu&#x0364;rdigen,<lb/>
wird es zuvo&#x0364;rder&#x017F;t no&#x0364;thig &#x017F;eyn, das gemeine Landrecht in &#x017F;ei-<lb/>
nen einzelnen Theilen genauer zu betrachten, und die Be&#x017F;chaf-<lb/>
fenheit &#x017F;eines Inhalts von dem bezeichneten Standpuncte aus<lb/>
zu be&#x017F;timmen. Es i&#x017F;t dabei aber nicht auf eine voll&#x017F;ta&#x0364;ndige<lb/>
Erwa&#x0364;gung des Details abge&#x017F;ehen, wofu&#x0364;r es auch noch an den<lb/>
no&#x0364;thigen Vorarbeiten fehlt; der Zweck der folgenden Ausfu&#x0364;h-<lb/>
rung geht vielmehr nur dahin, eine allgemeine Charakteri&#x017F;tik<lb/>
des Einflu&#x017F;&#x017F;es, welchen das Volksrecht in die&#x017F;er Spha&#x0364;re aus-<lb/>
geu&#x0364;bt hat, an die Darlegung des Einzelnen anzuknu&#x0364;pfen.</p><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#aq">I.</hi><hi rendition="#g">Das Privatrecht</hi>.</head><lb/>
            <p>Hier findet &#x017F;ich das Volksrecht theilwei&#x017F;e noch in einer<lb/>
&#x017F;ehr ausgebreiteten Wirk&#x017F;amkeit. Namentlich <hi rendition="#g">das Fami-<lb/></hi></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[140]/0152] Fünftes Kapitel. Das Volksrecht als gemeines Landrecht. Es ſind ſchon fruͤher die Urſachen angegeben worden, warum das Volksrecht gerade auf dem Gebiete des gemeinen Landrechts, welches ſowohl zum particulaͤren Rechte als auch zum Staͤnderechte einen Gegenſatz bildet, nur in einer beſchraͤnk- ten Geltung vorkommt. Denn gerade in dieſer Sphaͤre hat ſich das roͤmiſche Recht feſtgeſetzt, und durch das Juriſtenrecht ſeine Umbildung und weitere Entwicklung erhalten, ſo daß von einer allgemeinen Herrſchaft des Volksrechts nicht die Rede ſeyn kann. Daſſelbe kommt hier vielmehr nur inſofern in Betracht, als es ſich dem roͤmiſchen Recht gegenuͤber ſelbſtaͤn- dig geltend gemacht, oder doch dem Juriſtenrecht ſeinen In- halt und ſeine beſtimmte Richtung gegeben hat. Um nun die Bedeutung des Volksrechts in dieſer Beziehung zu wuͤrdigen, wird es zuvoͤrderſt noͤthig ſeyn, das gemeine Landrecht in ſei- nen einzelnen Theilen genauer zu betrachten, und die Beſchaf- fenheit ſeines Inhalts von dem bezeichneten Standpuncte aus zu beſtimmen. Es iſt dabei aber nicht auf eine vollſtaͤndige Erwaͤgung des Details abgeſehen, wofuͤr es auch noch an den noͤthigen Vorarbeiten fehlt; der Zweck der folgenden Ausfuͤh- rung geht vielmehr nur dahin, eine allgemeine Charakteriſtik des Einfluſſes, welchen das Volksrecht in dieſer Sphaͤre aus- geuͤbt hat, an die Darlegung des Einzelnen anzuknuͤpfen. I. Das Privatrecht. Hier findet ſich das Volksrecht theilweiſe noch in einer ſehr ausgebreiteten Wirkſamkeit. Namentlich das Fami-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_volksrecht_1843
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_volksrecht_1843/152
Zitationshilfe: Beseler, Georg: Volksrecht und Juristenrecht. Leipzig, 1843, S. [140]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beseler_volksrecht_1843/152>, abgerufen am 06.08.2020.